Rhesi ist ein Marathon

Vorarlberg / 10.02.2022 • 20:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Markus Mähr beschäftigt sich schon viele Jahre mit Rhesi. VN/Steurer
Markus Mähr beschäftigt sich schon viele Jahre mit Rhesi. VN/Steurer

Im August soll Einreichplan für Hochwasserschutzprojekt stehen. Bis gebaut wird, dauert’s.

St. Margrethen Die Mühen der Ebene. Markus Mähr kennt sie. Der Koordinator des Jahrhundertprojekts Rhein-Erholung-Sicherheit spricht im vn.at- Interview von positiven Entwicklungen. Bis zu einem Baubeginn wird es jedoch noch Jahre dauern.

 

Zuletzt gab es ermutigende Neuigkeiten aus Koblach. Das frühere Widerstandsnest scheint besänftigt.

Mähr Die mehrheitlich positive Grundstimmung zu Rhesi in Koblach ist ein wichtiges Zeichen. Es zeigt der Öffentlichkeit, dass die Zusammenarbeit mit der Gemende funktioniert. Wir konnten einige sehr skeptische Gemeindevertreter überzeugen. Aber das ist nicht in an diesem einen Abend passiert, sondern in den zahlreichen Kontaktnahmen zuvor. Die Opposition gegen die Dammabrückung gibt es freilich weiter. Das liegt in der Natur der Sache, und daran wird sich auch nichts ändern.

 

Die Gemeinde will rechtlich verbindliche Verträge. Vor allem bezüglich Grundstücksabtausch. Gibt es die?

Mähr Wir von der IRR können keine Verträge machen. Wir brauchen die Aufträge dafür von Wien und Bern. Auch Koblach tut sich aufgrund der juristisch festgestellten Befangenheit mehrerer Gemeindevertreter schwer, eine offizielle Zustimmung zum Projekt zu geben. Diese Gemeindevertreter sind bekanntlich Nutzungsberechtigte an von Rhesi benötigten Flächen und dürfen deshalb zu diesem Thema in der Gemeindevertretung nicht abstimmen.

 

Was ist von der entgegengesetzten Front der Kritiker, den Schweizer Umweltschützern mit ihren Klagsdrohungen, zu befürchten?

Mähr Da hat sich in letzter Zeit nichts getan. Ich gehe davon aus, dass diese Gruppen ihre Einwände bei der großen Umweltverträglichkeitsprüfung einbringen werden. Im Hinblick darauf müssen wir streng darauf achten, ja keine Formfehler zu machen. Wir haben die Umweltgruppen bereits in die Modellversuchshalle nach Dornbirn eingeladen, um ihnen das Projekt zu zeigen.

 

Die Umweltgruppen in Vorarlberg haben noch vor nicht allzu langer Zeit mangelnde Transparenz beklagt. Haben sie jetzt Einsicht in alle Unterlagen erhalten?

Mähr Ja, das haben sie. Und zwar in alle Unterlagen. In Sachen Transparenz würde ich uns schon als Vorzeigeprojekt bezeichnen.

 

An welchem Punkt steht Rhesi jetzt?

Mähr Wir befinden und gegenwärtig in der Endphase der Einreichplanung. Der nächste wichtige Meilenstein sollte im August erfolgen. Dann möchten wir den Entwurf der Einreichplanung auf den Tisch legen.

 

Wie geht es danach weiter?

Mähr Die Planungsentwurf geht an Kanton, Land und Bund beider Staaten. Dort wird er überprüft und mit einer Reihe von Fragen versehen, die wir dann zu behandeln haben. Vor 2024 wird der Verfahrensstart nicht erfolgen.

 

Wann ist mit einem Baustart zu rechnen?

Mähr Bei einem Verfahren weiß man nie genau, was einen erwartet. Realistisch wird ein Baustart nicht vor 2027 zu erwarten sein.

 

Für einen Nicht-Fachmann sind diese langen Zeiträume, bis es wirklich an die Umsetzung geht, nicht zu verstehen. Können Sie das nachvollziehen?

Mähr Ich kann die Menschen verstehen, die darüber den Kopf schütteln und meinen, es passiert nichts. Aber diese Abläufe sind eben sehr komplex und dauern länger.

 

Haben die Staatsvertragsverhandlungen einen Einfluss auf die Planungen?

Mähr Die Planungen sind davon nicht betroffen, weil es bei den Staatsvertragsverhandlungen hauptsächlich um Fragen der Finanzierung geht. Wir liefern Informationen für die Verhandler.

 

Was sind derzeit die größten Herausforderungen?

Mähr Planerisch ist eigentlich schon viel erledigt. Der Fokus richtet sich immer mehr auf juristische Aspekte.

RHESI

Rhein-Erholung-Sicherheit = Rhesi

Hochwasserschutzprojekt auf 26 Kilometer Länge vom Illspitz zur Bodenseemündung

Ziel Erhöhung der Durchflusskapazität von 3100 auf 4300 m3; zugleich ökologische Aufwertung des Flusses

Betroffen 26 Kommunen auf beiden Seiten des Rheins; 13 in der Schweiz, 13 in Österreich

Kosten knapp 1 Mrd. Euro

Geplanter Baubeginn zwischen 2027 und 2029