Nichts spricht für grüne Atomkraft

Vorarlberg / 14.01.2022 • 19:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Atomenergie hat immer mehr auch ein Finanzproblem.

Atomenergie hat immer mehr auch ein Finanzproblem.

Die Atommüllfrage ist ungelöst und die Technologie wird immer unwirtschaftlicher, warnt Hildegard Breiner.

Bregenz „Es ist nicht ganz überraschend gekommen, aber trotzdem, in dieser Dreistigkeit als grün und nachhaltig einzustufen verschlägt einem fast die Worte“, erklärt die Vorarlberger Ikone im Kampf gegen die Atomkraft, Hildegard Breiner, am Freitagabend in Vorarlberg LIVE.

Zwei Interessen

Sie vermutet vor allem zwei Bestrebungen hinter diesem Vorstoß: Einerseits würde diese Einstufung der kostenintensiven Atomkraft den Zugang zu neuen Fördertöpfen erlauben. Andererseits gibt es auch ein militärisches Interesse, die Atomkraft am Leben zu erhalten, ist Breiner überzeugt. „Die zivile Seite der Atomenergie hätte es nie gegeben, wenn es nicht zuvor die militärische gegeben hätte. Sie sind nach wie vor Zwillinge, die einander bedingen.“ Dies zeigte sich auch in Äußerungen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron. 

An der absoluten Sicherheit der modernen Nukleartechnik zweifelt die Vorarlberger Vorkämpferin. Auch die reduzierte Größe der Atomreaktoren bedeute schlussendlich nur, dass die mögliche Katastrophe etwas kleiner ausfalle, aber nicht dass sie nicht geschehen könne. „Aber im Grunde genommen würde dadurch jeden Tag Atommüll entstehen und das ist für mich das Verbrechen an der Sache“, betont Breiner. Bis heute könne man den nachfolgenden Generationen hier keine Lösung, sondern nur eine Bürde anbieten.

Der Widerstand gegen die Einstufung der Atomenergie als grüne Energie könnte jedoch größer ausfallen. Es sei nicht realistisch, dass es eine qualifizierte Mehrheit gegen diese Entscheidung geben wird. Dabei zeige allein die Infrastruktur in Frankreich die Probleme auf: Desolate Strukturen veralteter Anlagen und fehlendes Kühlwasser in heißen Sommermonaten zwingen immer wieder Kraftwerke, vom Netz zu gehen. „Die Nachrüstungen sind entsetzlich teuer und wie sich Frankreich aus dieser Falle befreien will, ist mir schleierhaft“, warnt Breiner. Insgesamt sei die Atomkraft einfach zu unwirtschaftlich, ist Breiner überzeugt. Der Aufschwung der nachhaltigen Energiequellen wird dies nur verstärken.

Macron und Frankreich setzen auf die Kernkraft. Reuters, APA
Macron und Frankreich setzen auf die Kernkraft. Reuters, APA
Hildegard Breiner kämpft seit Jahren gegen die Atomkraft an.

Hildegard Breiner kämpft seit Jahren gegen die Atomkraft an.

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