„Halsabschneider“ muss 1000 Euro zahlen

Vorarlberg / 30.01.2022 • 22:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der 45-Jährige musste sich vor Gericht verantworten. EC
Der 45-Jährige musste sich vor Gericht verantworten. EC

Nachbarstreit endet vor Landesgericht, sechsfach Vorbestrafter fühlt sich zu Unrecht verurteilt.

Feldkirch Gleich zu Beginn der Verhandlung gibt sich der sechsfach vorbestrafte, 45-jährige Frühpensionist gegenüber dem Richter „gschnappig“. Es geht um einen Vorfall vom Dezember vergangenen Jahres, doch im Hintergrund schwelt bereits seit Langem ein Streit zwischen diversen Bewohnern des Hohenemser Vogewosi-Blocks. Der 45-Jährige erzählt, dass er den ganzen Tag mit dem Bus herumfahre, weil er es mit den anderen Bewohnern nicht aushalte. Aber er müsse zwei Jahre in der Wohnung bleiben, das sei für ihn eine Katastrophe, jammert er. Doch offenbar ist der Zustand nicht nur für ihn schwer zu ertragen. Eine Frau und ein Mann zeigten ihn nämlich an.

Dass er der 45-jährigen Bewohnerin und deren Lebensgefährten den Mittelfinger zeigte, gibt er zu. „Wortlos“, wie er betont. Dafür allerdings mit beiden Händen. Der Rest sei nur zur Hälfte wahr.

Stinkefinger und Halsabschneiden

In der Hitze des Gefechts habe er die „Halsabschneidegeste“ gemacht, sprich, sei mit dem Finger über seinen Hals gefahren, das habe allerdings nur dem Mann gegolten. Dass er darüber hianus zwei Mal  verbal mit „Ich schneide Euch die Gurgl auf“ gedroht habe, sei gänzlich erfunden. Die zwei Zeugen schildern aber übereinstimmend, dass es genau so war, wie sie es bei der Polizei angezeigt hatten, weil sie sich langsam ernsthaft bedroht fühlen. „Dabei kenne ich den doch gar nicht“, sagt die Zeugin. Einmal habe er ihr direkt vor die Füße gespuckt, ebenfalls wortlos. Sie habe gerade noch ihr Bein wegziehen können, aber eigentlich, so sagt die 45-Jährige, wisse sie gar nicht, warum sich dieser Mann so aufführe.

In der Verhandlung wankt der Mann zwischen lautem Gelächter, Gebrüll, überschwappenden Emotionen bis hin zu Weinen und Schluchzen bei der Urteilsverkündung. Nicht umsonst sitzen zwei Polizeibeamte knapp rechts neben ihm. Er fühlt sich ungerecht behandelt, kann nicht verstehen, warum man den beiden glaubt, ihm aber nicht.

Nach einiger Diskussion akzeptiert er das Urteil, rechtskräftig wird es dennoch nicht, denn er ist ohne Anwalt und hat deshalb auf alle Fälle drei Tage Bedenkzeit. Als er registriert, dass er „nur“ 1000 Euro bezahlen muss, ihm die fünf Monate Bewährungsstrafe aber erspart bleiben, ist er erleichtert. Er hatte erst geglaubt, er müsse fünf Monate hinter Gitter. Zufrieden ist er der sechsfach Vorbestrafte dennoch nicht. Er hofft auf eine neue Wohnung und das Ende aller Probleme, die seiner Meinung nach nur von den anderen ausgehen. EC

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.