Baurechtsverwaltung für drei Gemeinden

Vorarlberg / 13.01.2022 • 16:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Bildstein und Kennelbach wollen Zusammenarbeit mit der benachbarten Marktgemeinde Wolfurt.

KENNELBACH, BILDSTEIN Einstimmig wurde in den Gemeinden Bildstein und Kennelbach die Zusammenarbeit mit der Marktgemeinde Wolfurt für künftige Baurechtsfragen beschlossen. In Wolfurt beraten die Mandatare noch im Jänner über diese Frage. Das Interesse an der Zusammenarbeit ist jedenfalls groß. Das Land fördert solche Vorhaben großzügig.

Kleingemeinden überfordert

Bauvorhaben von Privatleuten, Kommunen oder Firmen haben sich nach immer umfangreicher werdenden strengen Regeln zu richten, das Vorarlberger Baurecht wird ständig komplexer. Gerade Kleingemeinden sind oft überfordert, in diesen Fragen selbst aktiv zu werden. „Im Gemeindeamt Bildstein bin ich mit meiner Sekretärin allein. Unsere Gemeinde mit 806 Einwohnern kann weder einen Bausachverständigen noch einen Juristen hauptamtlich beschäftigen.“ Das berichtet Walter Moosbrugger, seit einem Jahr Bürgermeister von Bildstein.

Hilfe aus Wolfurt wäre willkomen

Seine Amtskollegin Irmgard Hagspiel aus Kennelbach kennt das Problem ebenfalls: „Neben größeren Bauvorhaben sind wir ja auch immer wieder mit Anbauten, mit dem Wunsch nach einem Carport usw. beschäftigt.“ Sie wäre froh, wenn dieses komplexe Thema der Gemeinde mit knapp 1900 Einwohnern künftig durch die gut ausgestattete Baurechtsabteilung von Wolfurt umfassend vorbereitet werden könnte.

Entscheidung bleibt im Ort

Für beide Kleingemeinden gilt aber, dass Bauanträge natürlich auch künftig in der Heimatgemeinde eingebracht werden. Bauausschuss und Gemeindevertretung werden nicht überflüssig, die Entscheidung über Bauvorhaben bleibt im Ort. Ob ein Bauprojekt so umgesetzt werden kann, wie sich das die Bauwerber vorstellen, darüber entscheidet also nach wie vor jede Gemeinde selbst. Der Bildsteiner Bürgermeister sieht vor allem Vorteile im Service für die Bürger. Anstehende Fragen könnten rascher und fundiert beantwortet werden.

Positive Beispiele

Positive Beispiele im Bregenzerwald oder im Vorderland bestärken auch Bürgermeister Moosbrugger als oberste Bauinstanz: „Keine einzige Gemeinde, die je einer Baurechtsverwaltung beitrat, würde diese wieder verlassen wollen.“ Bildstein pflegt zudem seit Jahren mit Wolfurt eine funktionierende Finanzkooperation. Auch Kennelbach hat gute Erfahrungen mit der Zusammenarbeit im regionalen Bereich gemacht.

Landesförderung

Das Land Vorarlberg unterstützt solche Kooperationen gerne: Während der ersten fünf Jahre beträgt die Förderung zuerst 60 Prozent und reduziert sich pro Jahr um zehn Prozent. Bildstein und Kennelbach würden sich mit einem Sockelbetrag beteiligen, die weiteren Kosten entstehen je nach Aufwand. Moosbrugger: „Im Vorjahr gab es in Bildstein vier Bauverhandlungen. Ich weiß nicht, ob es heuer zwei oder zehn sein werden.“

Für Kennelbach rechnet Irmgard Hagspiel mit mindestens zehn solchen Fällen pro Jahr. Die Kosten für beide Gemeinden würden sich kaum ändern, da die erforderlichen Leistungen auch bisher zugekauft werden mussten. In Bildstein heißt es dazu: „Auch die zunehmende Zahl an Einsprüchen oder anwaltlichen Spitzfindigkeiten bei Bebauungsvorschriften sind weitere Gründe für eine Professionalisierung in diesem Bereich.“

Sobald auch in Wolfurt eine Zustimmung erfolgt, können die Verträge formuliert werden, ein Start ist etwa im kommenden April angedacht. In Kennelbach beschlossen die Mandatarinnen und Mandatare bei ihrer Sitzung im Dezember deshalb einstimmig folgenden Antrag von Bürgermeisterin Hagspiel: „Die Gemeinde Kennelbach strebt eine gemeinsame Baurechtsverwaltung mit Wolfurt und Bildstein an. Für den schlussendlichen Vertragsabschluss bedarf es jedoch noch einer gesonderten Abstimmung bzw. eines GVE-Beschlusses.“ AJK

Irmgard Hagspiel: „In Kennelbach sind pro Jahr mindestens zehn Bauanträge zu bearbeiten.“ <span class="copyright">AJK/2</span>
Irmgard Hagspiel: „In Kennelbach sind pro Jahr mindestens zehn Bauanträge zu bearbeiten.“ AJK/2

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