Die Grünen haben die Vision

Vorarlberg / 09.02.2022 • 21:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Nadine Kasper ist überzeugt: „Vorarlberg könnte die nachhaltigste Tourismusdestination in Europa werden.“VN/Steurer
Nadine Kasper ist überzeugt: „Vorarlberg könnte die nachhaltigste Tourismusdestination in Europa werden.“VN/Steurer

Leitlinien für nachhaltige Destination sind fertig. Jetzt sollen sie unters Volk kommen.

Bregenz Wie sieht der Tourismus der Zukunft aus? Die Vorarlberger Grünen haben diesbezüglich bereits eine konkrete Vision. Am Mittwoch wurde das Tourismuspapier präsentiert. „Die Bedeutung des Tourismus in Vorarlberg ist immens. Er hat Wohlstand in viele Talschaften gebracht, ist Impulsgeber für die Wirtschaft und Botschafter für unser Land im Ausland. Gleichzeitig steht der Tourismus vor großen Herausforderungen“, sagt Landessprecher Daniel Zadra (37) und meint damit den Arbeitskräftemangel, den Klimawandel und den Ausverkauf der Dörfer. Ein „Weiter-wie-bisher“ gehe sich nicht mehr aus. „Das führt uns geradewegs in eine Sackgasse. Wir müssen Verantwortung übernehmen.“ Den touristischen Erfolg ausschließlich in Schneekanonen, Pistenkilometern und Bettenkapazitäten zu messen, sei der falsche Weg. Es brauche auch soziale und ökologische Qualitätsindikatoren, hält Zadra fest.  

Ab der Anreise

Die Tourismus-Thematik beginnt für die Grünen bereits bei der Anreise. „Es muss völlig logisch sein, dass man nach Vorarlberg sehr gut ohne Auto anreisen kann. Auch der Blick in viele deutsche Städte zeigt, dass viele junge Menschen überhaupt kein Auto mehr besitzen“, erläutert Tourismussprecherin Nadine Kasper (41). Vom Bahnhof ins Hotel soll es mit einem Shuttleservice gehen, die Benutzung der Öffis in Vorarlberg ist kostenlos, am Urlaubsort gibt es Carsharing und E-Bike-Verleihe. „Ich könnte mir auch autofreie Destinationen sehr gut vorstellen“, merkt Kasper an.

Darüber hinaus müsste man über Förderungen für kleinstrukturierte Familienbetriebe nachdenken („es braucht einen Umbau der bestehenden Fördersysteme“) und Anreize schaffen, damit mehr Menschen für einen Job im Tourismus begeistert und auch dort gehalten werden können. Nadine Kasper denkt dabei etwa an eine Modellregion für alternative Arbeitszeitmodelle und ein niederschwelliges Angebot für Quereinsteiger. Ebenfalls im Tourismuspapier verankert sind eine Abfallvermeidungsstrategie, die Berücksichtigung des nachhaltigen Tourismus in der Raumordnung, die Einführung einer abteilungsübergreifenden Stabsstelle Tourismus und die Landwirtschaft. „Die landwirtschaftliche Nutzung der Flächen hat die Kulturlandschaft hervorgebracht, von der der Tourismus jetzt lebt. Tourismus kann auch ein großer Absatzmarkt für landwirtschaftliche Produkte sein“, unterstreicht Zadra, der für eine Kennzeichnungspflicht auch in der Gastronomie plädiert.

Es gäbe in allen Bereichen bereits gute Beispiele. „Wenn wir uns auf die Chancen fokussieren, können wird gemeinsam eine ganze Branche retten“, ist der grüne Landessprecher überzeugt. Die Grünen wollen nun weiter den Austausch suchen und die Leitideen in Zusammenarbeit mit Wirtschaftstreibenden unters Volk bringen. Zadra: „Wir haben die Ideen auch in den Prozess der Tourismusstrategie eingebracht und erhoffen uns, dass noch einiges übernommen wird.“ vn-ger

„Das führt uns geradewegs in eine Sackgasse. Wir müssen Verantwortung übernehmen.“