Eine Woche vor der Wahl: Nur nicht die Finger verbrennen

Vorarlberg / 31.01.2022 • 05:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Eine Woche vor der Wahl: Nur nicht die Finger verbrennen
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Idyllisch ist die Stimmung in Lech vor allem für die Wintergäste. In der Gemeindepolitik gibt sich das Dorf verschlossen.

Lech “Nein, da bin ich die Falsche. Das interessiert mich nicht mehr”, erklärt die Leiterin einer Pension im Ort. Auch in den anderen Häusern rund herum schweigt man lieber zur in einer Woche anstehenden Wahl des nächsten Bürgermeisters der Walsergemeinde.

Es wird der dritte Bürgermeister in knapp einem Jahr.
Es wird der dritte Bürgermeister in knapp einem Jahr.

Nach außen hin merkt man nichts von der anstehenden Wahl. Auf einen Wahlkampf verzichten beide Kandidaten offiziell, sie setzen auf Bürgerinformation per Videos in den sozialen Medien und per offener Briefe. Den Wintergästen präsentiert man ein idyllisches Bergdorf statt einer Gemeinde im Wahlkampf. “Die Wahl ist nicht wirklich Gesprächsthema”, erklärt eine Verkäuferin nahe dem Gemeindeamt. Viele würden eh per Briefwahl ihre Stimme abgeben, haben ihre Entscheidung schon getroffen.

Fehlende Idylle

Hinter der Fassade ist es längst nicht so idyllisch. “Es fehlt oft der Respekt, wird untergriffig”, erklärt sich ein Lecher den Rücktritt Stefan Jochums nach nur einem Jahr im Amt. Viele hätten außerdem das Gefühl, dass für die Dorfkaiser andere Regeln gelten als für den Rest. “Allein schon die Golfwägelchen. Im ganzen Dorf sind die unterwegs. Manche haben die Kinder einfach auf dem Schoss, ohne sich angurten zu können”, schüttelt er den Kopf. Hier drücke aber jeder alle Augen zu.

 Das Gemeindezentrum beschäftigt viele in Lech. Mit Kritik sind sie jedoch vorsichtig.
Das Gemeindezentrum beschäftigt viele in Lech. Mit Kritik sind sie jedoch vorsichtig.

“Dorfkaiser gibt es überall”, schränkt ein anderer Unternehmer wenige Hundert Meter weiter ein. Unbefriedigender sei der gefühlte Stillstand in der Gemeinde. Und wer sich zu weit aus dem Fenster lehne, erfahre Gegenwind: “Dann kann es passieren, dass beim Nachbar plötzlich geht, was bei dir nicht ging.” Wie viel sich durch den nun dritten Bürgermeister in gut einem Jahr verändern werde, bleibe abzuwarten. “Beide Kandidaten sind seit Jahren in der Gemeindevertretung und konnten sich entsprechend einbringen”, erinnert der Unternehmer. Frischer Wind in der Gemeindestube sieht anders aus.

Wunsch nach Ruhe

Das im Bau befindliche Gemeindezentrum wird ebenfalls immer wieder Thema. Hier hat man sich offensichtlich von der Wahl Jochums mehr versprochen, ist enttäuscht, dass er keinen spürbaren Einfluss auf das Großprojekt hatte. Mit dem Thema beschäftigte sich auch Bürgermeisterkandidat Stefan Muxel am Samstag auf Facebook. Er wolle die Jugend stärker in die künftige Nutzung des Gemeindezentrums einbinden, verspricht er per Video.

“Es wird nun Zeit für einen altruistischen Bürgermeister, der die Interessen aller im Blick hat”, hofft ein anderer Geschäftsmann im Ort auf eine selbstlose Politik in der Gemeindestube. “Wir brauchen jemanden, der wieder Ruhe hineinbringt.” Abseits davon sei es ein großer Gewinn, dass die Lecher ihren Bürgermeister selbst wählen können und sich nicht auf die Entscheidung der Gemeindevertretung verlassen müssen.

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