Denkmalschutz für Ölrain wird konkreter

Vorarlberg / 14.01.2022 • 17:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Alle Bereiche des Ölrainplateaus unter der Erdoberfläche sollen geschützt werden.VN/HARTINGER
Alle Bereiche des Ölrainplateaus unter der Erdoberfläche sollen geschützt werden.VN/HARTINGER

Stellungnahmen, Gutachten und Fristverlängerungen: Ermittlungsverfahren zieht sich.

BREGENZ Es ist ein laufendes Verfahren, das in einer der besten Wohnlagen der Landeshauptstadt seit Monaten für Unruhe unter den Anwohnern sorgt. Unterhalb der schicken Vorstadtvillen schlummert ein archäologischer Schatz, das antike Siedlungsgebiet Brigantium. Es erstreckt sich von der Josef-Huter-Straße bis zum Gymnasium Blumenstraße und ist die einzige Römerstadt auf österreichischem Boden. „Sie ist für die Entwicklung des Alpenraums von größter Bedeutung“, sagt Dr. Bernhard Hebert, Abteilungsleiter für Archäologie beim Bundesdenkmalamt in Wien. Vieles sei durch frühere Grabungen bekannt, vieles aber auch noch unerforscht. Jedenfalls handle es sich um ein großes, komplexes und bedeutendes Denkmal, so der Archäologe.

Komplex ist auch das Vorhaben, alle Bereiche unter der Erdoberfläche des Ölrainplateaus unter Schutz zu stellen. Anrainer, die im Verfahren Parteistellung haben, laufen gegen die Pläne Sturm. Der Akt füllt sich. Stellungnahmen, Gutachten, Gegengutachten, Fristverlängerungen: Beim Bundesdenkmalamt in Wien spricht man von einem außerordentlich umfangreichen Verfahren, das in seiner Dimension nicht alltäglich sei. „Es dauert, aber es gibt auch keinen Grund etwas zu überstürzen“, so Hebert im Gespräch mit den VN. An der Priorisierung und der Bedeutung des Vorhabens habe sich aber nichts geändert. Der Archäologe spricht von einem hochrangigen Denkmal und rechnet mit einem Ergebnis in erster Instanz durch das Bundesdenkmalamt „in absehbarer Zeit“. Dass es im Falle eines positiven Bescheids weitere Instanzen bräuchte, haben Anrainer bereits im Vorfeld angekündigt.

Negative Stellungnahmen

Was unter dem Boden ihrer Häuser und Grundstücke schlummert, soll dort auch so verbleiben. Bedenken und negative Stellungnahmen wurden von Anrainern schon frühzeitig abgegeben. Rechtsanwalt Ludwig Weh, selbst am Ölrain zu Hause, vertritt einige von ihnen. Die Gegend sei archäologisch untersucht, der Siedlungsumfang bekannt und gründlich dokumentiert. „Wir sehen überhaupt keine Notwendigkeit mehr, das unter Schutz zu stellen“, sagte er bereits zu Beginn des Verfahrens. An der Position der Anrainer habe sich nichts geändert. Eine gänzlich andere Sicht der Dinge hat Archäologe Hebert. „Eine ausreichende Erforschung oder Dokumentation ist absolut nicht gegeben.“ Man habe bisher im Wesentlichen den Mauern entlang gegraben. Es gäbe tiefere Schichten und andere Bereiche, wo praktisch noch gar nicht gegraben worden sei.

Denkmalschutz am Ölrainplateau könnte, je nach Ausformulierung des Bescheids, weitreichende Folgen für eine zukünftige Bebauung der exklusiven Wohngegend haben. Sämtliche Änderungen und Baumaßnahmen, die unterhalb der Bodenoberfläche erfolgen, würden in Zukunft eine Bewilligung des Denkmalamtes erfordern. Einen Baustopp würde die Unterschutzstellung aber nicht bedeuten. Sollten entsprechende Baumaßnahmen genehmigt oder im öffentlichen Interesse sein, könnte das Bundesdenkmalamt im Vorfeld „erkenntnisbringende Grabungen beauftragen“. Das gehe aber nur, wenn es eine Einigung mit den Grundeigentümern gibt, beschreibt Archäologe Bernhard Hebert ein mögliches zukünftiges Forschungsszenario.

„Aus unserer Sicht ist eine ausreichende Erforschung oder Dokumentation absolut nicht gegeben.“

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