Warum St. Gerold ein Ort ist, an dem die Zukunft entsteht

Vorarlberg / 20.01.2022 • 19:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Warum St. Gerold ein Ort ist, an dem die Zukunft entsteht
Das neue Tal/Studio befindet sich im Johannishof in St. Gerold und soll ein neuer Begegnungsort werden. BI

Die REGIO Großes Walsertal hat das Tal/Studio in St. Gerold eröffnet.

St. Gerold „Ein Ort für dich, für mich, für uns – Treffen, Diskutieren, Sein“ steht auf der Glastür im Eingangsbereich des Johannishofs in St. Gerold. Damit sind die Kerngedanken des durch den REGIO-Manager Ingo Türtscher initiierten Projekts „Tal/Studio“ grundsätzlich schon zusammengefasst:

„Wir wollten mit dem Tal/Studio einen freien, offenen und zugänglichen Ort der Begegnung schaffen, der konsumfrei gestaltet wird.“ Es sei nicht einfach gewesen, einen solchen Ort zu finden und zu gestalten, der einen offenen Charakter hat. „Uns lag daran, einen Prozess zu starten, der Verschiedenstes zulässt.“
Der Johannishof ist ein klassischer, sehr alter Holzbau in Walser­architektur, der an der linken Seite an den Gasthof Kreuz angrenzt. Die Wohnräume sind dementsprechend niedrig, der zugehörige Neubau rechts datiert aus den 1980er-Jahren. Bevor das Tal/Studio hier durch die temporäre Zurverfügungstellung der Eigentümer-Familie Summer Platz fand, diente dieses ehemalige Hotel als Unterkunft für Asylsuchende.

Klimawandel als Thema

Ingo Türtscher. <span class="copyright">BI</span>
Ingo Türtscher. BI

Der Name Tal/Studio „bezeichnet ein Zusammenspiel von verschiedenen Akteuren“. Ganz zentral steht jedoch das Tal und dessen nachhaltiges Entwicklungspotenzial. Der Begriff Studio ist nicht mit einem Proberaum zu vergleichen, sondern eher mit einem offenen Zugang zum gemütlichen Beisammensein, Diskutieren, Arbeiten oder zum Musizieren. So sollen in diesen Räumen die Themen und Prozesse im Tal sichtbar und transparent gemacht werden. Aktuell wird konkret der Klimawandel aufgegriffen, dem eine kleine Ausstellung mit Fokus auf regionale Anpassungsmaßnahmen im Großen Walsertal gewidmet ist. Im Rahmen des Förderprogramms KLAR! des Klima- und Energiefonds wurde eine regionale Strategie erarbeitet, um den Klimafolgen zu begegnen und die nächsten zwei Jahre konkrete Maßnahmen im Tal umzusetzen. Diese zielen auf die Schwerpunkte Schutzwald, klimafittes Bauen und Infrastruktur, nachhaltiger Tourismus sowie Berglandwirtschaft ab. Das Tal/Studio bietet somit neben einem freien Raum auch aktuelle Informationen, Ausstellungen und initiiert Begegnungsformate, um sich mit Themen gemeinschaftlich auseinanderzusetzen.

Momentan ist im Tal/Studio eine kleine Ausstellung zum Thema Klimawandel zu sehen. <span class="copyright">BI</span>
Momentan ist im Tal/Studio eine kleine Ausstellung zum Thema Klimawandel zu sehen. BI
Der Fokus liegt auf regionalen Anpassungsmaßnahmen im Großen Walsertal. <span class="copyright">BI</span>
Der Fokus liegt auf regionalen Anpassungsmaßnahmen im Großen Walsertal. BI

Alle Bewohner des Tales und jene, die am Tal interessiert sind, sind zum Besuch oder der aktiven Mitgestaltung eingeladen. Dies entspricht der partizipatorischen Idee des Biosphärenparks, die Zivilgesellschaft zu aktivieren und breit einzubinden: „Gemeinsam mit Energiemanager Andreas Bertel und Anna Weber, Managerin des Biosphärenparks, stellen wir uns die Frage: Wie wollen wir im Tal leben und gemeinsam als Region ein gutes und nachhaltiges Leben gestalten?“
Die inhaltliche Komponente ist noch vielschichtiger, denn es sollen kleine thematische Impulse gesetzt werden: „Die Räume sollen sowohl von der REGIO als Ermöglicher, aber vor allem von Privatpersonen, Initiativen und Organisationen für Projekte im Tal genutzt werden. Grundsätzlich soll das Tal/Studio als Entwicklungsort gesehen werden, wobei der Johannishof derzeit die räumliche Basis dafür bietet. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, in weiterer Folge einen anderen Ort oder Platz hierfür zu nützen“, erklärt Türtscher. In erster Linie soll das Tal/Studio als Möglichkeitsort selbstbestimmter Zukunftsgestaltung zur Verfügung stehen, wo experimentiert und Dinge für die Region erprobt werden können. Das Tal/Studio sei aber auch ein Verhandlungsort: „Der Prozess zur institutionellen Zusammenarbeit im Tal wurde vor fünfzig Jahren mit der Gründung der REGIO im Jahr 1972 gestartet. Es dürfen ruhig auch tiefergreifende Fragen aufgeworfen werden, wie etwa, ob die damaligen Rahmenbedingungen heute noch entsprechen und wie wir mögliche Übergänge gestalten wollen“, so Türtscher.

Tiefer in Themen eintauchen

Das Tal/Studio befinde sich noch in einem Vorprozess: „Wir wollen im Laufe des Jahres immer mehr in unsere konkreten, aktuellen Themenfelder, eben der Klimawandelanpassung, aber auch in größere Fragen des Kooperierens und der gemeinsamen Zukunftsgestaltung eintauchen. Sehr gerne möchten wir auch Jugendliche und die Schulen in die Diskussion miteinbeziehen.“ Trotz allen Herausforderungen in dieser Zeit sieht Ingo Türtscher die Zukunft positiv, denn sie kommt nicht einfach, sondern ist immer gestaltbar. BI