Bregenz-Mitte: Land zeigt Arbeitsgruppe kalte Schulter

Vorarlberg / 29.01.2022 • 04:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Bregenz-Mitte: Land zeigt Arbeitsgruppe kalte Schulter
Geht es nach den Vorstellungen der Arbeitsgruppe Bregenz-Mitte, könnte Bregenz in 20 Jahren so aussehen. Es würde Wohnraum für 6000 Menschen geschaffen. Baumschlager/Eberle

Nach Masterplanpräsentation im Juli 2021 ist es ruhig geworden. Initiatoren bemängeln fehlende Gesprächsbereitschaft des Landes.

Bregenz Es herrsche Funkstille, sie seien zum Zuschauen degradiert. Andreas Stickel ist die Ernüchterung anzumerken. Eine prominent besetzte Arbeitsgruppe aus Experten, deren Sprecher Stickel ist, hatte Anfang 2021 mit großem persönlichen Einsatz an einer Vision für die Landeshauptstadt gearbeitet. Der Masterplan Bregenz-Mitte wurde im Juli als “letzte Chance für eine große Veränderung” präsentiert. Die Pläne sehen eine Tieferlegung der Landesstraße vor. In 20 Jahren könnte Wohnraum für 6000 Menschen geschaffen werden. Die spektakuläre Studie machte Schlagzeilen. Mittlerweile ist es ruhig geworden.

Andreas Stickel, Sprecher der Arbeitsgruppe: "Kein offizielles Arbeitsgespräch, keine Projektpräsentation – das Land zeigt uns die kalte Schulter."
Andreas Stickel, Sprecher der Arbeitsgruppe: "Kein offizielles Arbeitsgespräch, keine Projektpräsentation – das Land zeigt uns die kalte Schulter."

Es ist eine komplexe politische Gemengelage, die wie ein Bremsklotz wirkt. “Die Gefahr ist, dass die Vision unter die politischen Räder kommt”, zeigt Stickel seine Korrespondenz mit der Landesregierung. Versuche ins Gespräch zu kommen, sind bisher gescheitert. Es fehlt schlicht das Interesse. “Keine Projektpräsentation, kein formelles Arbeitsgespräch. Das Land zeigt uns die kalte Schulter.” Der ehrenamtlich agierenden Architektengruppe, die mit Dietmar Eberle, Roland Gnaiger oder Erich Steinmayr Branchengrößen in ihren Reihen hat, mangelt es zudem an einer transparenten Kommunikation. Gesprochen werde hinter verschlossenen Türen.

Zurückhaltung beim Land

Beobachter orten bei den Plänen zu Bregenz-Mitte große Zurückhaltung der Landesregierung. Dabei ist ein unter Niveau geführter Straßentunnel von der Ausfahrt Citytunnel bis zum Kreisverkehr der HTL Bregenz Voraussetzung für die Umsetzung des Vorhabens. Ohne Land geht also nichts. Ein renommierter Planer hatte für den Masterplan die Machbarkeit einer Tieferlegung der Straße bereits bestätigt. Die Landesregierung hat nun dasselbe Planungsbüro beauftragt, umfangreicher zu prüfen.

Am 2. Juli hatte die Arbeitsgruppe bestehend aus namhaften Architekten die Pläne der Öffentlichkeit präsentiert.
Am 2. Juli hatte die Arbeitsgruppe bestehend aus namhaften Architekten die Pläne der Öffentlichkeit präsentiert.

Während sich Arbeitsgruppe und Stadt Bregenz Ergebnisse schon im Frühjahr 2022 erhofften, sind diese laut Land nicht vor Herbst zu erwarten. “Wir wissen, dass es funktioniert. Für uns dauert diese Prüffrist viel zu lange”, so Stickel. Es könnte sich ein entscheidendes Zeitfenster schließen. Der zuständige Landesrat Marco Tittler hatte hingegen schon in früheren Stellungnahmen auf die hohe Komplexität hingewiesen. Untersucht wird demnach eine mögliche “bahnparallele Führung der Landesstraße als Straßentunnel – in Varianten – in verkehrlicher, technischer, rechtlicher und wirtschaftlicher Hinsicht”, wie es offziell dazu heißt. “Wenn behauptet wird, es würde auch schneller gehen, kann ich mir das nur so erklären, dass dann die verkehrsplanerische Komponente zu wenig gewürdigt wird.” Man habe von Anfang an gesagt, die Untersuchungen würden eineinhalb Jahre dauern, so Tittler.

Bürgermeister Michael Ritsch: "Die große Vision behalten wir stets im Auge."
Bürgermeister Michael Ritsch: "Die große Vision behalten wir stets im Auge."

Unterdessen liegt in Bregenz die Priorität derzeit beim Ausbau der Hypo-Unterführung und dem Bau eines Ersatzbahnhofs, um die Voraussetzungen für einen neuen Bahnhof Bregenz zu schaffen. “Parallel dazu laufen natürlich weiterhin akribische Unterschungen und Planungen zur Entwicklung des gesamten Quartiers vom Quellenviertel bis zum großen Parkplatz. Die große Vision behalten wir dabei stets im Auge”, so Bürgermeister Michael Ritsch. Mit dem Weiherviertel wurde jetzt zudem eine Quartiersentwicklung auf Schiene gebracht, die eng mit Bregenz-Mitte zusammenspielt. “Bei den Planungen zum Weiherviertel wurde das Ziel der Unterflurstraße und damit auch den Rampen miteinberechnet und mitgeplant”, ergänzt Baustadtrat Robert Pockenauer auf VN-Anfrage.

Stadt soll näher an den See rücken

Der Masterplan Bregenz-Mitte hat städtebaulich das Ziel, Bregenz von einer Autostadt zu einem öffentlichen Raum der Fußgänger, Radfahrer und des öffentlichen Nahverkehrs zu machen. Wachstum solle im Zentrum und nicht in den Randlagen stattfinden und die Bezirke im Westen besser an die Seeanlagen und den Festspielbezirk angebunden werden. Die Stadt soll näher an den See rücken, so die wesentlichen Ziele.