A neus Projekt zom Dialekt im Muntafu

Vorarlberg / 25.01.2022 • 16:47 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
2017 wurde der Montafoner Dialekt zum UNESCO-Kulturerbe erklärt.UNESCO/Lukas Beck
2017 wurde der Montafoner Dialekt zum UNESCO-Kulturerbe erklärt.UNESCO/Lukas Beck

Der Montafoner Dialekt soll in einer Datenbank erfasst und im Tal bewusster gemacht werden.

Montafon Das „Muntafunerisch“ soll wieder mehr ins Bewusstsein der Montafoner rücken. Dazu werden wissenschaftliche Grundlagen zum Thema Montafoner Mundart erarbeitet, eine digitale Dialekt-Datenbank angelegt und Veranstaltungen durchgeführt. Das EU-Leader-Programm ist bereits im vergangenen Sommer gestartet und läuft noch bis Juni 2024.

„Momentan sind wir dabei, die Mundart-Sammlungen in einer Datenbank zu erfassen und zugleich die technischen Voraussetzungen für die Datenbank zu schaffen“, berichtet Michael Kasper, Direktor der Montafoner Museen. Spätestens Anfang September (zum Beginn des Kulturfestivals septimo) soll diese Datenbank online gehen und die Bevölkerung wird eingeladen, sich mit weiteren Einträgen zu beteiligen. Im Rahmen des Festivals sollen zahlreiche Veranstaltungen (auch in Kooperation mit den Montafoner Resonanzen) angeboten werden.

Identität der Montafoner

Der Montafoner Dialekt wurde 2017 von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe erklärt und ist ein zentrales Element für die regionale Identität der Bevölkerung der Talschaft Montafon. Aufgrund der besonderen Siedlungsgeschichte der Region unterscheidet sich die Mundart des Montafons deutlich von den übrigen Dialekten Vorarlbergs und Österreichs, denn der Wortschatz weist besonders viele romanische Reliktwörter auf. So sind bis heute die meisten Montafoner Orts- und Flurnamen romanischer Herkunft und zahlreiche andere Mundart-Ausdrücke werden außerhalb des Tales nicht verstanden. Zudem war auch die Zuwanderung der Walser im Spätmittelalter von Bedeutung für die Entwicklung der regionalen Sprache, sodass sich mehrere Sprachschichten überlagert haben, was in dieser Form im Grenzraum zwischen den Sprachgebieten Alemannisch, Rätoromanisch und Bajuwarisch einzigartig ist.

Gemeinsam mit anderen Institutionen im Montafon werden Ausstellungs-, Vermittlungs- und Veranstaltungsformate geschaffen, um dadurch das Bewusstsein für das Thema Montafoner Mundart zu steigern. Die Aufarbeitung dieses Themas ist bedeutend sowohl für die einheimische Bevölkerung als auch für Gäste, die das Montafon wegen seiner Landschaft und Bevölkerung besuchen. Die im Projekt organisierten vielfältigen Veranstaltungen zeigen einen neuen Ansatz, wie Mundart vermittelt werden kann. „Es wäre wünschenswert, wenn die Veranstaltungen in langfristige Veranstaltungsreihen umgewandelt werden würden. Elemente, wie die Ausstellungsmodule in den Montafoner Museen, die Online-Datenbank oder die Publikation haben jedenfalls eine dauerhafte Perspektive“, erhofft sich Michael Kasper.

Der Dialekt wird gepflegt

Obwohl es sich beim Montafon um eine ausgesprochene Tourismusregion handelt, verwendet ein großer Teil der ansässigen Bevölkerung nach wie vor regelmäßig die Mundart. Sowohl in der Familie, in der Schule, bei der Arbeit sowie auch bei öffentlichen Anlässen wird der Montafoner Dialekt gepflegt und dadurch von Generation zu Generation weitergegeben. Insbesondere in den neuen sozialen Medien zeigt sich, dass auch die jüngere Generation in der Montafoner Mundart kommuniziert und diese entsprechend adaptiert und weiterentwickelt. Auf der anderen Seite verschwinden immer wieder traditionelle Begriffe – insbesondere aus dem Bereich der Landwirtschaft – aus dem allgemeinen Sprachgebrauch.

Das Projekt „Muntafunerisch – Montafoner Mundart” soll Bewusstsein für den Montafoner Dialekt schaffen und so beitragen, diese Tradition zu erhalten, zu praktizieren und weiterzuentwickeln. Durch das Projekt wird auf den regionaltypischen Dialekt aufmerksam gemacht und diese Sprachtradition gepflegt. Durch die Miteinbeziehung der Montafoner in die Befüllung der Datenbank können sich alle Interessierten aktiv in das Projekt einbringen. Die verschiedenen Vermittlungsformate sollen möglichst viele Personen erreichen.

Zu Beginn des Projektes werden die wissenschaftlichen Grundlagen erarbeitet. Die bereits bestehenden Dokumentationen in Archiven und in der Literatur werden gesichtet und in die Datensammlung aufgenommen. Aus dieser Datengrundlage wird eine digitale Datenbank erstellt, in der mindestens 2500 Montafoner Dialektbegriffe abrufbar sind.

Schließlich sollen auch die Bevölkerung in das Projekt eingebunden werden und Neueinträge durch die Montafoner möglich gemacht werden. Diese Beiträge werden wissenschaftlich überprüft und zur Ergänzung in die Online-Datenbank hochgeladen. Des Weiteren sollen ergänzend zu den geschriebenen Begriffen auch Audiofiles abrufbar sein, in denen die korrekte Aussprache dokumentiert und nachvollziehbar gemacht wird. In einem abschließenden Schritt soll auch Literatur als Volltext in Ergänzung zur Datenbank online gestellt werden.

Über mehrere Veranstaltungsformate wird auf das Projekt und das Thema „Montafoner Mundart” aufmerksam gemacht. Dabei handelt es sich um Lesungen, Poetry-Slam, Musikveranstaltungen und Sprach-Spaziergänge. Ausstellungselemente werden für die vier Montafoner Museen zum Thema „Montafoner Mundart” konzipiert und als Teil der Dauerausstellung eingerichtet.

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