Wal – 100 Jahre nach Erstflug Museumsstar

Vorarlberg / 23.01.2022 • 17:06 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der diese Woche verstorbene Filmstar Hardy Krüger im Cockpit des Wals.stp/2
Der diese Woche verstorbene Filmstar Hardy Krüger im Cockpit des Wals.stp/2

Dornier Museum steht heuer ganz im Zeichen eines großen Jubiläums.

Friedrichshafen „Der Wal hat Dornier gemacht“ wurde zum geflügelten Satz, wenn man die Erfolgsgeschichte des genialen Flugzeugbauers vom Bodensee kurz zusammenfassen wollte. In der Tat war es das erfolgreichste Modell aus dem Hause Dornier, das 1922 zum Jungfernflug startete. Zum 100-Jahr-Jubiläum steht der Wal deshalb im Mittelpunkt im Dornier Museum, das am Samstag in sein „Wal-Jahr“ startet. Mit einer Vortragsreihe, die im Frühjahr beginnt, wird auf die Sonderausstellung, die im Herbst eröffnet wird, eingestimmt.

Luftfahrtgeschichte geschrieben

Das legendäre Flugboot hat Luftfahrtgeschichte geschrieben und deshalb hat Dornier vor zehn Jahren einen Nachbau der Maschine im Museum präsentiert. Der Wal hat aber auch seinem Konstrukteur Claude Dornier zu weltweiter Anerkennung verholfen und ihn zu einem der einflussreichsten Luftfahrtpioniere des 20. Jahrhunderts gemacht.

Mehr als 350 Wal-Flugboote wurden gebaut – kein anderes Flugboot hat diese Stückzahl auch nur annähernd erreicht. Dem Wal kam zugute, dass er in einer Zeit gebaut wurde, in der die Vernetzung der Welt, die Erforschung von Unbekanntem und die Überwindung bestehender Grenzen in eine neue Dimension gehoben wurden. Die Dornier Wal-Flugboote übernahmen vielfältige Aufgaben: Im Postverkehr, in der neu entstehenden Passagierluftfahrt, für Rekord- und Expeditionsflüge, aber auch für militärische Zwecke wurde der Dornier Wal in den 1920er- und 1930er-Jahren eingesetzt. Sowohl zivile als auch militärische Ausfertigungen bewiesen die Leistungsfähigkeit des Flugbootes. Käufer aus der ganzen Welt schätzten die Zuverlässigkeit sowie seine Hochseetauglichkeit. Für weltweite Begeisterung sorgte der Weltflug des Luftfahrtpioniers Wolfgang von Gronau mit seiner Crew im Grönland-Wal D-2053. Es war der erste Weltflug mit einem Flugboot überhaupt.

Für weltweites Aufsehen sorgte der Wal durch die spektakuläre Expedition des Polarforschers Roald Amundsen im Jahre 1925. Die Expedition zum Nordpol mit zwei Wal-Flugbooten endete wegen technischer Probleme. Eines der beiden Flugboote war irreparabel beschädigt, für das zweite – jene Maschine, deren Nachbau jetzt im Museum steht – wurde in dreiwöchiger Arbeit in Schnee und Eis eine Startbahn gebaut. Beim vierten Versuch, 23 Tage nach der Notlandung, gelang der Start in Richtung Spitzbergen und nach zwei Tagen abenteuerlicher Reise war die Expedition wieder daheim. Amundsen und seine Crew, die in der Heimat schon tot geglaubt waren, wurden wie Helden gefeiert.

1969 auch ein „Filmstar“

Tragisch endete drei Jahre später ein Flug, zu dem Amundsen aufgebrochen war, um den in der Arktis abgestürzten Forscher Umberto Nobile zu retten. Amundsen und seine Begleiter stürzten auf dem Flug in die Arktis ab, erst Monate später wurden Wrackteile aus dem Meer geborgen. Nobile wurde später von einem schwedischen Flugzeug gerettet. Die Geschichte wurde 1969 („Das rote Zelt“) verfilmt, wobei der gerade verstorbene Hardy Krüger den schwedischen Piloten Einar Lundborg verkörperte. Mehr als 40 Jahre später war Krüger Ehrengast bei der Vorstellung des Wal-Nachbaus im Dornier Museum. STP

Vor zehn Jahren stellten die Dornier-Enkel Cornelius (l.) und Iren den Wal-Nachbau vor.
Vor zehn Jahren stellten die Dornier-Enkel Cornelius (l.) und Iren den Wal-Nachbau vor.

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