Aus dem Bezirksgericht: Wütende Joggerin beflegelte Polizisten

Vorarlberg / 12.01.2022 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Zündstoff Corona: Beim Streifendienst in den Bregenzer Seeanlagen gerieten Beamte in eine Auseinandersetzung mit einer Joggerin. <span class="copyright">symbol/vn/steurer</span>
Zündstoff Corona: Beim Streifendienst in den Bregenzer Seeanlagen gerieten Beamte in eine Auseinandersetzung mit einer Joggerin. symbol/vn/steurer

Epileptikerin bekam vor Ordnungshütern einen Anfall – allerdings aus Zorn.

Bregenz Die Angeklagte sitzt wegen Beamtenbeleidigung vor Richter Christian Röthlin im Bezirksgericht Bregenz. Hastig zieht sie die Jacke aus, beginnt plötzlich heftig zu schnaufen und stöhnt aufgeregt: “Ich bin Epilektikerin, und jetzt kommt’s schon wieder, mein Herzschlag geht hoch . . .!”

Frage wegen der Ausgangssperre

Doch schon kurz darauf fängt sie sich wieder ein und erzählt dem Richter, was damals geschah. Damals, an jenem frühsommerlichen Abend in den Bregenzer Hafenanlagen. “Ich war joggen. Und zwar am Abend, denn da war es nicht mehr so heiß. Wichtig für mich wegen meiner Krankheit, wissen Sie? Da sah ich das Dienstfahrzeug der Polizei und wollte die Beamten fragen, wie denn das mit Ausgangssperre sei.”

Doch der Beifahrer im Polizeiauto hätte das Fenster nicht heruntergefahren und der Beamte am Steuer sei mit irgendwelchen Teenagern beschäftigt gewesen. Das habe sie aufgeregt, sagt die 28-Jährige. “Dann sagte der Polizist zu mir, dass ich ihn ersten nicht mit ‘du’ anzureden habe, zwei Meter Abstand halten soll und außerdem eine Maske tragen müsse. Da ging ich weg und rief noch ‘mein Gott, ihr Schisser’ zurück.”

Widersprüchliche Aussagen

Anders die Aussagen der beiden Polizisten als Zeugen: “Die Frau wollte sich über die Coronamaßnahmen beschweren und beleidigte uns mit den unflätigsten Äußerungen. Worauf wir aus dem Fahrzeug stiegen und die Frau einer Personenkontrolle unterzogen.”

Diese “Personenkontrolle” wird von der Angeklagten wie folgt beschrieben: “Ich wollte meine Daten nicht bekannt geben. Da packte mich einer von ihnen am Hals, würgte mich und schmiss mich auf den Boden. Dann legten sie mir Handschellen an und warfen mich ins Polizeiauto. “

“Habe nur Schisser gerufen”

Doch Richter Röthlin unterbricht: “Das ist hier nicht Verhandlungsgegenstand. Hier geht es um Beleidigung von Beamten im Dienst.”

Worauf die Beschuldigte entgegnet: “Was die behaupten, ist eine heftige Lügnerei! Ich habe nur Schisser gerufen.”

Unmittelbare Zeugen der Äußerungen gab es keine. Außer den betroffenen Beamten. Und die bleiben dabei: “Über ihre Wortwahl gibt es keine Zweifel.”

Auch nicht für den Richter. Er verurteilt die 28-jährige im Sinne der Anklage zu einer Geldstrafe in Höhe von 80 Tagessätzen zu je vier Euro, also insgesamt 320 Euro. Außerdem wird sie noch zur Zahlung eines Teilschadenersatzbetrages wegen Beleidigung an den betreffenden Polizisten verdonnert.

Die Verurteilte quittiert das zwar mit den Worten “man sollte auf eine Epileptikerin nicht gewaltsam reagieren”, nimmt die richterliche Entscheidung erstaunlicherweise jedoch widerspruchslos an. “Aber bitte mit Ratenzahlung”, sucht sie noch an.

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