Heiße Diskussionen um Achtalweg

Vorarlberg / 15.01.2022 • 12:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Heiße Diskussionen um Achtalweg
Ein Geh- und Radweg zwischen Kennelbach und Doren durch das Achtal, der den Vorarlberger Standards entspricht, würde 42 Millionen Euro kosten. Über 50 Jahre hinweg werden Kosten von rund 52 Millionen Euro erwartet.  VN/Paulitsch

Landesrat Rauch sieht einen Interessenskonflikt, der nur bedingt auflösbar ist.

Bregenz Die Idee, einen durchgängigen Radweg durch das Achtal zu errichten, schwirrt schon bald 40 Jahre durch die Köpfe der Vorarlberger.

1980 besiegelte ein gewaltiger Felssturz das Ende der Bregenzerwaldbahn. Drei Jahre später präsentierte ein Komitee die erste Radwegidee (siehe Chronologie). Der Abschnitt zwischen Andelsbuch und Egg wurde 1992 ausgebaut. 2013 folgt das Teilstück zwischen Lingenau und Doren. Lediglich zwischen Kennelbach und Doren ist bislang nichts passiert. Vom Tisch ist das Projekt deswegen aber nicht. Im Gegenteil. Nachdem im Vorjahr bekannt wurde, dass eine Studie am Laufen ist, die die Möglichkeit einer Radverbindung zwischen dem Rheintal und dem Bregenzerwald ausloten soll, hat die Diskussion wieder ordentlich an Fahrt aufgenommen. Mobilitäts- und Umweltlandesrat Johannes Rauch (62, Grüne) hat der Radwegverbindung durch das Achtal allerdings schon davor eine Absage erteilt. Derzeit läuft eine Alternativenprüfung. Laut einem aktuellen Informationsblatt des Land werden dabei Alternativen ab Bozenau in den Hangeinschnitten der Bregenzerachschlucht und von Egg über den Höhenrücken von Alberschwende ins Rheintal (entlang der L200) geprüft. Das Ergebnis soll im Herbst 2022 vorliegen. ÖVP-Klubobmann Roland Frühstück (63) hat ungeachtet dessen bereits angekündigt, im Frühling eine Initiative starten zu wollen, damit das Achtal zumindest für Wanderer gut begehbar bleibt.

Am Freitag meldete sich Rauch erneut zu Wort. Der Bau eines Radwegs durch die Achschlucht wäre laut dem Landesrat nicht nur eine große technische und finanzielle Herausforderung, das Projekt sähe sich auch mit einem schwierigen Verwaltungsverfahren konfrontiert. „Aus naturschutzfachlicher Sicht ist die Umsetzung eines Radweges im Bregenzerachtal zwischen Doren und Kennelbach abzulehnen. Aus Sicht des Radverkehrs wäre es eine attraktive Verbindung, die allerdings vorrangig Freizeit- und Tourismuszwecken dienen würde“, fasst Rauch zusammen und spricht von einem “klassischen Interessenskonflikt”, der nur bedingt auflösbar sei. Das Land kümmere sich vorrangig um den Ausbau und Erhalt von Radwegen für den Alltagsverkehr.

Chronologie Radwegdiskussion Achtalweg Kennelbach-Doren

1983 konfrontiert ein Komitee die Landschaftsschutzanwaltschaft erstmalig mit der Idee eines Radwegs auf der Trasse. 

1990 wird die Wälderbahntrasse in das Radwegekonzepts des Bundes aufgenommen.

1997 betreibt die Landesregierung ein Radwegprojekt.

2000 wird eine Studie über die touristischen und regionalwirtschaftlichen Auswirkungen Radwegs vorgestellt (Sanierungskosten ca. 7 Mio. Euro).

2000 attestiert ein landschaftsökologisches Gutachten im Auftrag der Regio Bregenzerwald der Radwegeerschließung negative direkte und indirekte Auswirkungen mit einer Verschlechterung für Schutzgüter.

2001 wird von der Regio ein Vorstoß für einen Radweg gemacht.

2002 befasst sich eine Studie im Auftrag der Landesregierung mit „Situation, Möglichkeiten und Chancen: Radwandern und Mountainbiken im Bregenzerwald“ auch mit der Achschlucht.

2005 zerstört das Jahrhunderthochwasser weite Strecken der Trasse. Bereits genehmigte Zufahrtswege des Wasserbaus werden dadurch obsolet.

 

2014 nimmt sich Landesregierung die „Prüfung des weiteren Ausbaus des Achtalradwegs von Kennelbach bis Doren“ in das Arbeitsprogramm 2014-2019 auf.

 

2014 wird der Geh- und Radweg von Egg nach Doren eröffnet.

2016 werden im Auftrag des Landes gebietsbezogene Erhaltungsziele und Maßnahmen für das Schutzgebiet formuliert.

2017 wird die Schaffung einer radtauglichen Verbindung zwischen Rheintal und Bregenzerwald in die Radstrategie Ketten-Reaktion aufgenommen.

2018 werden Stabilisierungsarbeiten an den beiden Tunnel und der Rotachbrücke notwendig. Die Landesregierung erlässt dafür in Abstimmung mit allen Gemeinden und der Regio eine eigene Naturschutzverordnung, mit dem Ziel den Charakter des Schutzgebietes zu wahren

2020 wird im Landtag eine „Studie zur Abklärung der geologischen Machbarkeit und finanziellen

Dimension der Errichtung eines Rad- und Wanderwegs“ beschlossen.

2021 werden die Stabilisierungsmaßnahmen an den Tunnel und der Brücke umgesetzt.

2021 veröffentlicht das Land für alle Europaschutzgebiete, damit auch für die Bregenzerachschlucht, Erhaltungsziele

2021 bestätigt eine Studie im Auftrag der Regio die bautechnische Machbarkeit eines Radwegs.

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