Demonstranten statt Kunden

Vorarlberg / 20.01.2022 • 22:17 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Herzog und Vitale klagen über ausbleibende Kunden. VN/RAuch
Herzog und Vitale klagen über ausbleibende Kunden. VN/RAuch

Die einen verurteilen die Proteste, andere haben Verständnis.

Bregenz Knapp 700 Gegner der Impfpflicht zogen am Donnerstag mit der Freien Bürgerpartei und dem Corona-Widerstand rund um Geri Schwörer von der Bezirkshauptmannschaft über die Seestraße und die Anton-Schneider-Straße vors Landhaus. Bereits an der Kreuzung zur Montfortstraße kommt es zum ersten Zwischenfall: „Das ist doch Blödsinn“, schreit ein Mann den Demonstranten entgegen, geht aber im Glockengeläut und Megafonlärm unter. Er kenne zwei an Corona Verstorbene, aber auch welche, die bei solchen Demos mitgehen, erklärt er. „Sollen sie sich doch impfen lassen, statt hier alles zu blockieren“, verweist der Passant auf den verursachten Stau in der Montfortstraße.

Ausbleibende Kundschaft

„Sie gefährden unsere Erwerbstätigkeit, die ist schließlich auch ein Grundrecht“, hat Wolfgang Herzog vom 4D Outfitters am Ende des Kornmarktplatzes wenig Verständnis. An solchen Tagen habe er ab Beginn der Demo keinen Kunden mehr im Geschäft. „Bregenz ist tot, vielen kleinen Händlern fehlt jeder Euro“, betont Herzog die negativen Aspekte der Demos an den Werktagen. „Als kleiner Händler nimmst du das persönlich“, bestätigt sein Kollege Giovanni Vitale. Sie selbst können an solchen Tagen zumindest auf den Webshop bauen. Dort gehen aber die Steuern an das Land des Kunden. „Online kaufen vor allem Deutsche bei uns.“ Auf die Demos an den Werktagen könnten sie entsprechend verzichten. „Schlussendlich gefährden sie so ja auch ihre eigenen Jobs“, warnt Herzog vor den Konsequenzen auf lange Sicht.

In der Anton-Schneider-Straße stehen drei Geschäftsfrauen zusammen, nachdem der Protestzug durch die enge Gasse zog. Kritisch sehen sie die regelmäßigen Demonstrationen nicht. „Das sind auch potenzielle Kunden, die da vorbeispazieren, die auch einkaufen gehen wollen“, verteidigt sie Martina Zimmermann vom Schauraum. „Der Lockdown für Ungeimpfte ist nur noch eine versuchte Nötigung zur Impfung.“

Auch die beiden bei ihr stehenden Unternehmerinnen sehen den Zwang zur Impfung kritisch, ungeachtet, ob nun selbst geimpft oder nicht. Dies ist aber nicht alles. „Österreich hat keine Ausweispflicht, vor allem nicht gegenüber Privatpersonen“, ist sich Zimmermann über ihre eigene rechtliche Stellung bei den 2G-Kontrollen unsicher. Sie gehe da lieber kein Risiko ein. „Nicht dass ich am Schluss noch geklagt werde.“ VN-RAU

700 Demonstranten zogen durch Bregenz. Am Samstag ist der nächste Protestzug in der Landeshauptstadt. VN/SAms
700 Demonstranten zogen durch Bregenz. Am Samstag ist der nächste Protestzug in der Landeshauptstadt. VN/SAms

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