Zeuge im „Terrorprozess” untergetaucht

Vorarlberg / 13.01.2022 • 22:08 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte wurde von schwer bewaffneten Justizwachebeamten zum Prozess in den Verhandlungssaal gebracht. VN/GS
Der Angeklagte wurde von schwer bewaffneten Justizwachebeamten zum Prozess in den Verhandlungssaal gebracht. VN/GS

Verhandlung um angeblich geplanten Amoklauf eines Tschetschenen in Vorarlberg vertagt.

Feldkirch Sie nannten ihn unter anderem das „coole Alphatier“, also den starken Mann, der das Sagen hat – jene Mithäftlinge des 22-jährigen moslemischen Tschetschenen, gegen den am Donnerstag am Landesgericht ein aufsehenerregender Prozess startete. Unter anderem wegen der Verbrechen „der terroristischen Vereinigung“und „des verbrecherischen Komplotts“.

Kernpunkt der Anklage ist der Verdacht, dass der Muslim einen Amoklauf in einer Dornbirner Diskothek als „eigenen kleinen Jijad“ ins Auge gefasst haben soll, der das Terror-Attentat in Wien „in den Schatten stellen“ soll. Dafür habe er versucht, im Gefängnis Komplizen zu rekrutieren.

Verdächtiges „Knast-Handy“

Staatsanwalt Manfred Bolter betont zu Beginn des Prozesses, dass dies alles „nicht aus den Fingern gesogen“ sei. Da habe man in der Justiz­anstalt Feldkirch ein ins Gefängnis geschmuggeltess „Knast-Handy“ beim Angeklagten sichergestellt, in dem Chats des Beschuldigten mit dem Wien-Attentäter und ein Foto von ihm selbst mit der Schattenburg im Hintergrund aufgezeichnet waren.

IS-Prediger

Hinter Gittern soll er als IS-Prediger aufgetreten sein und im Gefängnishof „Kriegslieder“ gesungen haben, unter anderem mit dem Inhalt „Ungläubige gehören geköpft“.

Der Angeklagte schüttelt auf diese Vorwürfe hin den Kopf. Ständig, während der ganzen Verhandlung. „Ich bin unschuldig!“, beteuert er. Jene Mithäftlinge, die ihm das unterstellten, hätten sich gegen ihn verschworen. Unter anderen, weil er ihnen kein „Knast-Handy“ besorgt hätte. Nichts von all dem habe er geplant, darüber geredet oder gesungen und: „Außerdem habe ich eine christliche Freundin.“

Zeugen entkräften Aussagen

Die Richterin befragt nun jene Belastungszeugen, teilweise kontradiktorisch, per Video. Doch die, unter ihnen auch ein Syrer, entkräften ihre ehemaligen Aussagen nun oder stellen sie plötzlich ganz in Abrede. Zum angeblich geplanten Amoklauf sagt einer von ihnen: „Der hat das doch nur zum Spaß gesagt. Meiner Meinung nach war das nur leeres Geschwätz.“ Ein weiterer Zeuge relativiert ebenfalls: „Er wirkte damals etwas desorientiert. Es war wohl ein Missverständnis.“

Der letzte wichtige Belastungszeuge fehlt, weil er untergetaucht ist. Angeblich aus Angst wegen „Drohungen von Tschetschenen.“ Doch der Angeklagte stimmt der Verlesung der damaligen Aussage nicht zu. Er will die Einvernahme dieses Zeugen. Die Richterin lässt den Verschwundenen international zur Fahndung ausschreiben. Wird man seiner nicht habhaft, wird die Verhandlung am 28. April mit der Verlesung fortgesetzt.

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