Ein Streiter wider den Liberalismus

Vorarlberg / 13.01.2022 • 17:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Martin Thurnher was konservativer Politiker der ersten Stunde. Vbg. Autorenverband
Martin Thurnher was konservativer Politiker der ersten Stunde. Vbg. Autorenverband

Martin Thurnher war eine prägende Persönlichkeit der Konservativen im Land.

Dornbirn Österreich-Ungarn war ein äußerst vielfältiges Staatsgebilde. Eine Bestandsaufnahme der Habsburgermonarchie in den letzten fünf Jahrzehnten ihres Bestehens zeigt eine Großmacht im Niedergang. Soziale und politische Probleme sowie die alles überschattenden Nationalitätenstreitigkeiten rüttelten an den Fundamenten des Reiches. In weiten Teilen entstanden neue Bewegungen und Parteien.

Konservativer Politiker

In Vorarlberg war es der am 7. September 1844 in Dornbirn als Kind einer Arbeiterfamilie bäuerlicher Herkunft geborene Martin Thurnher, der als konservativer Politiker mit Energie und Konsequenz die Organisation des Dornbirner Kasinos vorantrieb. 37 Jahre lang gehörte er dem Vorarlberger Landtag an, je 27 Jahre dem Reichsrat und der Dornbirner Gemeindevertretung. Als langjähriges Mitglied des Landtages, des Landesausschusses und als Stellvertreter des Landeshauptmannes zählte er zu den einflussreichsten Landespolitikern in den letzten Jahrzehnten der Monarchie.

Das 19. Jahrhundert brachte eine ungeahnte Erweiterung des Wissens mit sich. Die Industrialisierung, die Ausdehnung des Handels und die Entdeckung neuer Länder bedeuteten wesentliche Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft. Mit der Verlagerung von Macht wurden auch die traditionellen Autoritäten erschüttert: der Feudaladel und die Kirche. Der Aufstieg des Bürgertums und die politische Position der Städte Vorarlbergs spiegelt diese Autoritätsverlagerung wider. Die Ansammlung von Kapital in wenigen Händen von Fabrikanten verschaffte diesen in politischer Hinsicht einen dominierenden Einfluss.

Soziales Gefälle

Bedeutsam ist, dass auch in Vorarlberg ein starkes soziales Gefälle entstand zwischen jenen, die durch Besitz oder Bildung privilegiert waren, und Kleinbürgern, Arbeitern und Bauern auf der anderen Seite. Das Land wurde in mehrere Lager gespalten, die einander erbittert und zeitweilig mit Hass bekämpften. Die konservative Partei wurde nicht als eine politische Partei im heutigen Sinn gegründet, sondern als eine Bewegung für Papst und Kirche. Heimattreue, Festigkeit im Glauben und in der Politik waren eines. Das staatliche, soziale und kulturelle Leben sollte sich am Katholizismus orientieren. Die ursprüngliche Organisation der Konservativen Vorarlbergs erfolgte in Form von Kasinos, wie Martin Thurnher in seinen Notizen festhält. Das erste entstand 1868 in Bregenz. Die Kasinos entwickelten eine außerordentliche Tätigkeit und griffen energisch und machtvoll in das öffentliche Leben des Landes und der Gemeinden ein.

Im Juli 1868 fanden sich im Gasthaus „Zum Kreuz“ 30 bis 40 Männer zusammen, die unter der Leitung von Josef Ölz, eines Bruders des Dr. Ölz, den Grundstein zum Kasino Dornbirn legten, das bald an Größe und tatkräftigem Eingriff in die öffentlichen Angelegenheiten alle anderen Kasinos des Landes überragte und in der Martin Thurnher seine Haupttätigkeit entfaltete. Die konstituierende Versammlung fand am 4. Oktober 1868 statt, das Gründungsfest wurde am 11. November gefeiert. Zum Vorstand wurde Thurnher gewählt. Er leitete das Dornbirner Vereinshaus drei Jahre lang und brachte es zu großem Ansehen. In der höchsten Blütezeit zählte das Kasino etwa 600 Mitglieder. Am 2. Januar 1922 starb Martin Thurnher in seiner Heimatstadt.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.