Zwei Großprojekte erhöhen Schuldenstand

Vorarlberg / 09.02.2022 • 17:08 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Anbau soll abgerissen und neu gebaut werden. Hier sollen künftig Wohnungen und Geschäftslokale entstehen.VN/JUN
Der Anbau soll abgerissen und neu gebaut werden. Hier sollen künftig Wohnungen und Geschäftslokale entstehen.VN/JUN

Bürgermeister Martin Konzet spricht über das „Krone“-Projekt, die Gemeindefinanzen und weitere Investitionen.

Bludesch In der Walgaugemeinde stehen heuer zwei große Investitionen an. Zum einen wird das Projekt „Krone“ weiter konkretisiert. Es werden Verhandlungen geführt und ein Vertragswerk erstellt. Zum anderen werden die neuen Wasserleitungen die Gemeinde viel Geld kosten.

Beim Um- und Anbau des Bludescher Gemeindeamtes samt neuer Tiefgarage sei man laut Bürgermeister Martin Konzet noch in Verhandlung mit der Reka, einer 100-prozentigen Tochter der Raiffeisenbank Feldkirch. Der Baugrund für den Erweiterungsbau gehöre der Gemeinde, doch mit der Tiefgarage würde man in eine Baurechtsfläche der Reka hineinkommen. „Wir müssen Varianten prüfen. Das ist rechtlich kompliziert“, sagt Martin Konzet. Es gebe aber eine Variante, bei der man nicht in die Baurechtsfläche eingreifen müsste. Dann würde die Tiefgarage von ursprünglich 29 Stellplätzen auf 16 Stellplätze schrumpfen.

„Wir sind in den finalen Zügen beim Ausverhandeln“, sagt Konzet. Hinsichtlich Größe und Aussehen stehe das Projekt aber jetzt schon. Heuer wolle man noch mit der Ausschreibung, bestenfalls sogar schon mit dem Abriss des jetzigen alten Anbaus beginnen.

Begegnungsraum und Wohnungen

Geplant ist im denkmalgeschützten Haus ein Gemeindesaal im Dachgeschoss. In der mittleren Etage wird sich die Gemeindeärztin niederlassen und im Erdgeschoss findet das Gemeindeamt seinen Platz. Die Räumlichkeiten werden denkmalgerecht adaptiert. Den Neubau mit 13 Wohneinheiten und Geschäftsflächen im Erdgeschoss baut die Reka. Eine gläserne Erschließungsspange mit einem gemeinsamen Stiegenhaus und Lift verbindet die beiden Gebäude. In einer der Geschäftsflächen soll ein Begegnungsraum für alle Gemeindebürger entstehen. Die geplanten barrierefreien Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen sollen speziell für Senioren gedacht sein.

Die Projektkosten fallen mit 580.000 Euro in den Voranschlag. Darin beinhaltet sind auch die Umzugskosten, denn während der Bauarbeiten wird das Gemeindeamt vorübergehend für eineinhalb bis zwei Jahre in die derzeit leer stehenden Räume der ehemaligen Apotheke ziehen.

Teure Wasserleitungen

Ein weiteres Projekt, das rund 570.000 Euro verschlingt, ist die Umlegung und der Austausch von Wasserleitungen im Bauabschnitt 13.
Die Hauptwasserleitung, die momentan noch unter dem Firmengelände von Vögele verläuft, muss außerhalb des Betriebsgeländes verlegt werden. Für die beiden Hauptinvestitionen muss ein Darlehen in Höhe von 1,5 Millionen Euro aufgenommen werden. Damit wächst der Schuldenstand auf über fünf Millionen Euro. 230.000 Euro würden trotz Darlehensaufnahme im Haushalt noch fehlen, doch Martin Konzet ist optimistisch. 2021 habe man auch ein Minus von 72.000 Euro prognostiziert und zum Ende des Jahres hatte man ein Plus von 350.000 Euro erwirtschaftet. „Das ist davon abhängig, welche Projekte umgesetzt werden können“, erklärt Martin Konzet. „Wenn also der Voranschlag, der im Wesentlichen die Finanzplanung für ein Geschäftsjahr darstellt, ein Minus aufweist, ist es noch nicht dramatisch. Abgerechnet wird am Schluss.“

Weitere größere Projekte, die sich im Voranschlag auswirken, sind das Hochwasserschutzprojekt Montjola/Quadern, das zusammen mit Thüringen umgesetzt wird und wofür 153.000 Euro veranschlagt werden, sowie die Radwegverbindung vom Freizeitplatz zum Landesradweg, die die Gemeinde 170.000 Euro kosten wird. 220.000 Euro werden für die Sanierung der Natursteinmauer Vanovagasse in den Haushaltsjahren 2022 und 2023 eingeplant. Die LEADER-Einreichung erfolgt noch im Februar.

Hohe Fixkosten

Insgesamt verabschiedete die Gemeinde ein Gesamtbudget von 8,3 Millionen Euro. Davon sind allein 1,9 Millionen Euro auf Personalkosten zurückzuführen. Auch die weiteren Fixkosten wie Umlagen (Landesumlage: 210.000 Euro), Fonds (der Spitalfonds und Sozialfonds kosten die Gemeinde jeweils 610.000 Euro), die Infrastruktur (ÖPNV: 210.000 Euro) und Beteiligungen an Kooperationen „sind nicht ganz ohne“, so Konzet. „Das sind Sachen, bei denen ich mich nicht ausklinken kann. Aber sie schmälern die Flexibilität.“ Vor allem Kooperationen – die Gemeinde Bludesch hat über 40 – seien notwendig, denn gewisse Aufgaben könne man finanziell nur noch innerhalb eines Verbandes stemmen. So ist die Gemeinde im Hochwasserschutzverband Ill/Walgau Mitglied, für den sie 48.000 Euro beisteuern muss. 220.000 Euro an Schulerhaltungs- und Investitionsbeiträgen muss die Gemeinde an die Schulstandortgemeinden zahlen. Die Finanzkraft (alle Einnahmen einer Gemeinde) liegt bei rund drei Millionen Euro. VN-JUN

„Wir sind mit der Reka in den finalen Zügen. Heuer wollen wir noch mit der Ausschreibung beginnen.“

Der Anbau soll abgerissen und neu gebaut werden. Hier sollen künftig Wohnungen und Geschäftslokale entstehen.VN/JUN
Der Anbau soll abgerissen und neu gebaut werden. Hier sollen künftig Wohnungen und Geschäftslokale entstehen.VN/JUN