Gertrud Marent – ihr Leben nach der Diagnose Leukämie

Vorarlberg / 18.01.2022 • 10:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gertrud Marent - ihr Leben nach der Diagnose Leukämie
Gertrud Marent leidet seit acht Jahren an chronischer, lymphatischer Leukämie. Mittlerweile kann sie gut mit der Krankheit leben.

Nach einer schweren Erkrankung begann sich Gertrud Marent (62) als Hospizbegleiterin zu engagieren.

Tschagguns Als ihr der Arzt im Jahr 2013 mitteilte, dass sie an einer chronischen, lymphatischen Leukämie leidet, zog es Gertrud Marent (damals 54) den Boden unter den Füßen weg. „Ich konnte nicht weinen. Ich fuhr zu meinem Mann heim und sagte ihm, dass ich an einer unheilbaren, bösartigen Krankheit leide. Herbert meinte: ,Wir schaffen das.‘“ Jetzt war es ihr Mann, der mit ihr durch dick und dünn ging und sie zu jedem Arzttermin und zu jeder Chemotherapie begleitete. Früher war es umgekehrt. Als Herbert im Jahr 1998 einen Herzinfarkt hatte, war es Gertrud, die ihm fest zur Seite stand. „Solche Sachen geht man miteinander an“, findet Gertrud.

Mit ihrem Mann Herbert geht Gertrud seit 44 Jahren durch dick und dünn.
Mit ihrem Mann Herbert geht Gertrud seit 44 Jahren durch dick und dünn.

Trotzdem: Die ersten paar Wochen nach der Diagnose waren schlimm. „Ich hatte das Gefühl, dass ich furchtbar krank bin und ein Damoklesschwert über mir hängt.“ Ein mehrwöchiger Aufenthalt in einer psychosozialen Rehaklinik holte die Montafonerin aus dem seelischen Tief heraus. „Ich merkte, dass das Leben weitergeht und ich gut mit der Krankheit leben kann.“ Glücklicherweise schreitet die Leukämie nicht voran. „Alle drei Monate werden meine Blutwerte untersucht.“ Über die Wintermonate muss die Tschaggunserin immer eine Immuntherapie machen, um ihr Immunsystem zu stärken.

Dass sie noch lebt, empfindet die 62-Jährige nicht als selbstverständlich. Ihr ist bewusst, „dass ich eine zweite Chance bekommen habe“. Einige ihrer Mitpatienten bekamen diese nicht. „Der Krebs raffte sie dahin. Da merkte ich: ,Der Tod ist nicht weit weg.‘“

Gertrud ist seit 15 Jahren Großmutter. Ihre Enkel Robert, Roland und Magnus machen ihr viel Freude.
Gertrud ist seit 15 Jahren Großmutter. Ihre Enkel Robert, Roland und Magnus machen ihr viel Freude.

Aus Dankbarkeit begann sich die ehemalige ÖAMTC-Mitarbeiterin vor drei Jahren sozial zu engagieren. „Als ich im Spital lag merkte ich, wie wichtig es ist, dass jemand für einen da ist, wenn man krank ist. Ich beschloss, anderen zu helfen.“ Die zweifache Mutter ließ sich zur Hospizbegleiterin ausbilden. Seither ist sie für Menschen da. Unter anderem geht sie in Altersheime und leistet den Bewohnern Gesellschaft. Sie wird aber auch zu Sterbenden gerufen.

Vor Kurzem bat eine Frau sie um Unterstützung, deren 84-jähriger Mann im Sterben lag. Der krebskranke Mann ging in der Nacht. „Seine Frau lag neben ihm im Bett und hielt seine Hand. Sie bat mich, mich neben sie zu legen. Dann begann sie aus ihrem Leben zu erzählen, von den vielen schönen, gemeinsamen Erlebnissen. Währenddessen wurde der Atem ihres Ehemannes immer unregelmäßiger. Schließlich tat er seinen letzten Atemzug. Es war so etwas Schönes, wie ruhig er ging.” Allein vom Erzählen hat Gertrud feuchte Augen bekommen – so sehr hat sie dieser Einsatz berührt und bereichert. Immer wieder fasziniert und ehrt es sie, “dass Menschen mir großes Vertrauen entgegenbringen”. Die Witwe des verstorbenen 84-Jährigen unterstützt sie immer noch. Denn Gertrud ist auch als Trauerbegleiterin tätig. Zusammen mit Petra Stocker leitet sie außerdem das Trauercafé in Schruns.

Gertrud Marent

geboren 26. August 1959

Wohnort Tschagguns

Ausbildung Einzelhandels- und Versicherungskauffrau

Familie verheiratet mit Herbert, zwei Kinder, drei Enkel

Hobbys Lesen, Nähen, Basteln, Wandern