Ein letzter Zufluchtsort

Vorarlberg / 13.01.2022 • 18:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein letzter Zufluchtsort

Schlafplätze in Notunterkünften nicht nur in kalter Jahreszeit stark gefragt.

Bregenz, Feldkirch Der Winter bringt neben Schnee und Eis vor allem Kälte. Nachts herrschen eisige Temperaturen. Ein gesicherter und warmer Schlafplatz ist für viele eine Selbstverständlichkeit. Doch nicht jeder Mensch hat dieses Privileg.

Notschlafstellen, wie jene der Caritas und der Sozialeinrichtung „dowas“, sind Orte, in denen Wohnungslose nächtigen können. Jedoch ist neben der Aufenthaltsdauer auch die Zahl an Betten begrenzt. Bei der Notunterkunft der Caritas in Feldkirch stehen acht Betten zur Verfügung. Das „dowas“ in Bregenz zählt zwölf Schlafplätze. Drei sind Frauen vorbehalten.

Die Auslastung sei unterschiedlich hoch und könne sich schnell ändern, erklären die Einrichtungen. „Wir können aktuell nie sagen, ob wir eine Woche später ein Bett frei haben“, sagte Julia Märk, Fachverantwortliche für die Notschlafstelle in Bregenz, zu den VN.

Nachfrage immer hoch

Generell ist die Nachfrage das ganze Jahr über hoch. 1897 Übernachtungen binnen eines Jahres wurden zuletzt in der Notschlafstelle der Caritas am Feldkircher Jahnplatz gezählt. Das „dowas“ in Bregenz vermerkte im Vorjahr bis in den Herbst hinein, die aktuelle Winterzeit also noch gar nicht eingerechnet, schon 2420 Nächtigungen.

Es kommt auch immer wieder einmal vor, dass Menschen abgewiesen werden müssen, weil kein Platz mehr ist. In einem solchen Fall wird meist an andere Einrichtungen vermittelt. Oft sind die Wohnungslosen aber auch gezwungen, die Nacht auf der Straße zu verbringen. „Für jene, die draußen schlafen, vergeben wir Schlafsäcke und Decken“, bekräftigt Julia Märk.

Die aktuellen Gegebenheiten erschweren die Situation der Obdachlosen zusätzlich: Nicht nur der harte Winter macht ihnen zu schaffen. Es ist auch die vorherrschende Coronasituation, die sehr belastend ist. „Es wird grundsätzlich zu wenig beachtet, dass es während der unterschiedlichen Lockdown-Phasen für Menschen ohne Obdach keinen Aufenthaltsort gibt“, zeigt die „dowas“-Mitarbeiterin auf. Wenn etwa die Sperrstunde anbricht und die Personen sich nirgendwo mehr aufwärmen können, bleibt nur noch die Straße.

Generell bekomme das Thema Obdachlosigkeit in Vorarlberg zu wenig Aufmerksamkeit, bekräftigen die Sozialarbeiter. „Denn davon betroffen sind nicht nur jene, die von uns wahrgenommen werden, weil sie auf der Straße sitzen. Da gibt es so viele Leute, die versteckt wohnungslos sind. Die schlafen bisweilen bei Bekannten und Verwandten auf der Couch oder im Auto. Die Problematik ist viel größer, als man denkt“, bekräftigt Ferdinand Koller als „dowas“-Beratungsleiter. So sieht es auch Christian Beiser, Stellenleiter für Existenz und Wohnen der Caritas: „Ich würde mir wünschen, dass wir uns alle in der Gesellschaft mit dem Thema Obdach- und Wohnungslosigkeit ganzjährig stärker beschäftigen würden und nicht immer nur kurz vor Weihnachten oder in der Zeit, wenn es draußen so richtig kalt ist.“ VN-LAF

Nicht nur der harte Winter ist für Obdachlose ein Problem, es ist auch die Coronasituation, die ihnen zu schaffen macht.

Julia Märk
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