Raubgrabungen auf dem Scheibenstuhl

Vorarlberg / 13.01.2022 • 16:44 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Beim Scheibenstuhl handelt es um einen Brandopferplatz, wie die Funde von professionellen Archäologen gezeigt haben.<span class="copyright">EM</span>
Beim Scheibenstuhl handelt es um einen Brandopferplatz, wie die Funde von professionellen Archäologen gezeigt haben.EM

Illegale Grabungen zerstören wertvolle Informationen.

Nenzing Es ist schlichtweg verboten, strafbar und bedeutet für Archäologen und in weiterer Folge für die Gesellschaft den Verlust von wertvollen Informationen über die Geschichte einer Region: Raubgrabungen. Damit gemeint ist die Suche nach historischen Funden unter Missachtung wissenschaftlicher Standards. Speziell das Gebiet rund um den Scheibenstuhl in Nenzing lockt immer wieder illegale Sondler – wie die Metallsondengeher genannt werden – an, sehr zum Bedauern von Gemeindearchivar Thomas Gamon. „Es handelt sich hier um denkmalgeschützten Boden. So wie ich keine Äpfel auf dem Nachbargrundstück stehlen darf, ist auch die Suche nach historischen Funden auf diesem geschichtlich bedeutenden Kulturplatz für Laien verboten“, macht er deutlich. „Illegale Sondler richten damit für die Wissenschaft und Zukunft enorme Schäden an. Funde wie etwa römische Münzen für sich alleine nutzen nichts und ergeben keine Erkenntnisse. Erst durch den Zusammenhang mit dem Fundort und anderen Funden im Bereich kann für die Geschichtsforschung ein Befund erstellt werden“, betont der Gemeindearchivar. Deshalb sei das Graben im Boden den Archäologen vorbehalten. Beim Scheibenstuhl handelt es um einen Brandopferplatz, der von der Bronzezeit (ca. 1500 v. Chr.) bis in die Römerzeit (3. Jahrhundert n. Chr.) als religiöses Zentrum verwendet wurde.

Schädigung des kulturellen Erbes

Auch Universitätsdozent Bernhard Hebert, Leiter der Abteilung für Archäologie beim Bundesdenkmalamt, bekräftigt die Aussagen von Thomas Gamon: „Wenn archäologische Funde verloren gehen, bedeutet dies auch eine Schädigung des kulturellen Erbes. Die Funde können nicht registriert und zugeordnet werden.“ Immer wieder mache man die Erfahrung, dass illegale Sammler ihre Funde zwar aufbewahren, ihre Erben aber nichts damit anfangen können und sie wegschmeißen. Die Corona-Pandemie habe das Problem der illegalen Sondler noch verstärkt: „Die Leute haben mehr Zeit und machen sich mit Metalldetektoren auf die Suche.“

Auf Mithilfe angewiesen

Zum Schutz und zur Nachverfolgung illegaler Sondler wurden im vergangenen Herbst Wildkameras angebracht. „Diese wurden schon am ersten Wochenende zerstört“, ärgert sich Gamon. Er wünscht sich schärfere gesetzliche Regelungen wie in der Schweiz. „In Österreich muss man einen Sondengeher quasi in Flagranti erwischen, um das Vergehen entsprechend ahnden zu können.“ Thomas Gamon hofft dabei auf die Mithilfe der Bevölkerung: „Es ist wichtig, dass solche Personen angesprochen und auf ihr illegales Handeln hingewiesen werden.“ Wenn einem Personen bekannt sind, sollten diese dem Bundesdenkmalamt oder den Gemeinden gemeldet werden. EM

Gemeindearchivar Thomas Gamon ärgert sich über die Raubgrabungen von Sondlern auf dem Scheibenstuhl.
Gemeindearchivar Thomas Gamon ärgert sich über die Raubgrabungen von Sondlern auf dem Scheibenstuhl.

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