In Vorarlberg ist er nur “der Georg”

Vorarlberg / 16.01.2022 • 07:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
In Vorarlberg ist er nur "der Georg"
Es ist dem Seelsorger ein großes Anliegen, die Armut in seiner Heimat zu lindern.

Varghese Thaniyath ist seit 35 Jahren Priester in Vorarlberg.

Hohenems In seiner indischen Heimat wird jeder Priester mit Hochwürden angesprochen, selbst von Familienangehörigen. In Vorarlberg ist er einfach „der Georg“, und das freut ihn, denn: „Priester sein ist Selbsthingabe für andere“, sagt Varghese Georg Thaniyath (61) über seinen Beruf, der für ihn zur Berufung wurde. Heute, Sonntag (16. 1.), feiert er sein 35-jähriges Priesterjubiläum. „Zudem werden heuer 35 neue Häuser für arme Menschen in Indien fertig“, spielt der großgewachsene Mann lächelnd mit den Zahlen. Sein Hilfsprojekt „Dach über dem Kopf“, fand auch hier großen Nachhall. Mit Spenden aus dem Land konnte bislang für 1750 Familien ein stabiles Zuhause geschaffen werden. Noch etwas macht Pfarrer Georg besonders: Er ist der dienstälteste ausländische Priester in der Diözese Feldkirch. Einschließlich seines sechsjährigen Studiums in Innsbruck lebt Varghese Thaniyath bereits seit 41 Jahren in Österreich.

Zu seinen Täuflingen hat Pfarrer Georg ein besonderes Verhältnis.
Zu seinen Täuflingen hat Pfarrer Georg ein besonderes Verhältnis.

Beseelt vom Priesterberuf

Schon mit sieben Jahren war Varghese beseelt von dem Wunsch, Priester zu werden. Nach einer Priesterweihe in seiner Heimatpfarre Kerala lief der Knirps nach Hause und rief seiner Mutter zu: „Ich will Priester werden!“ Als Ministrant legt er nach jeder Messfeier klammheimlich die Stola um, zelebrierte und predigte. Bei der Anprobe des Messgewands wurde der Bub allerdings vom Mesner erwischt und kassierte dafür eine Ohrfeige. „Als ich dann als neugeweihter Priester meine Heimatgemeinde besuchte, gab es vom Mesner eine große Blumengirlande und eine Entschuldigung“, erinnert sich Pfarrer Georg mit einem Schmunzeln zurück.

Pfarrer Georg zu Besuch beim Papst.
Pfarrer Georg zu Besuch beim Papst.

Beim Studium wurde der junge Inder von der Pfarrgemeinde St. Konrad in Hohenems unterstützt. Dort empfing er 1987 auch die Priesterweihe. Drei Jahre später trat Varghese Thaniyath die Kaplanstelle in St. Konrad an, um Pfarrer Martin Fessler zu entlasten. „Er formte mich mit väterlicher Liebe, Geduld und Verständnis“, ist Georg seinem Mentor immer noch in höchstem Maße dankbar, denn so ebnete er ihm den Weg zur Leitung der 3500 Einwohner umfassenden Pfarrgemeinde, die er 1999 übernahm. Vor sieben Jahren wechselte Pfarrer Georg schließlich in den Pfarrverband Göfis-Satteins. Dort stellte er sich bei Hausbesuchen persönlich seinen Schäfchen vor und erlebte dabei allerhand. „Als ich mich bei einer Frau als der neue Pfarrer vorstellte, meinte sie, das könne jeder sagen“, erzählt Thaniyath.

Pfarrer Georg Thaniyath.
Pfarrer Georg Thaniyath.

Hilfe für die Schutzlosen

Ein bedeutender Teil seines priesterlichen Daseins gilt auch dem Einsatz für die Armen in seiner Heimat. „Es war für mich ein Herzenswunsch, mein Leben so, wie es Mutter Teresa machte, den Armen, Obdachlosen, Witwen und Kindern zu widmen.“ Um dieses Ziel umzusetzen, gründete Georg das Projekt „Dach überm Kopf“. Es wurde eine Erfolgsgeschichte. „Allein nach dem Tsunami konnten wir dank der Solidarität und Gutherzigkeit der Vorarlberger 260 betroffenen Familien in Indien ein menschenwürdiges Wohnen ermöglichen“, berichtet der Geistliche. Regelmäßig besucht Pfarrer Georg die Familien und nimmt auch Spender mit, um ihnen zu zeigen, was aus ihrem Geld geworden ist. Das schafft Solidarität. Es braucht sie, weil noch viele Menschen auf eine solche Hilfe warten. Pfarrer Georg wird nicht müde, sie zu leisten. Genauso wenig wird er müde, ein Hirte zu sein. „Ich bin gerne Priester“, sagt er und sieht alle, die mit ihm arbeiten, als große Familie. „Diese Menschen geben mir Motivation und Rückhalt.“ Obwohl er jetzt in Göfis wohnt, schlägt sein Herz weiter für Hohenems. „Hohenems ist und bleibt meine Heimat.“