“Mein Kind muss ins Gymnasium!” – wenn Eltern unangenehm werden

Vorarlberg / 21.01.2022 • 05:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
"Mein Kind muss ins Gymnasium!" - wenn Eltern unangenehm werden
Über ein gutes Zeugnis möchten alle Schülerinnen und Schüler jubeln, besonders in der vierten Klasse Volksschule. APA

Lehrerinnen und Lehrer der vierten Klasse Volksschule werden nicht selten unter Druck gesetzt.

Bregenz Es ist alle Jahre dasselbe. Das Halbjahrszeugnis der Viertklässler in der Volksschule steht im Brennpunkt. Es ist das Ticket fürs Gymnasium – oder das große Hindernis. Eltern bangen mit ihren Sprösslingen und versuchen nicht selten, Druck auf die Lehrerinnen und Lehrer auszuüben.

Es sind Szenarien wie diese, die den Verfechtern einer Gemeinsamen Schule Futter für ihre Haltung liefern. “Eine Schulwegentscheidung mit zehn kommt zu früh. Lasst die Kinder in einer Gemeinsamen Schule länger zusammen.” So und ähnlich lauten die Forderungen.

Druck ist da

Umfragen bestätigen: Volksschullehrerinnen und -lehrer fühlen sich in den vierten Klassen von Eltern oft unter Druck gesetzt und empfinden diese Situation als belastend.

In der Volksschule Lustenau-Rheindorf haben Direktor Markus Purin (42) und sein Team eine Strategie entwickelt, möglichst viel Druck von den Lehrpersonen zu nehmen. “Bei uns bereiten alle Viertklassenlehrernnen die Schularbeiten gemeinsam vor und korrigieren diese auch gemeinsam. Damit können wir viel Wind aus den Segeln nehmen, wenn etwa Eltern mit Vergleichen zwischen den einzelnen vierten Klassen argumentieren wollen”, erklärt Purin. Das funktioniere gut, obwohl es trotzem immer wieder Versuche von interventionen bei der Notengebung geben könne. Was Purin in der Strategie der Schule bestärkt: “Wir bekommen oft gute Rückmeldungen vom Gymnasium.”

Markus Purin, Direktor der Volksschule Lustenau-Rheindorf vertraut auf das Teamwork seiner Lehrerinnen. <span class="copyright">VN/Heimat</span>
Markus Purin, Direktor der Volksschule Lustenau-Rheindorf vertraut auf das Teamwork seiner Lehrerinnen. VN/Heimat

“Wir geben in allen vierten Klassen dieselben Schularbeiten. Diese werden auch gemeinsam korrigiert.”

Markus Purin, Direktor VS Lustenau-Rheindorf

Starke Lehrer in den Klassen

Auch Johanna Aschbacher (52), Schulleiterin der Volksschule Levis in Feldkirch kennt die Problematik. “Wir haben aufgrund unseres Migrantenanteils nicht so viele Kinder, die fürs Gymnasium in Frage kommen. Aber bei denen sind die Eltern schon dahinter, dass sie ihre Ziele erreichen”, berichtet sie. Resistent sei man gegen Interventionsversuche allemal. “Druck ist da, aber nicht so massiv. Die dritten und vierten Klassen sind mit gestandenen Lehrpersonen besetzt. Zudem klappt die Kommunikation der Lehrer untereinander ausgezeichnet”, berichtet Aschbacher. Belastend sei die Tatsache, dass man mit den Eltern kaum persönlich, von Angesicht zu Angesicht, Kontakt haben könne. Aschbacher outet sich als Anhängerin einer Gemeinsamen Schule.

Johanna Aschbacher weiß um den Druck gewisser Eltern auf Lehrerinnen der vierten Klassen. Doch man komme damit zurecht. <span class="copyright">VN/Heimat</span>
Johanna Aschbacher weiß um den Druck gewisser Eltern auf Lehrerinnen der vierten Klassen. Doch man komme damit zurecht. VN/Heimat

Druck ist da, aber nicht so massiv. Die dritten und vierten Klassen sind mit gestandenen Lehrern besetzt.”

Johanna Aschbacher, Direktorin VS Feldkirch Levis

Heimlich aufgenommen

Als “noch ruhig” bewertet Klaus Schwärzler (58), Direktor der Volksschule Dornbirn-Schoren, die Lage in Bezug auf Elterninterventionen wegen Schulnoten der Viertklässler. “Es hat sich noch kein Viertklässler-Elternteil wegen einer Note beschwert. Aber wir haben natürlich auch noch Schularbeiten vor der Notengebung”, berichtet Schwärzler. Er habe veranlasst, dass die Noten den Schülern und Eltern knapp zwei Wochen vor der Zeugnisverteilung bekannt gegeben werden. Durch die derzeitigen Umstände würde bei der Benotung nach dem Motto “Im Zweifel für den Angeklagten” vorgegangen.

“Ich habe schon erleben müssen, dass ein Elternteil wegen einer Note zum Bürgermeister gegangen ist.”

In der Vergangenheit hat Schwärzler freilich auch schon anderes erlebt. “Einmal ist ein Elternteil wegen einer Note bis zum Bürgermeister gegangen. Ein anderes Mal wurde ich von einem Vater heimlich aufgenommen. Aber es sind insgesamt Einzelfälle, bei denen Eltern wegen Noten auf die Barrikaden gehen.”