IT-Probleme bremsen PCR-Tests

Vorarlberg / 14.01.2022 • 18:52 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Computerausfälle bei einem externen Labor machen dem Land zu schaffen.Zani, APA
Computerausfälle bei einem externen Labor machen dem Land zu schaffen.Zani, APA

Ruf nach Rückkehr von Antigentests wird laut. Fidler mit Zweifel an Teststrategie.

HÖRBRANZ Peter Zani ist verärgert. Der Hörbranzer wollte seine 92-jährige Mutter im Krankenhaus besuchen. Auf das dafür notwendige negative Testergebnis wartet er seit über 72 Stunden vergeblich. „Ich rechne auch nicht mehr, dass es kommen wird“, schildert Zani seine Erfahrungen mit der landeseigenen Teststraße im Bregenzer Festspielhaus. Wenn es schon eine Testpflicht gebe, müsse der Staat auch dafür sorgen, dass so etwas funktioniere. „Für meine Mutter wäre wichtig, dass jemand bei ihr ist“, macht er seinem Unmut Luft. Mit seinem Ärger ist Peter Zani längst nicht alleine. Seit Anfang Woche sind pünktlich übermittelte Testergebnisse eher Glücksache. Ein IT-Problem eines externen Labors macht dem Land zu schaffen.

„Verzögerung ärgerlich“

„Wir wissen, dass es zu Verzögerungen bei der Übermittlung der Testergebnisse kommt und bedauern das sehr“, sagt der zuständige Landesrat Christian Gantner. Dabei wollte das Land nach einem holprigen Start mit großen Anstrengungen endlich einen reibungslosen Ablauf bei Screening-Tests – also den PCR-Tests aus den Landesteststraßen – sowie PCR-Gurgeltests garantieren. Gemeinsam mit dem Tauernklinikum, das als Bestbieter aus einer notwendig gewordenen Ausschreibung hervorging, wurde ein mobiles Auswertungslabor auf dem Messegelände in Dornbirn aufgebaut. Eine Erfolgsgeschichte ist die Zusammenarbeit bisher keine. Seit Anfang Woche wertet das Salzburger Labor zusätzlich Hunderttausende Schultests aus. Offensichtlich zu viel für das IT-System, das seither regelmäßig kollabiert.

Die Computerprobleme konnten, so Gantner zu den VN, bisher auch nicht behoben werden. In der Nacht auf gestern Freitag sei das IT-System „erneut abgeschmiert“. Was das für Tausende Tests bedeutet? Unklar. Es könne jedenfalls nicht ausgeschlossen werden, dass es erneut zu Verzögerungen komme, räumt Gantner ein. Jetzt versuche man mit der eigenen IT auszuhelfen. Nicht betroffen von den Problemen seien die behördlichen Proben, die in der Pathologie in Feldkich ausgewertet würden. Hier sei ein reibungsloser Ablauf garantiert, so der Landesrat.

Ruf nach Antigentests

Mit den Antigentests hatte Vorarlberg lange eine funktionierende Teststrategie. Die ersten registrierten Selbsttests waren so etwas wie eine Vorarlberger Erfindung. Aus Wien wurde schließlich die Umstellung auf PCR-Tests angeordnet. Ausreichende Laborkapazitäten fehlten von Beginn an. Mittlerweile werden Rufe nach einer Rückkehr zur alten Strategie laut. Die Tiroler Virologin Dorothee von Laer spricht sich in einem ORF-Interview für einen verstärkten Einsatz von Antigen-Schnelltests aus. Auch Generalmajor Thomas Starlinger hatte die Diskussion über eine Änderung der Teststrategie innerhalb der Covid-Krisenkoordination angekündigt.

Für die Landesregierung beurteilt Landesrat Christian Gantner eine mögliche Neuausrichtung zurückhaltend. Die Pandemiebekämpfung sei Bundeskompetenz, da könne das Land nicht eigenständig entscheiden. Zudem brauche es hier die Mediziner.

Omikron diktiert neue Regeln

Armin Fidler ist Public-Health-Experte, berät das Land seit Beginn der Pandemie und findet klare Worte. Das neue Infektionsgeschehen von Omikron mit mehr Fällen und kürzerer Inkubationszeit diktiere neue Regeln. „Antigentests, wenn sie gut sind, haben beileibe nicht ihre Effektivität verloren“, so Fidler. Dem Nachteil der geringeren Aussagekraft stehe das rasche Ergebnis gegenüber. Er habe sich schon auch ein wenig gewundert, dass Antigentests so schlecht bewertet worden seien. „Da stecken auch kommerzielle Gründe dahinter“, mutmaßt der Experte. Man dürfe da nicht naiv sein, einige würden viel Geld damit verdienen. Jedenfalls ist der Kostenunterschied enorm. PCR-Tests schlagen nach VN-Recherchen mit 9 Euro um das Fünffache gegenüber Antigentests zu Buche.

Die flächendeckende Teststrategie Österreichs verschlingt jedenfalls Milliarden. Im Gespräch mit den VN äußert Fidler erhebliche Zweifel an der Sinnhaftigkeit. Bei der blinden Testerei querdurch müsse man sich schon fragen, ob die Ressourcen hier richtig eingesetzt würden. „Sind wir besser, weil wir so viel testen?“ Sehr viel habe es bisher nicht gebracht, gibt Fidler die Antwort selbst. „Wir haben weder weniger Fälle noch weniger Tote.“ Unstrittig sei aber, in Schulen zu testen oder bei Risikogruppierungen in Pflege, Krankenhaus und dem Gesundheitssystem.

Peter Zani wartete über 72 Stunden vergeblich auf ein Ergebnis.
Peter Zani wartete über 72 Stunden vergeblich auf ein Ergebnis.

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