Unterschiedliche Bilanzen aus Dornbirner Umweltprogramm

Vorarlberg / 09.02.2022 • 18:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Photovoltaikanlage auf dem Schuldach: Die Stadt Dornbirn will solche Maßnahmen noch ausweiten.<span class="copyright">Stadt</span>
Photovoltaikanlage auf dem Schuldach: Die Stadt Dornbirn will solche Maßnahmen noch ausweiten.Stadt

Stadtrat verabschiedet Maßnahmenkatalog 2022 – VP lobt, Grüne kritisieren Umsetzung.

Dornbirn Der Dornbirner Stadtrat hat das diesjährige Energie- und Umweltprogramm beschlossen. In der dazugehörigen städtischen Aussendung klopfen sich die Verantwortlichen ordentlich auf die eigene Schulter. Von verbindlichen und konkreten Maßnahmen ist dort die Rede, deren konsequente Umsetzung sei garantiert. Tatkräftig sei das Umweltengagement der Stadt seit 25 Jahren. „Allein heuer sind 70 Projekte und Aktionen geplant, die im Energie- und Umweltprogramm über verschiedene Themenbereiche hinweg umgesetzt werden“, wirbt Bürgermeisterin Andrea Kaufmann für den Maßnahmenkatalog. Ausgerechnet die Umweltstadträtin schlägt jedoch in einer separaten Aussendung andere Töne an: Dornbirn trete in Sachen Umweltmaßnahmen auf der Stelle.

100 Prozent Ökostrom

Die städtischen Gebäude und Anlagen werden zu 100 Prozent mit Ökostrom betrieben, ein hoher Anteil der benötigten Heizenergie kommt aus erneuerbaren Energiequellen und der Ausbau von Photovolataikanlagen auf den Dächern der städtischen Gebäude wird laufend weitergeführt, heißt es von der Stadt. Im vergangenen Jahr hat die Stadt beschlossen, die Photovoltaikflächen in den nächsten Jahren zu verdreifachen. Im Frühjahr werde es zum „Dornbirner Sonnenkraftwerk“ eine Beteiligungsmöglichkeit für Bürger geben. Bis zum Jahr 2030 will die Stadt den gesamten Wärmebedarf ihrer Gebäude aus erneuerbarer Energie beziehen.

Die Stadt erarbeite aktuell eine gesamtstädtische Klima- und Energiestrategie mit dem Ziel der Klimaneutralität. Dafür habe Dornbirn gemeinsam mit dem Energieinstitut Vorarlberg einen Antrag bei der Forschungsförderungsgesellschaft eingereicht und den Zuschlag erhalten. In einem Jahr werde unter anderem ein Energiemasterplan vorliegen, der aufzeigen soll, wo welche Verbräuche im Stadtgebiet anfallen und wie damit geplant werden kann. Einige Maßnahmen werden in Auszügen aufgelistet, wie etwa der Ausbau der Photovoltaik, mehr Bäume in der Stadt und „klare Aussagen zum Klimaschutz“ im Stadtentwicklungsplan.

Maßnahmen nicht umgesetzt?

Nach Ansicht der für Umwelt verantwortlichen Stadträtin Juliane Alton (Grüne) wurden viele Maßnahmen jedoch abgeschwächt oder erst gar nicht umgesetzt. Sie nennt ein Beispiel: „Im Jahr 2022 steht zum dritten Mal in Folge das gleiche Vorhaben im Programm: Prüfung, wie ein Klimacheck als Teil einer umfassenden Folgenabschätzung (Nachhaltigkeitsprüfung – Ökologie, Ökonomie, Soziales et cetera) eingeführt werden kann. Es ist nicht nachvollziehbar, dass drei Jahre lang ‚geprüft‘ statt umgesetzt wird“, bemängelt die Umweltstadträtin.

Manche Maßnahmen würden auch einfach abgeschwächt, zum Beispiel jene, die Dornbirn fahrradfreundlicher machen soll. Nachdem die Zertifizierung nach bestimmten Standards zwei Jahre lang liegen geblieben seien, wurde die Zertifizierung heuer nicht mehr in den Maßnahmenkatalog aufgenommen sondern durch eine nichtssagende Formulierung ersetzt: „Laufende Maßnahmen im Sinne einer fahrradfreundlichen Gemeinde“. Viele Maßnahmen vor allem im Bereich Stadtplanung stünden schon mehrere Jahre lang im Programm, ohne dass diese umgesetzt würden, beklagt Alton. VN-pes

„Über 70 Projekte und Aktionen im Umweltprogramm werden allein heuer umgesetzt.“

„Es ist nicht nachvollziehbar, dass drei Jahre lang ‚geprüft‘ statt umgesetzt wird.“