Täglich eine Schulklasse Afghanen für die Schweizer Grenzwacht

Vorarlberg / 27.01.2022 • 03:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Täglich eine Schulklasse Afghanen für die Schweizer Grenzwacht
Jeden Tag greift die Grenzwache rund 30 Migranten auf. Entspannung ist nicht in Sicht. VN/Paulitsch

Entgegen allen Prognosen drängen Migranten weiter in die Schweiz. Die Kontrollen in Österreich sieht man als halbherzig an.

Buchs (SG) Planmäßig hält der Nachtzug aus Wien am Bahnhof Buchs. Allein an diesem Mittwochmorgen fangen die Schweizer Grenzwächter knapp 40 Migranten ab. Ihr nächster Halt nach einem Coronascreening am Bahnhof: Das mit Jahresbeginn eröffnete Provisorische Bearbeitungszentrum (POB) nahe Buchs. Hier werden die Migranten erkennungstechnisch erfasst, ihr Asylstatus geprüft und untersucht, ob Fahndungsbefehle gegen sie vorliegen. Mit anwesenden oder online zugeschalteten Dolmetschern können bis zu acht Flüchtlinge parallel befragt werden, das Evangelische Hilfswerk nimmt sich der unbegleiteten Minderjährigen an.

Allein am Mittwochmorgen sind knapp 40 Flüchtlinge im Nachtzug aus Wien.<span class="copyright"> VN/Paulitsch</span>
Allein am Mittwochmorgen sind knapp 40 Flüchtlinge im Nachtzug aus Wien. VN/Paulitsch

Prognostiziert war, dass die Migrationsbewegung über die Schweiz nach Frankreich in den Wintermonaten zurückgeht. Das Gegenteil ist der Fall, betont die Kantonspolizei St. Gallen. Täglich werden 30 bis 40 Migranten aufgegriffen. An der Spitze musste die Beamten im POB im Jänner 60 Flüchtlinge an einem Tag erfassen, die Kapazität liege noch höher. Nach der Erfassung werden die Flüchtlinge auf drei Schlafstellen aufgeteilt und sind nach kürzester Zeit wieder unterwegs nach Frankreich.

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Das Gros machen weiterhin Flüchtlinge aus Afghanistan mit laufendem Asylverfahren aus. Diese müssen per Dublinverfahren in das zuständige Land, meist Österreich zurückgeführt werden. Dies dauert bis zu acht Wochen, derweil können sie nicht festgehalten werden. Dies geht nur bei Flüchtlingen ohne laufendes Asylverfahren oder Asylwunsch. Hier finden sich immer mehr Menschen aus dem Maghreb, Tendenz steigend. Von 682 im Jänner aufgegriffenen Migranten konnten 22 nach Österreich zurückgeführt werden. Nur 36 Migranten suchten in der Eidgenossenschaft Asyl an.

Im neuen POB werden die Daten der meist jungen Männer aufgenommen. <span class="copyright">VN/RAUch</span>
Im neuen POB werden die Daten der meist jungen Männer aufgenommen. VN/RAUch

Zentrumsleiter Simon Bless von der Kantonspolizei St. Gallen hat Verständnis, dass wenige die Option nutzen um in der Schweiz zu bleiben: “Die meisten von ihnen haben keine guten Erfahrungen mit Uniformierten gemacht.” Dies ist auch ein Grund, warum die meisten Mitarbeiter hier ihren Dienst in Zivil bestreiten. “Auch die Dolmetscher sagen, dass ihnen nicht wirklich vertraut wird.” Die Flüchtlinge bauen lieber auf die Gerüchte ihrer Community, dass ihnen in Frankreich oder Großbritannien die besten Chancen geboten werden. Er betont dennoch den Vorteil des POB: “Die Personen werden sicherheitspolizeilich erfasst und die Identität geklärt.” Außerdem wird durch die Befragung das Dublinverfahren eingeleitet. Bei einem neuerlichen Aufgriff wird somit die Abschiebung ins zuständige Asylland vereinfacht und beschleunigt.

Die Grenzwächter betonen den Vorteil, so zumindest ein Dublinverfahren einleiten zu können. Denn nach wenigen Stunden reisen die Migranten bereits weiter. <span class="copyright">VN/RAuch</span>
Die Grenzwächter betonen den Vorteil, so zumindest ein Dublinverfahren einleiten zu können. Denn nach wenigen Stunden reisen die Migranten bereits weiter. VN/RAuch

Der Jänner im POB

682 Migranten wurden aufgegriffen und erfasst

638 waren “Eurodac positiv”, sie hatten ein laufendes Asylverfahren in einem Schengenland

168 wurden wegen dem illegalen Grenzübertritt angezeigt. Dies betrifft vor allem Einwanderer aus Nordafrika. Afghanen gelten als Flüchtlinge aus humanitären Gründen, ihr Grenzübertritt ist demnach keine Straftat.

38 Personen wurden vorläufig festgenommen, um beispielsweise die Rückführung zu gewährleisten.

36 Personen stellten einen Asylantrag in der Schweiz

22 Personen wurden nach Österreich rückgeführt. Dies sind vor allem Menschen ohne laufendes Asylverfahren, aber ohne Asylwunsch in der Schweiz

Die Kontrollen auf der österreichischen Seite begrüßt Bless, aber: “Die Einreise in die Schweiz wird damit nicht verhindert, sondern nur verzögert.” Denn die österreichischen Behörden schicken die aufgegriffenen Migranten zwar retour, begleiten sie jedoch nicht. Somit hindert sie niemand daran, bei nächster Gelegenheit wieder umzudrehen und weiterzureisen.

Asylbewegung im Dezember

4563 Migranten reisten zwischen dem 1. Juli und 1. Jänner über die österreichische Grenze in die Schweiz ein. Knapp die Hälfte waren Minderjährige, überwiegend ohne Begleitung.

1314 waren es allein im Dezember.

1044 davon waren Afghanen. Der Rest stammt überwiegend aus Nordafrika.