Mit 81 Jahren zum 15. Studienabschluss

Vorarlberg / 16.01.2022 • 16:57 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Erster akademischer Grad: Abschluss des Studiums der Rechtswissenschaft an der Universität Innsbruck mit Promotion am 28. August 1970.Pichler
Erster akademischer Grad: Abschluss des Studiums der Rechtswissenschaft an der Universität Innsbruck mit Promotion am 28. August 1970.Pichler

Dr. mult. Günter Pichler hat das Studieren zu seiner Leidenschaft erkoren.

Dornbirn Prof. Mag. theol., Mag. rer. soc. oec., Lic. phil., Mag. DDr. phil., Mag. Dr. phil. fac. theol., Mag. Dr. iur, Lex legum Master (LLM), Bakk. theol., Bacc. theol., Bakk. phil., Bacc. phil. – so lautet die korrekte Anrede von Günter Pichler. „Die einen sammeln Briefmarken oder verbringen Zeit in ihrem Garten, mir macht es Spaß zu studieren“, sagt der 81-Jährige, „Träger“ von mittlerweile 15 akademischen Titeln. Der letzte Grad, den sich der Dornbirner erarbeitet hat, ist der eines Lex Legum Master, der ihm nach erfolgreicher Absolvierung des postuniversitären Lehrgangs „Kirchenrecht für Juristen“ von der Universität Wien Ende Oktober 2021 verliehen wurde. „Die Sponsionsfeier, die für 22. Jänner an der Universität Innsbruck geplant war, musste leider aus Pandemiegründen verschoben werden“, bedauert der wissbegierige Senior.

Glückliche Fügungen

Dass er einmal eine so beeindruckende akademische Laufbahn absolvieren würde, hätte sich der junge Günter Pichler nicht gedacht. Der Start an der Universität Innsbruck im Jahr 1959 war zunächst mühsam für den Dornbirner. Nach einem Umweg über die Volkswirtschaftslehre schloss Pichler das anschließende Studium der Rechtswissenschaften im August 1970 erfolgreich mit der Promotion ab. „Bis zu 30 Jahren befand sich mein Leben auf einem Tiefstand, danach ging es nur noch aufwärts. Eine Kette an glücklichen Zufällen hat wohl dazu beigetragen, dass mir ab 30 alles gelungen ist und ich ein wirklich erfülltes Leben hatte“, erzählt Günter Pichler. Nach dem Studium war er zehn Jahre als Personalleiter bei Zumtobel Leuchten und anschließend bei der Firma Kunert tätig.

1980 holte sich Günter Pichler mit der Ablegung der Lehramtsprüfung für kaufmännische Lehranstalten an der Hochschule für Welthandel in Wien seinen dritten akademischen Titel. „Nachdem ich schon vorher als Sondervertragslehrer an der HAK Lustenau tätig gewesen war, beschloss ich, ganz in den Lehrbetrieb einzusteigen“, erinnert sich Günter Pichler. Er unterrichtete an der Handelsschule und Handelsakademie in Lustenau und Feldkirch sowie an der Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe in Rankweil.

Zweite Studienphase

Eine doppelte Hüftoperation beendete mit 55 Jahren die berufliche Laufbahn des ehemaligen Spitzensportlers – Günter Pichler war mehrfacher Vorarlberger Meister im Diskus- und Hammerwerfen. „Als Frühpensionist hatte ich nun viel Zeit und überlegte, was ich damit anfangen sollte. Von Haus aus religiös, reizte es mich, Theologie zu studieren. Auch wollte ich der Frage nach der Entstehung der Welt auf den Grund gehen“, erzählt Günter Pichler.

Zuerst scheiterte der Plan am fehlenden Altgriechisch – erst als er von einem Theologiestudium erfuhr, das kein Altgriechisch erforderte, inskribierte er an der Universität Innsbruck. „Jetzt musste ich nur noch mein Umfeld davon überzeugen“, so Pichler. Seine Gattin Margarethe war anfangs sehr skeptisch, begleitete ihn jedoch zu einem Studieneingangs-Seminar und war so begeistert, dass sie beschloss, ebenfalls Theologie zu studieren. „Meine Frau hatte nicht mal Matura, inskribierte zuerst als außerordentliche Hörerin und holte die Studienberechtigungsprüfung nach“, so Günter Pichler stolz.

Nach einer Dissertation in Theologie folgten drei Doktorate in Philosophie. „Mit dem Essen kommt der Appetit“, so Günter Pichler über seinen Wissenshunger. Zusätzlich absolvierte er ergänzende Studien in Ethnologie und Psychologie an der Universität Innsbruck, Ergänzungsprüfungen an der Universität Augsburg sowie an der Fachhochschule für Philosophie in München. Von 2010 bis 2018 bot Günter Pichler überdies an der HAK Lustenau ehrenamtliche Seminare in Ethik für interessierte Schüler an.

Titelreiche Familie

Günter und Margarethe Pichler sind übrigens nicht die einzigen Akademiker in der Familie: „Unsere drei Kinder, meine Gattin und ich haben insgesamt 26 Abschlüsse“, so Pichler stolz. Für ihn soll der Lex Legum Master der letzte Titel sein. „Jetzt ist der Spaß zu Ende. Ich werde älter und komme doch an meine physischen und geistigen Grenzen. Auch möchte ich mehr Zeit mit meiner Frau verbringen“, sagt der Vierfachdoktor.

Absolventen und Absolventinnen der Ethikseminare 2015 an der Handelsakademie Lustenau.
Absolventen und Absolventinnen der Ethikseminare 2015 an der Handelsakademie Lustenau.
Günter Pichler hält die die Dankesrede an der Universität Innsbruck.
Günter Pichler hält die die Dankesrede an der Universität Innsbruck.

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