Zwischen Rekord und Lockerung

Vorarlberg / 01.02.2022 • 19:18 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ohne Boosterimpfung wird das Leben wieder enger. VN/Sams
Ohne Boosterimpfung wird das Leben wieder enger. VN/Sams

Impfzertifikat für Nicht-Geboosterte läuft aus. Angst vor Omikron zwei.

BREGENZ Das Regierungsfoyer am Dienst begann mit einer schlechten Nachricht. „Wir müssen aktuell 1491 Neuinfektionen registrieren. Das ist ein Rekord. Zum Vergleich: in der dritten Welle hatten wir 800 Infektionen als Höchstwert“, eröffnete Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher die Informationsveranstaltung. Bei der Sieben-Tage-Inzidenz liegt Vorarlberg jetzt bei knapp unter 3000 Infektionen. Während in Vorarlberg die Zahlen immer noch leicht steigen, scheint in einigen Bundesländern (Niederösterreich, Salzburg, Tirol, Wien) die Spitze bei Neuinfekitonen bereits erreicht. Sogar leicht sinkende Zahlen sind fallweise schon zu beobachten.

Spitäler nicht am Limit

Die Berechtigung der Lockerungsschritte sieht Landeshauptmann Markus Wallner dennoch gegeben. „Die Verläufe der Omikronvariante sind noch milder als erwartet, die Lage in den Spitälern ist nicht besorgniserregend, wir sehen uns bei den Lockerungsschritten auf unserem Weg bestätigt.“ Die Lage in den Spitälern. Sie ist in der Tat aktuell nicht besorgniserregend. „Wir haben derzeit 72 Personen in stationärer Behandlung. Am Vortag waren es noch 76. Fünf Personen liegen auf Intensivstationen. Von denen ist ein Patient geimpft“, berichtet der Landessanitätsdirektor.

Wallner begrüßt bei den Lockerungsmaßnahmen vor allem die Aufhebung der Sperrstundenregelung. Seine Standardbegründung: „Es versteht niemand, warum Menschen, die ohnehin schon zusammensitzen, nach 22 Uhr mehr gefährdet sein sollen.“ An das Ende der 2G-Regel im Handel knüpft der Landeshauptmann den Appell, die FFP2-Maske zu tragen. „Wir wissen, dass bei konsequentem Tragen der Maske praktisch keine Ansteckungen passieren.“ Dennoch brauche es Mut zur Implementierung all dieser Maßnahmen.

Dass die Lage insgesamt noch schlimmer werden könnte, deutete Wolfgang Grabher an. „Wir wissen, dass es eine neue Art der Omikron-Variante gibt, die noch ansteckender zu sein scheint“, sagte Grabher. Inwiefern diese neue Variante einen Rückschlag bedeuten könnte, will der Mediziner derzeit nicht bewerten. „Die Informationen über diese neue Variante sind noch sehr spärlich. Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass sie die derzeitige Welle verlängern könnte.“

Ungemach wartet indes auf all jene, die noch nicht geboostert sind. Bei ihnen ist mit 1. Februar das Impfzertifikat ausgelaufen. Konkret bedeutet das: Zwei Impfungen bzw. eine Genesung plus einmalige Impfung genügt ab sofort nicht mehr für eine Vielzahl von Berechtigungen. Die Umstellung betrifft aktuell 23.800 Personen. Sie sollten sich impfen lassen, wollen sie dieselben Freiheiten weiter genießen wie vorher. Laut Gesundheitsministerium verfügen mit Stand 1. Februar 235.066 Vorarlbergerinnen über 18 Jahre ein gültiges Impfzertifikat (72 Prozent). 13.164 Personen (6,4 Prozent) sind offiziell genesen. 79,2 Prozent der Vorarlberger Bevölkerung über 18 jahre sind somit geimpft oder genesen.

Freitesten nach fünf Tagen

Wie Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher versichert, laufen die Coronasysteme im Land auf Hochtouren. Behörden,Teststationen, Telefonberatung und Infektionsteams seien voll ausgelastet. „Ich bitte um Verständnis, wenn es bei der Auswertung von Tests ab und zu länger dauert.“ 20.000 Bescheide seien allein in der vergangenen Woche verschickt worden. „Das ist ein sechs Meter hoher Stapel“, verdeutlicht Rüscher die Dimension.

Um das alles bewältigen zu können, setzt man im Land vermehrt auf Digitalisierung. So wurde die telefonische Abfrage von Erkrankten durch ein digitales Formular ersetzt. Angerufen werden nur noch jene Personen, die dieses Formular nicht innerhalb von 24 Stunden vollständig ausgefüllt haben oder deren Angaben nicht plausibel sind.

Durch Verbesserung der Abläufe ist nun auch wieder das Freitesten nach fünf Tagen möglich geworden. Bisher musste man in Vorarlberg sieben Tage darauf warten.

Die mit Dienstag begonnene Impfpflicht hatte noch kaum Auswirkungen auf die Impfbereitschaft der letzten Tage. Rüscher betonte ungeachtet dessen, die ihrer Meinung nach gebotene Notwendigkeit vollimmunisierter Menschen. „Wir brauchen eine Grundimmunisierung vor allem im Hinblick auf den Herbst.“ VN-HK

„Die Verläufe der Omikron-Variante sind noch milder als wir es erwartet haben.“