Corona-Angst in den Kindergärten

Vorarlberg / 17.01.2022 • 20:22 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Corona-Angst in den Kindergärten

Noch halten sich die Infektionen in den Kinderbetreuungseinrichtungen jedoch in Grenzen.

BREGENZ Als Anfang Dezember in einer Lustenauer Kinderbetreuungseinrichtung von allen acht nicht geimpften Betreuerinnen sechs positiv wurden und sich dazu noch acht der 30 Kinder infizierten, musste die Einrichtung schließen. Ein Fall, der in dramatischer Form das Dilemma der Elementarbetreuungsstätten aufzeigte: überdurchschnittlich viele nicht geimpfte Mitarbeiterinnen und mit den Kindern eine Klientel, von der Tests nur auf freiwilliger Basis abverlangt werden dürfen.

Noch keine Dramatik

Die vom Land offiziell bekannt gegebenen Zahlen (Stand Ende vergangener Woche) zeigen indes noch kein dramatisches Bild. „Bei den Kinderbetreuungseinrichtungen verzeichneten wir acht Krankheitsfälle, verteilt auf sieben Einrichtungen, in den Kindergärten waren es 50 Personen, verteilt auf 36 Kindergärten“, berichtet die zuständige Landesrätin Barbara Schöbi-Fink (61, ÖVP). Sie fügt hinzu: „Wir haben insgesamt 16.000 Kinder in Kindergärten oder Kinderbetreuungseinrichtungen. Diese werden von 3000 MitarbeiterInnen betreut.“ Eine Testpflicht sei weiterhin kein Thema. „Da würde es einen Aufschrei geben, die Eltern sind gegen eine solche Pflicht“, ist sich Schöbi-Fink sicher. Man werde jedoch weiterhin an die Eltern appellieren, ihre Kinder getestet in die Einrichtungen zu schicken. „Tests sind zur Genüge vorhanden.“ Alles andere als beruhigt ob der vorherrschenden Lage ist Monika Zumtobel (54), bei der Gewerkschaft Younion für die Kindergartenpädagoginnen zuständig.

Appell an Verantwortliche

„Die besorgten Eltern, die ihre Kinder und auch ihre Familien in Gefahr sehen, werden immer mehr“, sagt die Standesvertreterin. Kinder seien durch ihre Befreiung von verpflichtenden Tests und Impfungen die vulnerabelste Gruppe mit höchstem Risikopotenzial geworden. „Das Ganze wird explodieren“, fürchtet Zumtobel. Jede neue Variante verschärfe das Problem. „Und wenn jetzt auf Durchseuchung gesetzt wird, dann ist das nicht unproblematisch. Uns schützt niemand wirklich.“ Zumtobel sieht die politisch Verantwortlichen in der Pflicht. „Es gibt Bundesländer, die auch in Kinderbetreuungseinrichtungen verpflichtende Tests einfordern“, meint die Pädagogin.

Dem widerspricht Schöbi-Fink: „Es gibt Bürgermeister, die als Träger von elementarpädagogischen Einrichtungen Tests verlangen, aber keine Länder.“

Keine Mitte mehr

Younion-Vorarlberg-Gewerkschaftsvorsitzender Thomas Kelterer glaubt, dass eine Verpflichtung zu Tests auch in Kindergärten in der jetzigen Infektionslage ohnehin zu spät käme. „Die Verantwortung liegt nach wie vor bei den Eltern.“ Bezüglich der bevorstehenden gesetzlich verankerten Impfpflicht, die dann auch ungeimpftes Kindergartenpersonal betrifft, äußert sich Kelterer diplomatisch: „Wir haben auch bei uns in der Gewerkschaft Impfbefürworter und Impfgegner als Mitglieder. Da gibt es keine Mitte mehr. Als Gewerkschafter vertreten wir im Rahmen des gesetzlichen Auftrags Geimpfte und Ungeimpfte.“

„Die besorgten Eltern, die nicht nur ihre Kinder, sondern auch vulnerable Mitglieder in ihren Familien in Gefahr sehen, werden immer mehr. Jede neue Variante verschärft unser Problem. Uns schützt niemand wirklich. “

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