Lech zwischen Omikron und dem Weißen Ring

Vorarlberg / 11.01.2022 • 16:52 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Lech zwischen Omikron und dem Weißen Ring
Bei den Skiliften gibt es Aushänge, der Kontrolldruck bei den Lokalen ist sichtbar hoch. VN/Rauch

In Lech geht das Leben trotz hoher Infektionswerte weiter, wenn auch mit Herausforderungen.

Lech Der Wintersportort hat gerade Atempause. Der Jahreswechsel ist überstanden, der Weiße Ring ist noch einige Tage entfernt. Die Wintergäste verteilen sich gut über das Skigebiet, auch im Ort selbst ist der Trubel in den Mittagsstunden übersichtlich.

Langweilig hat es Dejan Marinkovic dennoch nicht. Er kontrolliert vor der Krone die 2G-Nachweise. “Von den hohen Infektionszahlen im Ort spüre ich nichts”, erklärt der Security. Die Leute kämen gleich oft und gern wie zuvor. “Probleme gibt es keine, alle machen brav mit”, sieht er wenig Unzufriedenheit mit den Corona-Auflagen.

Dankbare Gäste

“Es ist hier nicht gefährlicher als zuhause, wir sind dankbar, dass wir Skifahren dürfen”, freut sich Götz Belde über die offenen Pisten. Für einen Wintersportort wie Lech wäre die Alternative fatal, ist der Düsseldorfer überzeugt. “Die Auflagen sind sinnvoll”, betont sein Begleiter Martin Matzel. Sie spielen dennoch auf Nummer sicher: Volle Liftkabinen wie auch die Innenräume von Lokalen meiden sie. Matzel ist schon eine Woche länger in Lech, er kocht meist selbst im gemieteten Appartement. Insgesamt bleibe es jedoch eine Gratwanderung: “Ob es da ein Skirennen wie den Weißen Ring braucht, weiß ich nicht.”

Der 51-jährige Belde ärgert sich aus einem anderen Grund: “Ich bekam grad über die App eine Warnung herein, vermutlich von der Anreise per Zug.” Sicherheitshalber würde er sich vor seiner Abreise am Mittwoch selbst testen. Heimtests sind derzeit in Lech jedoch keine verfügbar. Die Teststraße ist nur am Vormittag geöffnet, auch im Spar gibt es nur PCR-Gurgeltests. Bis das Ergebnis vorliegt, sitzt er schon wieder im Zug.

Psychische Belastung

“Die Gäste sind sehr verständnisvoll”, bestätigt Melanie Schneider vom Jagdhaus Monzabon im Zentrum von Lech. Sie führt im Haus ein strenges Testregime, betont die Gastwirtin – auch zum Schutz des Personals. Wenig begeistert ist die Lecherin von der Inzidenzberechnung: “Wir sind derzeit einfach kein 1500-Seelen-Dorf”, verweist sie auf die Gäste und das Personal. Zu Hochzeiten sind 10.000 Menschen im Ort, derzeit seien es locker immer noch 5000. Noch ärgerlicher sei aber die anhaltend kurzfristigen Entscheidungen der Bundesregierung. “Gäste wissen aus den Medien von neuen Auflagen schneller als wir oder die Behördenvertreter”, verweist sie auf stundenlange Telefonate, um offene Fragen oder Details abzuklären.

Hinzu kommt die psychische Belastung. Ist jeder gesund, kann man geöffnet bleiben oder arbeiten gehen? Solche Fragen beschäftige nicht nur Hoteliers und ihre Mitarbeiter. “Viele jahrelange Mitarbeiter orientieren sich um, auch wegen dieser Belastung”, weiß Schneider von Leuten aus dem Gastgewerbe, die nun lieber Pakete ausfahren. Doch auch andere Dienstleister finden kaum Personal. Und auch im eigenen Haushalt spürt sie, dass die Kinder die Maßnahmen mittragen, aber ihnen doch etwas fehlt. “Die Jungen wollen Musik, sich bewegen können”, auch die oft fehlende körperliche Nähe durch den Verzicht auf Umarmungen und ähnlichem schlage sich nieder.

“Nicht gerade opportun”

“Es ist gut, dass wieder etwas Normalität einkehrt”, freut sich eine Pädagogin im Ort, während sie auf die im Schnee spielenden Schüler achtet. Dazu gehöre auch der Weiße Ring. Wichtig bleibe das regelmäßige Testen und das Einhalten der Regeln, dies klappe in Lech auch gut. Es helfe auch, dass Omikron weniger gefährlich sei als frühere Varianten, sieht sie weniger Risiken bei einer drohenden Durchseuchung.

In der Bäckerei ärgert sich eine Einheimische derweil über die hohen Infektionszahlen. Sie gehe deswegen bereits lieber nach Bludenz einkaufen. Was sie vom Weißen Ring hält? “Ich habe gestern davon erfahren, was soll ich sagen? Ich halte es nicht gerade für opportun.” Außerdem rede niemand über Adelboden. “Dort setzt man inzwischen auf eine Durchseuchung. Es ist nun jedem überlassen, selbst Verantwortung zu übernehmen.”

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