Covid-Infizierter besuchte Mutter im Spital

Vorarlberg / 11.01.2022 • 21:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der bislang unbescholtene Angeklagte gestand sein Fehlverhalten bei der Verhandlung ein. Eckert
Der bislang unbescholtene Angeklagte gestand sein Fehlverhalten bei der Verhandlung ein. Eckert

Junger Russe wegen vorsätzlicher Gefährdung zu 800 Euro Geldstrafe verurteilt.

Feldkirch Ein 26-jähriger Russe ist am Landesgericht Feldkirch wegen vorsätzlicher Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten zu einer unbedingten Geldstrafe von 800 Euro verurteilt worden.

„Eine Notsituation“

Der junge Mann lebt seit über zehn Jahren in Österreich, absolviert zurzeit eine technisch anspruchsvolle Lehre, spricht sehr gut Deutsch und kümmert sich vorbildlich um seine Mutter. Als diese im September überraschend ins Spital musste, brachte er sie mit dem Auto nach Hohenems, stieg aus dem Wagen und begleitete sie ins Foyer des Spitals.

Am nächsten Tag brachte er ihr noch ein paar Sachen vorbei. Der erste Besuch, also die Begleitung der Mutter zur stationären Aufnahme, wurde seitens der Staatsanwaltschaft angeklagt, denn der Sohn der Patientin war positiv auf Corona getestet worden und hätte laut Absonderungsbescheid zuhause bleiben müssen. „Es tut mir leid, aber ich war in einer Notsituation. Ich konnte doch meine Mutter nicht alleinlassen“, erklärt der Angeklagte bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch. Er sagt, er habe sich vorher erkundigt, ob er seine Mutter zu einem Corona-Test chauffieren dürfe, das habe man ihm angeblich erlaubt. Ob diese Information tatsächlich so mitgeteilt wurde, bleibt beim Prozess jedoch offen. Jedenfalls hätte er auf gar keinen Fall ein Krankenhaus betreten dürfen. Zwar kam er nicht weiter als bis zum Portier, doch auch das ist streng verboten.

Negativer Selbsttest

„Ich will auch nicht, dass sich dieses Virus weiter ausbreitet, aber meine Mama war auf mich angewiesen, sie hat doch sonst niemanden. Außerdem trug ich eine Maske“, erklärt der junge Mann. Nach seiner ersten Fahrt zum Spital habe er zuhause einen Selbsttest gemacht und der sei negativ gewesen.

Darum habe er am nächsten Tag noch die Sachen der Mutter ins Spital gebracht. Er kann die ganze Aufregung nicht so recht verstehen. „Ich habe ein Jahr bei der Caritas gearbeitet und das Letzte, was ich wollte, war, jemanden zu gefährden“, erörtert der Russe weiter. „Bitte trennen Sie mich nicht von meiner Mutter!“, bittet er unter Tränen Richter Richard Gschwenter um ein mildes Urteil. Auch die Mutter weint. Beide befürchten, dass es allenfalls eine Gefängnisstrafe geben könnte

Erleichterung

Doch so schlimm kommt es nicht. Der bislang Unbescholtene sieht sein Fehlverhalten ein und bekommt die Geldstrafe. Mit seinem Einkommen kann er diese ohne große Probleme bezahlen. Mutter und Sohn sind glücklich. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. EC

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.