Pflegefamilien dringend gesucht

Vorarlberg / 17.01.2022 • 18:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Nina und Hannes erfüllen ihre Aufgabe als Pflegeeltern mit viel Liebe. voki
Nina und Hannes erfüllen ihre Aufgabe als Pflegeeltern mit viel Liebe. voki

Laufende Anfragen können gerade noch abgedeckt werden. Vorbereitungskurs im März.

Rankweil 2021 feierte der Pflegekinderdienst des Vorarlberger Kinderdorfs sein 25-jähriges Bestehen. Aktuell sind 230 Kinder in 188 Pflegefamilien untergebracht. Doch deren Anzahl schwindet langsam und stetig. Laut Isabella Böckle, Leiterin des Pflegekinderdienstes, gelingt es gerade noch, laufende Anfragen abzudecken, aber schon ab Mai könnte es ziemlich eng werden. „Wir suchen also sehr dringend Pflegeeltern“, betont sie und verweist auf den nächsten Vorbereitungskurs, der am 19. März startet.

Bislang haben sich erst sehr wenige Personen dafür gemeldet. Umso mehr hofft Isabella Böckle jetzt noch auf eine positive Resonanz. Nina und Hannes haben diesen Schritt gewagt und nie bereut: „Es ist eine Herausforderung, klar, aber immer überwiegt die Freude an den Entwicklungsschritten, egal ob es die eigenen Kinder oder das Pflegekind betrifft. Wir lieben sie und würden nichts an unserer Situation ändern wollen“, steht das Paar zu seinem Entschluss.

Unterschiedliche Gründe

Gefasst haben ihn Nina und Hannes 2015, als die große Flüchtlingswelle rollte. „Uns haben die Menschen sehr leidgetan, deshalb wollten wir einem Kind helfen, dem es nicht so gut geht“, erzählen Nina und Hannes. Sie meldeten sich beim Pflegekinderdienst und wurden dort umfassend auf ihre neue Aufgabe vorbereitet. Heute gibt es für die Eheleute nur ein Ziel: „Wir möchten, dass alle unsere Kinder glückliche Erwachsene werden, mit einem Job, der ihnen Spaß macht, und mit dem Wissen, dass sie immer eine Familie haben, zu der sie gehen können. Wir hoffen, das auch unserem Pflegekind vermitteln zu können.“

Der Großteil der Kinder, die zu Pflegefamilien kommen, ist zwischen null und fünf Jahre alt. Die Gründe für die Fremdunterbringung sind unterschiedlich. „Oft liegen psychische Erkrankungen der Eltern vor, aber auch die Suchtthematik begleitet uns häufig und dass aufgrund einer multiplen Problemlage die Eltern keine angemessene Versorgung der Kinder gewährleisten können“, listet Isabella Böckle auf. Im vergangenen Jahr fanden zwei Kurse für Pflegeelternwerber statt. „Heuer konnten wir bereits elf Kinder in tolle Pflegefamilien vermitteln“, freut sich Böckle und betont den wertvollen Beitrag, den Pflegeeltern für die Gesellschaft und die Kinder leisten. „Undenkbar, wenn es in Vorarlberg keine Pflegefamilien geben würde.“ Jährlich werden etwa 15 Kinder in eine Pflegefamilie vermittelt.

Prekäre Situation

Pflegeeltern sein ist eine Lebensaufgabe, die Vorbereitung erfordert. Im Schnitt dauert diese mehr als 50 Stunden. Mitte März startet ein Vorbereitungskurs für Eltern, die sich für die Aufgabe als Pflegefamilie beworben haben und dafür vom Pflegekinderdienst als geeignet befunden wurden. „Bislang sind das aber erst zwei Paare, und damit ist schon absehbar, dass es ab Mai eng wird und wir Anfragen für Kinder, die eine Pflegefamilie brauchen, nicht mehr erfüllen können“, macht Böckle auf die prekäre Situation aufmerksam. Unterstützung für das Anliegen kommt von Nina und Hannes: „Wir hatten anfangs schon auch viele Sorgen, doch die waren letztlich unbegründet. Sollten Probleme auftauchen, ist der Pflegekinderdienst jederzeit da und hilft.“ Auch Isabella Böckle weiß: „Es gibt Höhen und Tiefen. Pflegeeltern kommen an ihre Grenzen,  erleben aber auch wertvolle, innige und bereichernde Momente.“ VN-MM  

Infos und Bewerbung: Isabella Böckle, Tel. 05522/82253-19, pflegekinderdienst@voki.at, alles Infos: www.vorarlberger-kinderdorf.at/pflegekinderdienst

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