Kirche verliert immer noch viele Gläubige

Vorarlberg / 12.01.2022 • 18:11 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Segen wird nie ausgeschlagen.vn
Segen wird nie ausgeschlagen.vn

Mehr als 3500 Personen traten im vergangenen Jahr aus. Segensreiche Initiative soll frischen Wind bringen.

Feldkirch Die Katholische Kirche schrumpft weiter, auch in Vorarlberg. Im vergangenen Jahr haben ihr 3508 Frauen und Männer den Rücken gekehrt. Das sind um rund 600 mehr als 2020 und um 300 mehr als 2019. „Die Zahl der Kirchenaustritte schmerzt, liegt aber im Trend der Vorjahre“, zieht Pastoralamtsleiter Martin Fenkart einen ersten Schluss aus den vorläufigen Zahlen. Er ist auch überzeugt, dass die Kirche noch kleiner wird. „Dazu braucht man keine hellseherischen Fähigkeiten“, aber, betont er: „Wir bleiben für alle Menschen im Dienst, nicht zuletzt dank der Tausenden hoch engagierten Ehrenamtlichen.“ Was sie alles leisten, werde in einer gesamtgesellschaftlichen Krise oft leicht übersehen: „In Trauer und Krankheit sind Priester und Seelsorgerinnen für alle da – in den 126 Pfarren und auch in den Krankenhäusern des Landes. Alte und kranke Menschen werden besucht. Notleidende erhalten Hilfe, etwa bei der Telefonseelsorge.“

Großer Bildungsanbieter

Doch Kirche ist nicht allen gleichgültig. Immerhin wurden im vergangenen Jahr 2357 Kinder getauft, 283 Paare haben sich das Jawort gegeben, 145 Personen sind wieder in den Schoß der Kirche zurückgekehrt und 34 haben ihren Austritt innerhalb von drei Monaten rückgängig gemacht. „Aus Gesprächen mit austretenden Menschen bei unserer Dialogstelle wissen wir, dass traditionelle christliche Feste nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert haben“, sagt Martin Fenkart und erwähnt noch, dass die Kirche mit ihren Bildungshäusern und Einrichtungen auch zu den großen Bildungsanbietern im Land gehört. Die große Herausforderung sei es, das alles noch zugänglicher zu gestalten, sprich Kontakt zu halten, „auch wenn er heuer loser sein wird als noch vor einigen Jahren“.

Kapitulieren vor der Entwicklung wollen die Kirchenverantwortlichen  jedoch auf keinen Fall. Im Gegenteil: „Die Frage, was wir Gutes für die Menschen tun können, ist weiterhin Programm“, bekräftigt der Pastoralamtsleiter.

Besondere Segensorte

Eine Initiative, die frischen Wind in die Schar der Gläubigen bringen soll, nennt sich „Mein Segen“ und startet im Februar. „Wir haben so viele wunderbare Segensorte“, macht Martin Fenkart schon Werbung in eigener Sache. An diesen besonderen Orten, die noch vorgestellt werden, können sich Menschen zu besonderen Anlässen wie dem Valentinstag bei Gottesdiensten den Segen holen. „Viele Menschen sind offen für Segen in allen Formen“, berichtet Fenkart auch von einem Anstieg der Kerzenopfer in vielen Kirchen.

Derzeit gibt es in Vorarlberg 222.014 Katholikinnen und Katholiken. Die aktuellen Austritte machen 20 Prozent aus. Mit diesem Wert befindet sich die Diözese Feldkirch in bester Gesellschaft mit St. Pölten (20,8 Prozent) oder Wien (19,8 Prozent). Die meisten Austritte gab es in Innsbruck (38,6), die wenigsten in Gurk-Klagenfurt (11,5 Prozent).

„Die Frage, was wir Gutes für die Menschen tun können, ist weiterhin Programm.“

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