Bregenz soll Fußgängerparadies werden

Vorarlberg / 23.01.2022 • 09:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Bregenz soll Fußgängerparadies werden
Der Leutbühel wird Zentrum der autofreien Innenstadt.

Die Innenstadt soll autofrei werden, konkrete Vorschläge liegen bis Ende April vor.

BREGENZ Noch zerbrechen sich die Fachleute vom Ingenieurbüro Besch und Partner in Feldkirch den Kopf darüber, wie die Bregenzer Innenstadt autofrei organisiert werden könnte. Im Bregenzer Rathaus hingegen herrschen schon ziemlich klare Vorstellungen darüber, wie diese fußgängerfreundliche Vision ausschauen könnte.

In Bregenz wurden in den vergangenen Jahren bereits verschiedene Pilotprojekte in die Tat umgesetzt, die auf eine Verkehrsberuhigung des Stadtkerns abzielten. Jetzt möchte man konkrete Planungsschritte setzen, die die Rathausstraße, die Anton-Schneider-Straße, Bergmann-, Römer- und Kirchstraße betreffen.

Vorschläge bis Ende April

Bregenz steht mit dieser Idee nicht alleine da. In ganz Europa forcieren immer mehr Kommunen Kfz-freie Kernzonen. Wie anderswo muss dafür aber auch am Bodensee im Detail geklärt werden, wie man neben dem fließenden auch den ruhenden Verkehr sinnvoll organisieren und die betroffenen Wohnquartiere erschließen will. Diese verkehrstechnisch notwendigen Maßnahmen werden vom erfahrenen Feldkircher Ingenieurbüro Besch und Partner zur Zeit untersucht. Bis Ende April sollten die derzeit laufende Umgestaltung von Leutbühel, Maurachgasse und Deuringstraße abgeschlossen sein und konkrete Vorschläge vorliegen, wie es weitergehen könnte.

Autofreie Maurachgasse

Die Maurachgasse müsste nach Vorstellung von Stadtrat Robert Pockenauer völlig verkehrsfrei gehalten werden. Angedacht ist in Straßenmitte, zur Freude der Kinder im Sommer, ein Gerinne, das an die Pfänderbäche, die einst hier dem See zuströmten, erinnern soll. Gastgärten der fünf Lokale in dieser Straße könnten zum Verweilen einladen. Ein weiterer Vorschlag, der aber keine Zustimmung fand, war die Idee, den Thalbach, wie einst, in einem offenen Gerinne durch die in der in Zukunft autofreien Rathausstraße zu führen.

Keine Fahrräder in Kaiserstraße

Verkehrsfrei soll in Zukunft auch die Kaiserstraße, die schon seit Jahren Fußgängerzone ist, wieder werden. Die Freigabe für Radfahrer hat bereits zu gefährlichen Situationen geführt. „Radfahrer sollen dann die autofreie Rathausstraße benützen“, so Pockenauer, der an die Vernunft der Radfahrer appelliert. „Das Befahren von Fußgängerzonen ist nur in Schrittgschwindigkeit erlaubt.“ Was aber Schrittgeschwindigkeit bedeutet, ist gesetzlich nicht klar geregelt. Man geht von 10 km/h aus – in Wien sind nur 7 km/h erlaubt und das wird rigoros mit Lasermessungen überprüft. Wer schneller in die Pedale tritt, muss bereits in vielen österreichischen Städten mit empfindlichen Strafen rechnen.

Platzwirkung erzielen

Auch die Rathausstraße soll durchgehend mit gelbem Belag eine Fußgängerzone signalisieren. Vor dem Rathaus ist ein Plattenbelag angedacht. Damit will man eine Platzwirkung erzielen. Zu beiden Seiten dieser Platten sind Bäume geplant. „Da neben dem Stadtbusbüro auch Bürgerservice, Melde- und Sozialamt sowie das Standesamt ins Rathaus übersiedeln, wird in Zukunft im Stadtvertretungssaal geheiratet. Die Braut kann dann vom Rathausbalkon den Brautstrauße den wartenden Freunden vor dem Rathaus zuwerfen“, freut sich Bürgermeister Michael Ritsch über das, was alles möglich sein wird, sobald diese Pläne Wirklichkeit geworden sind.

Pläne für Anton-Schneider-Straße

Bgm. Ritsch und Stadtrat Pockenauer studieren die ersten digitalen Pläne für die Erweiterung der Fußgängerzone.
Bgm. Ritsch und Stadtrat Pockenauer studieren die ersten digitalen Pläne für die Erweiterung der Fußgängerzone.

Auch die Anton-Schneider-Straße wird zur Fußgängerzone. Die Zufahrt zum „Pircherhof“ wird in Zukunft über die Bergmannstraße möglich sein – die Ausfahrt erfolgt, wie bisher, zur Belruptstraße. In der Bergmannstraße sieht die Rohplanung eine Allee vor. Umgewöhnen müssen sich die Bewohner vom Mildenberg und der Oberstadt: Die untere Kirchstraße und anschließende Römerstraße werden nach Vorstellung von Pockenauer ebenfalls zur Fußgängerzone. Von der Thalbachstraße gelangt man dann mit dem Auto zwar noch bis zum „Eck“, aber von dort über die Kirchstraße weiter zur Gallusstraße. Eine Durchfahrt Richtung Leutbühel wird nicht mehr möglich sein.

Ausnahmen für Anrainer

Da die Zufahrt zu einer großen Tiefgarage unter dem ehemaligen Forsterareal nur über die Kirchstraße möglich ist, sind Ausnahmen für Anrainer vorgesehen. Die Linienführung der Buslinie 12C zur Oberstadt muss, ebenso wie die Führung der Stadtbuslinie 1, noch abgeklärt werden.

Noch sind das alles erst Vorstellungen für eine autofreie Innenstadt, viele Detailfragen müssen noch abgeklärt werden und der Bregenzer Bürgermeister Michael Ritsch muss noch eine Mehrheit für seine Pläne in der Stadtvertretung finden. „Wir wollen bei so weitreichenden Entscheidugen alle Fraktionen, aber auch die Bevölkerung in den Entscheidungsprozess mit einbinden.“ FST