Neue Faehre-Geschäftsführerin: “Für andere Kulturen öffnen”

Vorarlberg / 24.01.2022 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Neue Faehre-Geschäftsführerin: "Für andere Kulturen öffnen"
Auch in Ecuador nahm sie schon an Demonstrationen teil. Bei dieser ging es um die Gewalt gegen Frauen.

Belinda Paulak ist Sozialarbeiterin und neue Geschäftsführerin und Gesellschafterin der „Faehre“ in Dornbirn.

dornbirn „Eigentlich wollte ich Polizistin werden, aber da war ich zu klein bei der Aufnahme, einen Zentimeter zu klein“, so Belinda Paulak auf die Frage, ob sie schon immer Sozialarbeiterin werden wollte. Bei ihrer Arbeit auf der Gemeinde Buch hat sie bereits gemerkt, dass sie gerne mit Menschen spricht und eine soziale Ader hat. „Sie erzählten mir von ihren Problemen, aber mir fehlte irgendwie das Werkzeug, sie zu unterstützen.“

Ausschlaggebend für ihre Berufswahl als Sozialarbeiterin waren ihre Erfahrungen in Südamerika. Neun Monate lang arbeitete sie dort als Freiwillige mit Kindern und Frauen in einem Frauenhaus in Cuenca, Ecuador. In Südamerika sah sie große Unterschiede und Ungleichheiten, viele von Gewalt betroffene Frauen und auch suchtkranke Menschen.

Belinda Paulak bei der Arbeit mit Kindern im Frauenhaus.
Belinda Paulak bei der Arbeit mit Kindern im Frauenhaus.

Politisches Interesse

In Südamerika ist Belinda Paulak mit Menschen in Verbindung gekommen, die „wirklich an den Folgen von Monsanto leiden oder an den Folgen der Umweltverschmutzung der USA in Südamerika, wo Öllachen sind, wo viele an Krebs erkranken“, wie sie sagt. „Im Zuge des Bachelorstudiums hatten wir eine Gemeinschaft politisch engagierter Studierenden (SÖPPS), die zusammen diskutierten und Demos machten. Da ist das politische Mandat der sozialen Arbeit in mir hervorgekommen.“ Bei der Demonstration „March Against Monsanto“ ist sie damals mitgelaufen und hat im Hintergrund geholfen Flyer zu kreieren.

Aktiver beteiligt, nämlich als Rednerin, hat sich Belinda Paulak erst später bei den Sonntagsdemonstrationen für ein gerechtes und menschliches Fremden- und Asylrecht. Man sei auf sie zugekommen, ob sie als Rednerin auftreten wolle. „Ich überlege mir gut, worüber ich rede, sagen wir‘s so. Weil ich traue mich auch heißes Eisen anzugreifen und Sachen zu sagen, die vielleicht bei der Politik nicht immer so gut ankommen“, betont die 33-Jährige.

Als Freiwillige arbeitete Belinda Paulak mit Kindern in einem Frauenhaus in Cuenca, Ecuador.
Als Freiwillige arbeitete Belinda Paulak mit Kindern in einem Frauenhaus in Cuenca, Ecuador.

Beruflich blieb sie dem Sozialthema treu. Paulak studierte an der Fachhochschule Vorarlberg Soziale Arbeit mit Spezialisierung auf den Suchtbereich. Die Herausforderung, mit sogenannten Hard-to-reach-Klienten zu arbeiten, habe ihr schon immer gefallen. Seit Dezember 2021 ist Paulak eine von drei Geschäftsführern der gemeinnützigen Sucht- und Drogenhilfe „Die Faehre“ in Dornbirn. Zu ihren Zielen zählt sie etwa interkulturelle Öffnungsprozesse. Es wäre ihr sehr wichtig, dass sich die Suchtfachstellen interkulturell öffnen, zum Beispiel Menschen mit Migrationshintergrund einstellen und es Dolmetscher und Flyer in verschiedenen Sprachen gibt. Dass man auf die Lebenswelt der einzelnen Menschen eingeht und sich da wirklich öffnet. „Es gibt schon Öffnungsprozesse, aber in meinen Augen noch viel zu wenig“, so Paulak. Zudem arbeitet die Sozialarbeiterin bei der Caritas Suchtfachstelle in Feldkirch. Aktuell beteiligt sie sich bei der überparteilichen Bürgerinnen-Initiative Faire Wahlen für eine Wahlrechtsreform zur Vorarlberger Landtagswahl 2024, ist Mitglied bei der Partei Wandel und beendet bald ihr Masterstudium. VN-KAS

Als Rednerin bei einer Mahnwache für die Menschlichkeit, 2020.
Als Rednerin bei einer Mahnwache für die Menschlichkeit, 2020.

Belinda Paulak, BA

Geboren 5. Mai 1988

Beruf Sozialarbeiterin, neue Geschäftsführerin und Gesellschafterin „Die Faehre“

Wohnort Dornbirn

Familienstand ledig

Hobbys Kampfsport, Rennradfahren, Wandern, Reisen