Weinhändler aus der Untergasse

Vorarlberg / 21.01.2022 • 16:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Foto von Louis Reichenbach, undatiert.
Foto von Louis Reichenbach, undatiert.

Die Familiengeschichte der Reichenbachs beiderseits des Rheins.

HOHENEMS Die Biografienreihe der VN-Heimat und des Jüdischen Museums Hohenems betrachtet diesmal das Leben von Louis Reichenbach, dessen Familiengeschichte auch in der derzeitigen Sonderausstellung „Am Rand. Zusammen leben in der Untergass’“ thematisiert wird.

Als drittes Kind von Hermann Kilian Reichenbach und dessen Frau Klara Landauer, kam er am
5. Jänner 1839 in Hohenems zur Welt. Schon ein Jahr später verstarb die Mutter bei der Geburt von Louis’ Schwester, die zur Erinnerung den mütterlichen Vornamen Klara erhielt. Hermann Kilian heiratete 1841 erneut, doch die um 22 Jahre jüngere Emilie Steiner ereilte 1864 ebenfalls der Tod im Wochenbett. Nur wenige Wochen davor war der Familienvater, der bis dahin eine Branntweinbrennerei in der Untergasse betrieben hatte, einem Typhusleiden erlegen. Insgesamt sieben Nachfahren blieben zurück.

H. K. Reichenbachs Söhne

Seine fünf Söhne Karl, Louis, Gabriel, Simon und der noch minderjährige Samuel wurden nun Teilhaber der väterlichen Firma, die in eine Gesellschaft umgewandelt wurde. „H. K. Reichenbachs Söhne“ führten sowohl die Branntweinproduktion als auch den Weinhandel fort, wobei die beiden ältesten Brüder Karl und Louis als zeichnungsberechtigte Personen angegeben wurden. Lange sollte diese Firma aber keinen Bestand mehr haben, denn nachdem im Juli 1870 als erster Simon Reichenbach aus der Gesellschaft ausgetreten war, tat es ihm im Oktober des selben Jahres Louis Reichenbach gleich. 1876 zog sich der jüngste Bruder Samuel aus dem Unternehmen zurück, um bald darauf sein Glück als Minenbesitzer auf der zu Frankreich gehörenden Pazifikinsel Neukaledonien zu versuchen.

1878 stand schließlich die Versteigerung des Firmenvermögens an, das neben den drei Häusern in der Untergasse auch mehrere Grundstücke in Hohenems und Götzis sowie die bestehende Branntweinbrennerei umfasste. Zu diesem Zeitpunkt lebte Louis Reichenbach, der am 11. Oktober 1868 die aus einer Kaufmannsfamilie stammende Karoline Bernheimer geheiratet hatte, jedoch längst in der Schweiz. Das Ehepaar hatte sechs Kinder, vier Töchter und zwei Söhne, die zwischen 1869 und 1887 in Rorschach bzw. Flawil zur Welt kamen und alle das Erwachsenenalter erreichten.

Fortsetzung in der Schweiz

Jenseits des Rheins, wohin nicht nur Louis, sondern auch seine Brüder Karl und Gabriel gezogen waren, beschäftigten sich alle drei weiterhin mit dem Weinhandel. So finden sich in Zeitungsartikeln der 1890er-Jahre Erwähnungen einer in Zürich ansässigen Firma mit dem Namen „H. K. Reichenbach“, deren Hohenemser Ursprung hervorgehoben wird. Des Weiteren wird im November 1899 in der Chronik der Stadt Zürich die Weinhandlung Louis H. Reichenbach geführt.

Der inzwischen 60-Jährige, dessen Auswanderung erst 1893 offiziell bestätigt wurde, setzte die Familientradition somit in der Schweiz fort. Der zu diesem Zeitpunkt letzte noch (in Europa) lebende Sohn von Hermann Kilian Reichenbach war zudem seit über einem Jahr verwitwet. Karoline war nämlich bereits im Alter von 51 Jahren verstorben. Louis hingegen schied erst am
9. April 1925 in Zürich aus dem Leben. Seine letzte Ruhestätte befindet sich aber direkt neben dem Grab seiner Gattin auf dem Jüdischen Friedhof in Hohenems, wo der Stein bis heute erhalten geblieben ist. RAE

Gemälde von Louis Reichenbach, undatiert.  JMH (2)
Gemälde von Louis Reichenbach, undatiert. JMH (2)

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