Bezirksgericht: Ein Exhibitionist in der Mittagspause

Vorarlberg / 29.01.2022 • 06:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bezirksgericht: Ein Exhibitionist in der Mittagspause
Am Bezirksgericht Bregenz musste sich ein Beschuldigter wegen angeblicher sexueller Belästigung verantworten. VN/GS

Arbeiter soll zwei Kolleginnen sexuell belästigt haben.

bregenz Hat er’s nun getan oder nicht? Diese Frage war am Bezirksgericht Bregenz nur schwer zu erörtern. Und das aus verschiedenen Gründen.

Doch zunächst zur Anklage: Es trug sich im vergangenen Sommer zu. Gleich zwei seiner Kolleginnen jenes Betriebes, in dem der Beschuldigte zuletzt beschäftigt war, lasteten ihm gar Garstiges an.

„Nur uriniert“

So gönnte sich eine der beiden Frauen während der Mittagspause ganz gerne mal einen Sprung ins erfrischende Nass der Bregenzer Ache, um sich danach unter der Sonne zu suhlen. Da soll sie plötzlich im Schatten ihres Arbeitskollegen gelegen haben, der vor ihren Augen onanierte.

Doch das bestritt der Beschuldigte bereits damals vor der Polizei auf das Vehementeste: „Ich habe nicht onaniert, sondern nur uriniert. Und das mindestens 80 Meter von der Frau entfernt.“

Ans Gesäß gegriffen

Die zweite Belastungszeugin behauptete, der Kollege habe sich dereinst erdreistet, ihr am Arbeitsplatz ans Gesäß zu greifen. Doch auch das verweist der Angeklagte ins Reich der Legenden. Sein Verteidiger Rechtsanwalt David Rosenberger will das mit erheblichen Gegenbeweisen untermauern. „Das kann nicht sein, stimmt nicht und ist unmöglich. Weil es nachweisbar ist, dass diese Zeuginnen zu den betreffenden Zeitpunkten gar nicht im Betrieb beschäftigt waren“, sagt er und stellt gegenüber Richter Christian Röthlin einen Beweisantrag nach dem anderen.

Nun stellt sich bei der Verhandlung auch noch heraus, dass dem Beschuldigten kein arabischer Dolmetscher gestellt wurde, worauf Rosenberger aber beharrt (laut Polizei war bei deren Einvernahme des Angezeigten jedoch kein Dolmetscher vonnöten).

600 Euro Geldbuße

Um das Verfahren nicht in eine unendliche Länge zu ziehen, schlägt Bezirksanwalt Bernhard Peter nun eine Diversion, also ein außergerichtliches Verfahren, vor. Mit der Zahlung einer Geldbuße von 600 Euro sei alles erledigt und eine mögliche strafrechtliche Verurteilung vom Tisch. Nach einer kurzen Besprechung mit seinem Mandanten erklärt sich der Rechtsanwalt mit dieser Option einverstanden.

Also nun doch ein gewisses Zugeständnis bezüglich der Schuldfrage? Mitnichten, betont der Anwalt und begründet: „Selbst bei einem Freispruch stünden die schlussendlichen Verfahrenskosten für meinen Mandanten in keinem Verhältnis zu den Kosten der Diversion.“