“Lauter Mickey-Mouse-Betriebe”: Lecher Seilbahnpionier denkt an Fusion

Vorarlberg / 26.01.2022 • 12:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
"Lauter Mickey-Mouse-Betriebe": Lecher Seilbahnpionier denkt an Fusion
Seilbahner Manhart würde in einer Fusion große Kostenvorteile sehen, spricht aber auch von Ressentiments anderer Betriebe gegenüber den Skiliften Lech. Zudem sei man sich am Arlberg selbst das Zahnweh neidig.

Michael Manhart (79) wünscht sich Liftezusammenschluss und bringt eine Ersatzlösung für die Grubenalpbahn ins Gespräch.

Lech Der mächtige Lecher Seilbahnchef Michael Manhart kommt schnell auf Betriebstemperatur. Im Nobelskiort läuft derzeit vieles unrund. Arbeitskräfte für seine Liftanlagen fehlen, die Heliskiing-Debatte heizt die Stimmung auf und die Hürden für neue Liftprojekte werden immer höher.

Erst am Dienstag war eine Bombe geplatzt. Der Verfassungsgerichtshof hatte die Verkleinerung des Naturschutzgebietes Gipslöcher negativ beschieden und damit die neu geplante Grubenalpbahn ausgebremst (die VN berichteten). Projektbetreiber sind die Seillifte Oberlech des Hoteliers und Bürgermeisterkandidaten Gerhard Lucian, Manhart wiederum ist Seniorchef der Skilifte Lech. Jetzt könnten die beiden gemeinsame Sache machen, zumindest wenn es nach den Plänen des Seilbahn- und Schneekanonenpioniers geht. Manhart spricht bereits von konkreten Überlegungen.

"Lauter Mickey-Mouse-Betriebe": Lecher Seilbahnpionier denkt an Fusion
Die Pläne für die Erneuerung und Verlängerung der Grubenalpbahn wurden diese Woche vom Verfassungsgerichtshof ausgebremst.

Das wahrscheinliche Aus des eingereichten Grubenalpbahn-Projekts belebt frühere Überlegungen. Im Zuge der anstehenden Erneuerung der Schlosskopfbahn der Skilifte Lech könnte in der Fortsetzung eine zweite Bahn in den Bereich der Grubenalp führen, ohne das Naturschutzgebiet zu tangieren, wie Manhart beschreibt. “Wir haben den Seilliften Oberlech schon angeboten, diese Verbindungsbahn gemeinsam zu bauen.” Die bisher ablehnende Haltung könnte durch die höchstgerichtliche Erkenntnis neu beurteilt werden.

Während Michael Manhart bereits ein konkretes Ersatzprojekt für die Grubenalpbahn vorschwebt, äußert sich Seillifte Oberlech-Geschäftsführer Gerhard Lucian sehr zurückhaltend. Es werde jedenfalls keinen Schnellschuss geben.
Während Michael Manhart bereits ein konkretes Ersatzprojekt für die Grubenalpbahn vorschwebt, äußert sich Seillifte Oberlech-Geschäftsführer Gerhard Lucian sehr zurückhaltend. Es werde jedenfalls keinen Schnellschuss geben.

Manhart spricht von einer möglichen Umsetzung in den nächsten zwei Jahren und zusätzlichen Kosten von rund zehn Millionen Euro. Weitere gut 15 Millionen Euro sind für den Ausbau der Schlosskopfbahn zu einer Sechserkuppelbahn mit Haube und einem verbesserten Einstieg bei der Talstation budgetiert. Zurückhaltend äußert sich indes Gerhard Lucian. Es gebe immer wieder unterschiedlichste Überlegungen, aber keine konkreten Gespräche. Es werde jedenfalls keinen Schnellschuss geben, vielmehr würden jetzt interne Beratungen der Geschäftsleitung der Seillifte Oberlech anstehen.

“Das Zahnweh neidig”

Die Eigentümerverhältnisse der Liftbetriebe in Lech sind komplex. Vier große (Skilifte Lech, Seillifte Oberlech, Bergbahn Lech-Oberlech, Rüfikopf Seilbahn AG) und zwei kleinere Gesellschaften teilen sich den Kuchen. Schon jetzt gibt es einzelne Kooperationen, Lifte wie der Rotschrofen- oder die Hasensprungbahn werden gemeinsam betrieben. Für Michael Manhart geht das aber längst nicht weit genug. Er würde sie am liebsten alle fusionieren. “Aus lauter Mickey-Mouse-Kleinbetrieben würde ein ordentliches mittelständisches Seilbahnunternehmen”, so Manhart im VN-Interview. Später wäre auch eine Fusion mit der Ski-Zürs AG denkbar. Man würde sich viel Geld sparen, der ökonomischen Sinnhaftigkeit zum Durchbruch verhelfen. Aber Manhart räumt im gleichen Atemzug ein, dass Ressentiments gegen die Skilifte Lech als Leitbetrieb bestünden und zitiert den, wie er sagt, Lecher-Spruch, wonach man sich hier das Zahnweh neidig sei.

Auch mit fast 80 Jahren noch voll im Geschäft. Seniorchef Michael Manhart hat mit den Skiliften Lech zuletzt auch kräftig investiert, wie etwa in die Erneuerung der Zugerbergbahn. <span class="copyright">VN/TW</span>
Auch mit fast 80 Jahren noch voll im Geschäft. Seniorchef Michael Manhart hat mit den Skiliften Lech zuletzt auch kräftig investiert, wie etwa in die Erneuerung der Zugerbergbahn. VN/TW

In einem Boot sitzen die Betriebe, wenn es um den Arbeitskräftemangel geht. Manhart fehlen im Lift- und Gastronomiebetrieb derzeit 60 Mitarbeiter. “Erstmals in der Geschichte konnten wir zwei Lifte gar nicht in Betrieb nehmen. Auch in der Gastronomie kommt es immer wieder zu Schließungen”, fordert der Unternehmer ein Ende der Kontingentierung von Mitarbeiter aus dem Nicht-EU-Ausland. Alleine bei den Skiliften Lech mit ihren Betrieben liege das Umsatzminus dadurch derzeit bei rund 20 Prozent zu einer normalen Saison. In Lech würden aktuell insgesamt 600 Mitarbeiter fehlen, Omikron verschärfe die Situation zusätzlich.