Auf den Spuren der Skikultur

Vorarlberg / 01.02.2022 • 16:28 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Monika Gärtner: „Ich finde an Lech bemerkenswert, dass die Leute nicht jammern, wenn sie etwas stört.“<span class="copyright">bi</span>
Monika Gärtner: „Ich finde an Lech bemerkenswert, dass die Leute nicht jammern, wenn sie etwas stört.“bi

Monika Gärtner initiierte mit Ski Labor Lech eine Winter-Theater-Wanderung.

LECH Am 3. Februar findet die Premiere der Winter-Theater-Wanderung von Zug nach Lech statt. Bei diesem spannenden Projekt handelt es sich um eine Produktion des Lechmuseums, dessen Leiterin Monika Gärtner zu den Initiatorinnen zählt.

Wie entstand die Idee der Winter-Theater-Wanderung?

GÄRTNER Seit 2008 widmen sich das Lechmuseum und der damals gegründete Verein ski.kultur.arlberg der Aufgabe, die Erforschung, Dokumentation und Vermittlung der Skikultur am Arlberg voranzutreiben. Bernhard Tschofen, Kulturwissenschafter an der Universität Zürich und wissenschaftlicher Leiter des Projekts, definierte den neuen Leitbegriff „Skikultur“, dieser umfasst alle Dimensionen des Skifahrens in der Gesellschaft, dabei werden alle Lebensbereiche miteingeschlossen. Die Ergebnisse sind 2014, mit Rita Bertolini, in das Buch „Spuren. Skikultur am Arlberg“ eingeflossen. Unsere Ausstellung „Spuren“ vor drei Jahren im Lechmuseum basierte auf dieser umfassenden Arbeit, ebenso die Winter-Theater-Wanderung, die nun erstmals präsentiert wird und auch die nächsten Jahre zu erleben sein wird.

War es schwierig, andere Akteure und Kooperationspartner für dieses Projekt zu begeistern?

GÄRTNER Nein, aber das liegt an Lech. So haben sich von Anfang an neben dem damaligen Bürgermeister Ludwig Muxel andere Einrichtungen wie der Museumsverein, die Skischule Lech, die Skilifte, der Verein ski.kultur.arlberg, die Raiffeisenbank und der Tourismusverband zusammengesetzt und gesagt: „Das machen wir gemeinsam.“ Toll und vorausschauend, finde ich. Das Land Vorarlberg und das Leader-Programm haben diesen Willen, sich in Lech kritisch mit der eigenen Skigeschichte auseinanderzusetzten, gehört und gefördert. Ich finde an Lech bemerkenswert, dass die Leute nicht jammern, wenn sie etwas stört oder ihnen etwas fehlt, sondern sich zusammentun und das in die eigene Hand nehmen.

Das mobile Theater beleuchtet die Anfänge des Skitourismus am Arlberg.

GÄRTNER Als am Arlberg die Pioniere begannen, in die Berge zu gehen und verschiedene Techniken für den Skilauf zu entwickelen, waren sie vor allem an der Natur und am Sport interessiert. Sie legten den Grundstein für die Entwicklung des Skitourismus – ohne ahnen zu können, welche Dimensionen dieser innerhalb kurzer Zeit erreichen würde. Seit nicht ganz 100 Jahren sind Zürs und Lech untrennbar mit dem Skisport verbunden.

Die Geschichten, die im Ski Labor Lech lebendig werden, basieren auf historischen Dokumenten, Personen und Ereignissen. Wir begeben uns auf die Spuren der Skikultur, die das Leben am Arlberg prägt. Außerdem tauchen wir in soziale, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklungen ein, die Lech auf dem Weg zum Ski- und Tourismusort durchlaufen hat. Und wir begegnen neureichen Gästen, vom Schicksal hart getroffenen Bürgern, schneidigen Sportlerinnen und schrulligen Tüftlern.

Es werden auch dunkle Zeiten thematisiert.

GÄRTNER Es war uns ein Anliegen, die Geschichtsvermittung im Ort zu stärken und bei historisch heiklen Themen in Diskussion zu treten. So manche Biografie, wie zum Beispiel die von Hannes Schneider, ist bislang nur halb erzählt. Seine Flucht vor den Nazis nach Amerika wird ausgeklammert. Auch das tragische Ende des Arlbergpioniers Rudolf Gomperz wird komplett ausgespart.

Hat das Lechmuseum schon des Öfteren Projekte mit dem teatro caprile durchgeführt?

GÄRTNER Bisher noch nicht. Wir arbeiten, je nach Projekt und Thema, mit unterschiedlichsten Persönlichkeiten aus Museum, Forschung und Kunst zusammen. Mein Besuch einer Theaterwanderung „Auf der Flucht„ in Gargellen bildete den Anlass für die Zusammenarbeit. Beim ersten Kennenlernen wurden bereits Ideen geboren, wie die theatrale Umsetzung der Skigeschichtsforschung am Arlberg aussehen könnte. Bis zur Aufführung hat es mit all den Vorarbeiten und der Coronakrise noch eine Weile gedauert.

Wie sieht die Herangehensweise des Autors, Regisseurs und Schauspielers Andreas Kosek aus?

GÄRNTER Andreas Kosek hat Ski Labor Lech im Auftrag des Lechmuseums verfasst. Alle Texte beruhen auf den Studien von Originalquellen, historischen Zeitungen und unseren Forschungsarbeiten. Bei seinen Recherchen wurde er von unserer Gemeindearchivarin Birgit Heinrich unterstützt. Den historischen Persönlichkeiten eine Stimme zu verleihen, ohne von der tatsächlichen Geschichte abzuweichen, das ist die Kunst. Seine Inszenierungen sind bewusst reduziert und gehen stark auf die topografische Umgebung, in dem Fall den Arlberg, Lech und das Zugertal ein, ohne historisch das große Ganze aus dem Auge zu verlieren.

Die Winter-Theater-Wanderung in Lech erzählt die Skigeschichte einmal ganz anders.<span class="copyright">Lech Zürs Tourismus</span>
Die Winter-Theater-Wanderung in Lech erzählt die Skigeschichte einmal ganz anders.Lech Zürs Tourismus

Gibt es eine Szene, die Sie besonders berührt?

GÄRNTER Viele. Vielleicht sei die Szene des Bauernbuben erwähnt. Er, der die Pferde über alles liebt und schon als Halbwüchsiger mit seinem Pferd „Bubi“ Lasten und Passagiere von der Bahnstation Langen nach Zürs und Lech bringt, soll dem Willen seines Vaters zufolge nun Skilehrer werden. Rudi Mathies aus Stuben hatte uns bei einem Zeitzeugengespräch im Huber-Hus seine Lebensgeschichte und diese Begebenheit aus dem Jahr 1947 erzählt.

Ein besonderer Aspekt ist die Finanzierung dieses Projekt mittels Crowdfunding.

GÄRTNER Der Museumsverein hat über die Plattform mit.einander.at zum Spenden und der Förderung der Kultur aufgerufen. Viele Einzelpersonen und ein Hotel in Lech haben dankenswerter Weise gespendet. Dafür sind wir sehr dankbar.

Eine Theateraufführung in Zeiten von Corona ist eine besondere
Herausforderung, wie wird die Sicherheit der Besucher gewährleistet?

GÄRTNER Die Gruppengröße ist entsprechend klein und wir sind fast ausschließlich im Freien unterwegs. Insgesamt vier Stunden, davon eineinhalb Stunden reine Gehzeit. BI

zur person

Familie Lebt mit dem kartierenden Geologen Alfred Gruber seit 25 Jahren in glücklicher Partnerschaft

Wohnort Lech am Arlberg und Aldrans bei Innsbruck

werdegang Studium Geografie und Geschichte in Innsbruck. 1998 bis 2015 Direktorin des Österreichischen Alpenverein-Museums in Innsbruck, seit 2015 Leiterin des Lechmuseums. Seit 2021 Obfrau des Vereins ski.kultur.arlberg

Hobbys Seit wir uns kennen, erkunden mein Partner und ich jeden Sommer mit dem Fahrrad die Alpen und Karpaten. Zur Entspannung genieße ich drinnen jede Art von Kultur, sowie die Zeit mit unseren Freunden und Nachbarn und draußen die tolle Landschaft des Arlbergs.