Die Frau, die das Kultcafé Feurstein wieder eröffnet

Vorarlberg / 28.01.2022 • 04:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Frau, die das Kultcafé Feurstein wieder eröffnet
Wally, wie sie liebevoll genannt wird, freut sich schon auf ihre Gäste. 

Gastronomin Waltraud Waldner bringt frischen Wind ins Feldkircher Café Feurstein.

Feldkirch Jahrelang arbeitete sie in Toplokalen in der Schweiz und in Asien. Schanghai, Manila, Bangkok und Zürich sind einige der beruflichen Stationen Waltraud Waldners. In insgesamt elf verschiedenen Ländern hat die studierte Tourismusökonomin gearbeitet. „Andere Kulturen haben mich schon immer fasziniert“, sagt Waldner. Mittlerweile ist die gebürtige Kärntnerin angekommen. Acht Jahre lang führte sie das Café Hecht unter den Lauben in der Feldkircher Neustadt.

„In Vorarlberg habe ich nun Wurzeln geschlagen, vorher war ich ein eher rastloser Mensch. Mit Feldkirch und den Menschen hier fühle ich mich sehr verbunden“, so die Wirtin, die von Freunden und ihren zahlreichen Stammgästen liebevoll Wally genannt wird.

Derzeit wird das traditionsreiche Café Feurstein in der Schlossergasse behutsam saniert. Das ursprüngliche Flair soll erhalten bleiben.<span class="copyright"> VN/Serra</span>
Derzeit wird das traditionsreiche Café Feurstein in der Schlossergasse behutsam saniert. Das ursprüngliche Flair soll erhalten bleiben. VN/Serra

Nun übernimmt sie das traditionsreiche Café Feurstein, einen Steinwurf entfernt. Aus dem Feurstein mit dem denkmalgeschützten Mobiliar will sie das machen, was es vor dem Tod des legendären Gastronomen Klaus Feurstein war: ein Wohnzimmer für Feldkirchs Bewohnerinnen und Bewohner. Die vergangenen zwei Jahre war es unklar, wie es mit dem seit 1949 bestehenden Lokal weitergeht. Das Bundesdenkmalamt erklärte bald nach der Schließung, dass es plane, die Inneneinrichtung unter Schutz zu stellen. Wenig begeistert davon war damals die Stadt Feldkirch als Eigentümerin des Gebäudes, die fürchtete, keine neuen Pächter finden zu können. Das Unterschutzstellungsverfahren läuft derzeit noch.

Globetrotterin

Waldner (im Hintergrund) kam als Gastronomin viel in der Welt herum. Ins Sukhotai Hotel in Bangkok ließ sie die Liechtensteiner Kochlegende Felix Real einfliegen.
Waldner (im Hintergrund) kam als Gastronomin viel in der Welt herum. Ins Sukhotai Hotel in Bangkok ließ sie die Liechtensteiner Kochlegende Felix Real einfliegen.

Die 52-jährige hat das Metier quasi in die Wiege gelegt bekommen: Die Eltern führten ein Lebensmittelgeschäft, ein Onkel hat ein Gasthaus und Hotel geführt. Durch ihn lernte sie die Branche kennen, schon sehr früh hat sie sich für eine gastronomische Ausbildung entschieden. Nach der Hotelfachschule absolvierte sie ein Studium für Tourismusökonomie in Innsbruck und Schloss Hofen. „Der Abschluss hat mir geholfen, in die Welt hinauszuziehen“, erinnert sich Waldner, die die folgenden Jahre als Food & Beverage-Managerin Fuß fasste und in verschiedenen renommierten Hotels und Lokalen weltweit arbeitete. „Unter anderem habe ich auf den Philippinen das Paulaner mit aufgebaut“, erzählt Wally.

Der achtjährige Aufenthalt in Asien hat sie geprägt. Zurück in Europa eröffnete sie in Zürich Anfang der 2000er einen Nudelshop, wo Udon-, Ramen- und Sobanudeln angeboten wurden. Nach einem Zwischenstopp im Tessin kam die Gastronomin 2013 nach Vorarlberg. 

Mitarbeitersuche

Nacht acht Jahren im Hecht soll im April das Café Feurstein eröffnen. „Klaus Feurstein war einer der ersten Vorarlberger, mit denen ich damals in Zürich schon Kontakt hatte.“

In den kommenden Monaten wird das Foyer mit dem Barbereich vergrößert, die Küche und Sanitäranlagen werden erneuert und das Mobiliar sorgsam restauriert. „Das Café Feurstein ist einzigartig. Wir wollen so viel wie möglich authentisch gestalten und den Charme des Kaffeehauses erhalten“, erklärt Waldner, die das Vorhaben gemeinsam mit einem Investor umsetzt. Bei der Sanierung sei auch schon die eine oder andere Überraschung aufgetaucht: „Wir sind draufgekommen, dass das Lokal mit Keller gesamt 18 Türen hat“, erzählt die Gastronomin.

Wally Waldner sucht noch Menschen, die sie im neuen Café Feurstein begleiten werden. „Pensionistinnen und Pensionisten, die mich ein bis zwei Mal in der Woche unterstützen und geringfügig etwas dazuverdienen und liebe Menschen kennenlernen möchten“, hofft Wally auf viele neue, arbeitswillige Kontakte.