Bischof Benno Elbs: “Wir haben einen anderen Weg der Aufarbeitung gewählt”

Vorarlberg / 20.01.2022 • 19:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bischof Benno Elbs: "Wir haben einen anderen Weg der Aufarbeitung gewählt"
VN/Steurer

Die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen sei in Österreich anders gelaufen als in anderen Ländern und offenbar auch im Erzbistum München-Freising, sagt der Feldkircher Bischof.

Feldkirch Wie geht es dem Bischof mit den Nachrichten über den Altpapst? “Solche Nachrichten tun weh, weil wir alles versuchen, um die Geschichte aufzuarbeiten und zu verhindern, dass diese Dinge jetzt passieren. Wir müssen viel tun, damit die Kinder geschützt werden.”

Unabhängige Kommission

Die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen sei in Österreich anders gelaufen als in anderen Ländern und offenbar auch im Erzbistum München-Freising, sagt der Feldkircher Bischof Benno Elbs den VN. “Vor elf Jahren haben wir den Weg gewählt, Missbrauchsfälle von unabhängigen Instanzen untersuchen zu lassen”, so der Bischof. Damals wurde die unabhängige Opferschutzkommission unter Leitung der steirischen Altlandeshauptfrau Waltraud Klasnic geschaffen. Der in Vorarlberg aufgewachsene Kardinal Christoph Schönborn setzte sich für die möglichst offene Aufarbeitung ein.
Das außerhalb der Kirche stehende Personenkomitee, dem auch der Vorarlberger Psychiater Reinhard Haller angehört, arbeitete 2496 Fälle auf, entschied in 92,35 Prozent der Fälle für die Opfer und erkannte über 30 Millionen Euro an finanziellen Entschädigungen und therapeutischer Hilfeleistung zu.

Keine Verjährung

“Das Geschehene kann nicht wieder gutgemacht werden, aber wir können den Opfern helfen, über unabhängige Instanzen”, sagt Bischof Benno. Wie auch im Fall in der Diözese München-Freising, wo Altpapst Benedikt von 1977 bis 1982 Erzbischof war, liegen die Fälle auch in Österreich oft Jahrzehnte zurück. “In Österreich hat die Kirche auf eine etwaige Verjährungsfrist verzichtet, weil viele Situationen schon so lange zurückliegen”, so Bischof Benno Elbs.
Heute gebe es in allen österreichischen Diözesen eine Rahmenordnung, die gerade aktualisiert worden sei. Zudem gebe es in jeder Diözese unabhängige Ombudsstellen sowie Stabsstellen zur Prävention von Missbrauch. Dies alles sei ein Versuch der Wiedergutmachung, es sei gleichermaßen die Verhinderung von Übergriffen das erklärte Ziel. “Deshalb gibt es in Schulen, in der Jugendarbeit und an anderen Stellen Präventionskonzepte und Schulungen.”

Stellungnahme abgeben

Den Fall selbst könne er schwer beurteilen: “Es ist wichtig, dass jetzt die Verantwortlichen ihre Stellungnahme abgeben. Ich glaube, dass der Vatikan und auch er eine Stellungnahme dazu abgeben müssen.” VN-RIE