Warum Omikron nur schaumgebremst im Abwasser erkennbar ist

Vorarlberg / 22.01.2022 • 10:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Warum Omikron nur schaumgebremst im Abwasser erkennbar ist
Im Umweltinstitut wird das Abwasser aus sechs Vorarlberger Kläranlagen bearbeitet. VN/Prock

Sieben-Tagesinzidenzen gehen vielerorts durch die Decke, doch seit Jahresbeginn ist etwas Interessantes zu beobachten.

Bregenz Was international bereits mehrfach bewiesen wurde, zeigte sich ebenfalls bei der Auswertung von Vorarlberger Abwasserproben seit dem Sommer 2020.

Bisher ließen sich die Neuinfektionszahlen der kommenden Woche in den Kläranlagenanalysen der Vorwoche fast punktgenau vorhersehen.

Doch die dominante SARS-CoV2-Variante Omikron hat nun andere Auswirkungen auf die Ergebnisse der Abwasseranalysen. Denn der von Omikron verursachte große Infektionsanstieg schlägt sich nur abgeschwächt im Abwassermonitoring nieder. Die Viren-Levels gehen aktuell vielerorts nicht genau so stark durch die Decke, wie es zuletzt die Inzidenzen taten.

Auch in Vorarlberg beobachtet man bei den aktuellen Abwasserdaten diese Veränderung. „Der steile Anstieg der Sieben-Tages-Inzidenz Anfang dieses Jahres im Einzugsgebiet der Kläranlage Bregenz bildet sich in der Virenlast des Abwassers im Vergleich zur vierten Welle im November deutlich weniger ab“, erklärt Christoph Scheffknecht anhand eines Beispiels. Dieser Trend sei in Vorarlberg am deutlichsten ausgeprägt, weiß der Leiter der Umweltanalytik im Umweltinstitut.

Christoph Scheffknecht, Leiter der Abteilung Umweltanalytik beim Umweltinstitut: „Wenn nur einer von 30.000 Menschen mit Corona infiziert ist, so sehen wir das im Abwasser.“
Christoph Scheffknecht, Leiter der Abteilung Umweltanalytik beim Umweltinstitut: „Wenn nur einer von 30.000 Menschen mit Corona infiziert ist, so sehen wir das im Abwasser.“

Woher die relativ schaumgebremsten Werte in den Proben herrühren, lässt die Wissenschaftler noch rätseln. „Wir wissen noch nicht, warum das Abwassersignal nicht mehr so deutlich ist wie früher”, so Scheffknecht. Eine Hypothese sei, dass die durch Omikron ausgelösten Erkrankungssymptome nun hauptsächlich im Rachenraum auftreten – mit höherer Virenkonzentrationen. Dadurch würden sich mildere Krankheitsverläufe aber auch eine höhere Ansteckungsgefahr ergeben. „Eine weitere Konsequenz dürfte ein verändertes Ausscheidungsverhalten der Viren sein, die einen geringeren Eintrag von Virenpartikeln ins Abwasser bedingt“, erklärt der Leiter der Umweltanalytik.

Das Covid19-Abwassermonitoring verliert deshalb aber nicht an Bedeutung. Scheffknecht ist überzeugt, dass die Abwasserüberwachung vor allem nach dem Abklingen der Omikron-Welle und dem zu erwartenden Rückgang bei den Testungen ein wichtiges zusätzliches Instrument bleibt. „Ob dann tatsächlich nur noch ein geringes Infektionsgeschehen besteht, sollte sich durch eine sehr geringe oder gar nicht mehr messbare Virenlast im Abwasser abbilden“, erläutert Christoph Scheffknecht. Zudem könne ein neuerlicher Anstieg des Infektionsgeschehens durch die Rückkehr der Delta-Variante oder einer neuen Variante auch bei deutlich reduziertem Testumfang erkannt werden. „Wenn nur einer von 30.000 Menschen mit Corona infiziert ist, so sehen wir das im Abwasser.“ Derzeit werden die Kläranlagen Bregenz, Dornbirn, Hofsteig, Hohenems, Meiningen und Ludesch mehrmals pro Woche überprüft. Damit sind rund 75 Prozent der Vorarlberger in dieses Screening involviert.

Die Abwasserdaten aus Vorarlberg sind öffentlich zugänglich.