Panikattacken und Suizidversuche

Vorarlberg / 21.01.2022 • 22:43 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Impfen, Gespräche führen, infektiöse Patienten separieren, telefonieren: Corona beschert den niedergelassenen Ärzten hohe Zusatzbelastungen.vn/stiplovsek
Impfen, Gespräche führen, infektiöse Patienten separieren, telefonieren: Corona beschert den niedergelassenen Ärzten hohe Zusatzbelastungen.vn/stiplovsek

Hausärzte sind immer öfter mit den psychosozialen Folgen der Pandemie konfrontiert.

dornbirn Die Pandemie hat den Alltag in den Praxen der niedergelassenen Ärzte verändert. Der Aufwand ist größer geworden und das Patientengut fragiler. Immer öfter sind Hausärzte auch bei psychosozialen Folgen, die Lockdowns und Quarantänen bei Menschen hinterlassen, gefordert. Die Mediziner berichten von Panikattacken und gar Suizidversuchen ihrer Patienten. „Die Krankheit selbst erzeugt ebenfalls weitreichende Probleme“, erklärt Verena Linder, Allgemeinmedizinerin in Frastanz. Das betrifft vor allem Long Covid. Oft trete nach einem mühsamen und langen Weg zwar eine Verbesserung ein, sie hat aber auch zwei Fälle, in denen es keine Rückkehr zur Normalität mehr gibt. Ihr Kollege aus Schoppernau, Andreas Wüstner, ergänzt: „Es ist belastend, zuschauen zu müssen, wie Menschen schwer erkranken oder sterben, obwohl sich das mit einer Impfung verhindern ließe.“

Kein Zwang zur Impfung

Was die nun beschlossene Impfpflicht angeht, haben die Allgemeinmediziner eine klare Haltung: „Wir Ärzte zwingen sicher niemanden zum Impfen, aber wir können Gespräche anbieten und unsere Patienten einladen, über ihre Ängste zu reden“, lautet die Botschaft von Barbara Schmidbauer, Gemeindeärztin in Ludesch. Sie merkt noch an: „Wir wären froh, wenn uns die Patienten helfen würden, indem sie sich impfen lassen.“ Die Ärzte verhehlen nicht, dass Covid ihnen auch deshalb oft emotional und physisch zusetzt.

Im Durchschnitt kommen täglich bis zu zehn Covid-Patienten in die Ordinationen. Ihre Separierung bedeutet eine zusätzliche Herausforderung. Dass Infizierte nicht behandelt werden, gehört jedoch ins Reich der Märchen. „Wer krank ist, kann immer seinen Hausarzt aufsuchen“, betont Andreas Wüstner. „Wir sind erste Anlaufstelle für alle.“ Die Schwere der Erkrankung zeigt dem Arzt meist schon den Impfstatus an, bevor er ihn vom Patienten selber erfährt. „Derzeit sind es mehr milde Verläufe“, weiß Markus Baldessari aus Bregenz. Den Grund sieht er jedoch nicht nur bei Omikron, sondern schreibt diesen Umstand mehr dem Impfeffekt zu. Umso wichtiger sei es jetzt, sich die dritte Impfung zu holen, unterstreicht Gabriele Gort, Allgemeinmedizinerin in Wolfurt, den Wert der Boosterung, die nachweislich vor schweren Ausprägungen von Covid-19 schütze.

Definitiv die falsche Adresse sind Hausärzte, wenn es um die Impfbefreiuungen geht, obwohl bereits Druck spürbar ist, besonders im Rahmen von Impfgesprächen. Wer solche Atteste ausstellen darf, muss indes noch definiert werden. Die Indikationen dürften aber sehr eng gefasst sein. Es wird erwartet, dass bis Mitte nächster Woche Klarheit besteht. VN-MM

Wir müssen uns jetzt die Zeit nehmen, um noch Menschen von der Impfung zu überzeugen. Das geht nur, indem wir viel erklären und auf die Ängste individuell eingehen. Wir können die Impfung nur wohlwollend empfehlen und jenen, die noch zögerlich sind, dann zeitnah ein Angebot machen. Gabriele Gort, Wolfurt

Wir müssen uns jetzt die Zeit nehmen, um noch Menschen von der Impfung zu überzeugen. Das geht nur, indem wir viel erklären und auf die Ängste individuell eingehen. Wir können die Impfung nur wohlwollend empfehlen und jenen, die noch zögerlich sind, dann zeitnah ein Angebot machen. Gabriele Gort, Wolfurt

Krankheitsbilder von Long Covid sehen wir täglich in unterschiedlichsten Ausprägungen, vor allem bei ungeimpften Patienten. Man könnte sogar sagen, Long Covid ist eine Krankheit der Ungeimpften. Nach einem langen Verlauf wird es mitunter besser, es können aber auch irreparable Schäden bleiben. Verena Linder, Frastanz

Krankheitsbilder von Long Covid sehen wir täglich in unterschiedlichsten Ausprägungen, vor allem bei ungeimpften Patienten. Man könnte sogar sagen, Long Covid ist eine Krankheit der Ungeimpften. Nach einem langen Verlauf wird es mitunter besser, es können aber auch irreparable Schäden bleiben. Verena Linder, Frastanz

Wir Ärzte erleben hautnah auch die psychosozialen Folgen von Covid – von Panikattacken bis hin zu Suizidversuchen. Vor allem junge Menschen können mit der Isolation oft nicht gut umgehen. Es gibt aber auch Patienten, die die Krise als Chance nutzen, indem sie die Zeit wieder bewusster nutzen. Thomas Jungblut, Bregenz

Wir Ärzte erleben hautnah auch die psychosozialen Folgen von Covid – von Panikattacken bis hin zu Suizidversuchen. Vor allem junge Menschen können mit der Isolation oft nicht gut umgehen. Es gibt aber auch Patienten, die die Krise als Chance nutzen, indem sie die Zeit wieder bewusster nutzen. Thomas Jungblut, Bregenz

Wir behandeln alle Patienten gleich, und wir sind für alle da. Wir können aber nicht allen so helfen, wie wir es gerne möchten. Es ist für uns Ärzte belastend und unverständlich, wenn wir zuschauen müssen, wie Menschen schwer erkranken und sogar sterben, was mit einer Impfung zu verhindern wäre. Andreas Wüstner, Schoppernau

Wir behandeln alle Patienten gleich, und wir sind für alle da. Wir können aber nicht allen so helfen, wie wir es gerne möchten. Es ist für uns Ärzte belastend und unverständlich, wenn wir zuschauen müssen, wie Menschen schwer erkranken und sogar sterben, was mit einer Impfung zu verhindern wäre. Andreas Wüstner, Schoppernau

Auch wenn die Politik eine Impfpflicht einführt, wir Ärzte zwingen sicher niemanden zu Impfung. Wir haben bisher nur Menschen geimpft, die das freiwillig wollten, und das wird auch so bleiben. Als Hausärzte laden wir jeden ein, letztlich ist Impfen jedoch die freie Entscheidung jedes Einzelnen. Barbara Schmidbauer, Ludesch

Auch wenn die Politik eine Impfpflicht einführt, wir Ärzte zwingen sicher niemanden zu Impfung. Wir haben bisher nur Menschen geimpft, die das freiwillig wollten, und das wird auch so bleiben. Als Hausärzte laden wir jeden ein, letztlich ist Impfen jedoch die freie Entscheidung jedes Einzelnen. Barbara Schmidbauer, Ludesch

Als Arzt erkenne ich meist schon an der Schwere der Erkrankung, welchen Impfstatus der Patient hat. Ungeimpfte haben einfach schwerere Verläufe, das sehen wir jeden Tag. Wir können Covid-Patienten durchaus ambulant behandeln, aber sie müssen täglich beobachtet und betreut werden. Markus Baldessari, Bregenz

Als Arzt erkenne ich meist schon an der Schwere der Erkrankung, welchen Impfstatus der Patient hat. Ungeimpfte haben einfach schwerere Verläufe, das sehen wir jeden Tag. Wir können Covid-Patienten durchaus ambulant behandeln, aber sie müssen täglich beobachtet und betreut werden. Markus Baldessari, Bregenz

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