Kennelbach setzt auf Sonnenenergie

Vorarlberg / 16.01.2022 • 17:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
<p class="caption"> Die Photovoltaikanlage auf der Kennelbacher Volksschule deckt zu 100 Prozent den Strombedarf des Gabäudes.Bürger haben das Projekt in Form von „Sonnenscheinen“ mitfinanziert. </p>

Die Photovoltaikanlage auf der Kennelbacher Volksschule deckt zu 100 Prozent den Strombedarf des Gabäudes.Bürger haben das Projekt in Form von „Sonnenscheinen“ mitfinanziert.

Sonnenkraftwerk, Sonnenscheine: In Kennelbach fehlt es nicht an energieeffizenten Ideen.

Kennelbach Kennelbach ist im Jahr 2013 dem e5-Programm beigetreten. Der Übergang in das e5-Programm war für die Gemeinde aber ein sanfter. Es wurden bereits Jahre zuvor die Weichen gestellt, u.a. durch den Beitritt zum regionalen Mobilitätsmanagement plan-b. Gemeinsam mit Bregenz, Hard, Lauterach, Lustenau, Schwarzach und Wolfurt werden Projekte und Vorgehensweisen in der Region im Sinne eines umweltfreundlichen Umgangs mit Mobilität umgesetzt. Ein weiterer wichtiger Schritt war die Einführung des EBO (Energiebericht Online) für alle gemeindeeigenen Gebäude und Anlagen.

Sonnenkraftwerk für alle

„Unser erstes offizielles Projekt nach dem Beitritt zum e5-Programm im Jahr 2013 war s’Kennelbacher Sonnenkraftwerk“, sagt Florian Frank vom e5-Team. Dabei wurde eine 50-kWp-Photovoltaikanlage auf dem Dach der Volksschule gemeinsam mit dem Verein AEEV (Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie Vorarlberg) umgesetzt. Die Installation der PV-Anlage, welche zu 100 Prozent den Strombedarf der Volksschule deckt, erfolgte durch ein Kennelbacher Unternehmen. Das Besondere an dem Projekt war, dass es in Form eines Beteiligungsmodells umgesetzt wurde. So konnten die Kennelbacher sogenannte „Sonnenscheine“ – erwerben und die Photovoltaikanlage mitfinanzieren. Die Rückzahlung der Investition erfolgte u.a. unter Mitwirkung der Nahversorger im Dorf. Florian Frank: „Ich kann mich noch genau erinnern, dass die 65 Stück ,Sonnenscheine‘ innerhalb von zwei Tagen ausverkauft waren“. Es konnte wenig später auf dem Dach der Feuerwehr ebenfalls eine Anlage unter Beteiligung der Bevölkerung errichtet werden. Somit kamen alle Bürgerinnen und Bürger, die bei der Volksschule noch auf der Warteliste standen, zu ihren „Sonnenscheinen“, erinnert sich Florian Frank mit einem Lächeln.

Sonnenstrom für Kinder

Zum Vorzeigeprojekt wurde der Neubau des Kinderhauses. In den Jahren 2017 bis 2019 wurde das Haus unter höchsten energietechnischen und ökologischen Standards gebaut. Geheizt wird mit einer Grundwasserwärmepumpe. Im Sommer kommt „free cooling“ zum Einsatz und sorgt so gemeinsam mit einer Verschattung auch in der warmen Jahreszeit für angenehme Temperaturen. Das Gebäude wurde als konstruktiver Holzbau ausgeführt und ist teilunterkellert. Die Sichtoberflächen der Decken und Wände bestehen aus unbehandeltem Holz der Weißtanne und die Böden aus unbehandeltem heimischem Eschenholz. Dank der großen Glasflächen wirkt alles sehr offen. Frank: „Es ist ein natürliches Lernklima entstanden, das die Freude und Neugier der Kinder am gemeinsamen Forschen und Entdecken wachsen lässt.“ Das Kinderhaus ist mit einer 210-m2-Photovoltaikanlage ausgestattet, die rund 29.000 kWh Ökostrom pro Jahr produziert. Diese Anlage wurde ebenfalls mit Bürgerbeteiligung umgesetzt. In der Nähe des Kinderhauses wurden auch zwei E-Ladestationen installiert, direkt neben dem Standplatz des Carsharing E-Autos, welches mittlerweile sehr gut angenommen wird.

Was ist in Zukunft geplant?

Eine kleine Vision für den e5-Teamleiter ist das neue Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz. Es enthält Möglichkeiten im Hinblick auf Energiegemeinschaften. In Kennelbach werden u.a. Photovoltaikanlagen und Kleinwasserkraftwerke betrieben. Frank: „Ich würde mir wünschen, dass die Zusammenarbeit und die Sensibilität für unsere Themen unter allen Akteuren fokussierter wären und wir gemeinsam an einer nachhaltigen Zukunft arbeiten. Hier gäbe es sicher großes Potenzial, vielleicht auch um Bürger:innen, Unternehmen und die Gemeinde ein Stück näher zusammen zu bringen.“ Das e5-Team der Gemeinde Kennelbach ist stark in den REP-Prozess (räumlicher Entwicklungsplan) eingebunden. Dabei geht es um Entscheidungen, wie sich die Gemeinde entwickeln soll.

Es muss auch finanzierbar sein

Für Florian Frank hat Nachhaltigkeit auch mit einem soliden Gemeindebudget zu tun und da sind in Kennelbach als flächenmäßig fünftkleinste Gemeinde keine großen Sprünge möglich. Deshalb wird ganz genau geplant, welche Maßnahmen und Projekte umgesetzt werden können. Gerade als kleine Gemeinde profitiert Kennelbach enorm von den Treffen, Vorträgen und Weiterbildungen, die angeboten werden. In Vorarlberg sind bereits 51 Gemeinden beim e5-Programm.

„Das Spannende ist, dass das Thema e5 in sehr viele Bereiche hineinspielt“, sagt Frank, „sei es die Raumplanung, die Förderung sanfter Mobilität, der sparsame und effiziente Umgang mit Energie, die Förderung erneuerbarer Energieträger oder der Klimaschutz. Ich kann nur jedem empfehlen sich,
auf die eine oder andere Art an Projekten wie diesem zu beteiligen. Unsere Kinder und Enkelkinder werden es uns irgendwann einmal danken.“

<p class="caption">Durch die Neuaufstellung des e5-Teams in diesem Jahr nimmt die e5-Arbeit in Kennelbach gerade richtig Fahrt auf. Vorzeigeprojekt ist das neue Kinderhaus.</p><p class="caption"/>

Durch die Neuaufstellung des e5-Teams in diesem Jahr nimmt die e5-Arbeit in Kennelbach gerade richtig Fahrt auf. Vorzeigeprojekt ist das neue Kinderhaus.

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