„Bäume zu pflanzen ist das eine, sie zu erhalten das andere“

Vorarlberg / 13.02.2022 • 17:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Baumpfleger um Christoph Ölz schneiden die Pappel im Hatlerdorf zu.<span class="copyright">ERH (4)</span>
Die Baumpfleger um Christoph Ölz schneiden die Pappel im Hatlerdorf zu.ERH (4)

Conrad Amber sorgt für mehr Grün in der Stadt, aber auch für die Sicherheit.

Dornbirn Für Conrad Amber haben Bäume und Wälder schon seit der Kindheit eine große Bedeutung. Damals kletterte er in Baumwipfel und durchstreifte Wälder mit seinem Vater. Heute setzt er sich ein für mehr Grün in den Städten und Dörfern, für mehr Bäume, grüne Oasen und naturnahe, blühende Gärten in unserem Lebensraum. „Bäume zu pflanzen ist das eine, sie zu erhalten das andere“, sagt der mittlerweile zum Baumexperten avancierte Naturliebhaber, Buchautor und Vortragende. Er verrät auch, warum ihn ein Baum schon mal zum Weinen brachte.

Sicherheit hat Vorrang

Inzwischen sind die „Gehölz-Buaba“, wie Conrad Amber sie auch nennt, in der Nähe des Hatler-Brunnens in luftiger Höhe zugange. Christoph Ölz, Baumpfleger und Sachverständiger, und sein Team sind angerückt, um dem 26 Meter hohen Baum vor dem Wohnhaus an der Badgasse einen „Verkehrssicherungs-Schnitt“ zu verpassen. Zwei junge Leute tragen indes am Boden dafür Sorge, dass Passanten die Absperrungen berücksichtigen. Dabei verfolgen sie neugierig die Strategie der Baumpfleger. Der Dornbirner Xaver Millner ist 20 und studiert an der Universität für Bodenkultur Wien Landschaftsplanung. „Ein alter, gesunder Baum ist beeindruckend und wertvoll für unsere Umgebung“, betont der künftige Planer. Gleichzeitig achtet Felix Simon, 17, darauf, wie sein Chef die 50 Jahre alte Pappel in der Höhe und Breite einkürzt. Felix macht die mehrstufige Ausbildung zum „European Tree Worker“. „Bis dahin werde ich mehrere Prüfungen ablegen, die auch das Klettern und den Umgang mit der Motorsäge beinhalten“, informiert der Dornbirner.

Der Tag, an dem er weinte

Etwas ist derzeit anders und seltsam in Conrad Ambers Garten. Dort, wo die Blutbuche mit ihren ausladenden Ästen stand, steht jetzt nur noch der Torso des Baumes. Was ist passiert mit dem einstigen Garten- und Lebensmittelpunkt, der ihn 35 Jahre lang begleitete? Durch einen Pilzbefall ist der Baum mit seiner schattenspendenden Krone abgestorben und war trotz mehrerer Versuche nicht zu retten. „Es war der Tag, als ich geweint habe“, beschreibt der auch als Stimme der Bäume Bekannte das Ereignis.

Gleichzeitig traf er die Entscheidung, den Torso als Totholz stehen zu lassen und daneben einen neuen Baum zu pflanzen. „Der alte Stamm wird im Frühling mit Efeu begrünt, rund herum werden an Bastseilen Rambler-Rosen mit weißen und gelben Blüten für Wildbienen und nützliche Insekten hochgezogen. Auch für Spechte und andere Vögel, Fledermäuse oder Siebenschläfer wird so das Totholz lebendig bleiben“, versichert Conrad Amber. Über den neuen Baum in seinem Garten, eine Zitterpappel, sagt er fast poetisch: „Ich liebe das Rauschen der Blätter und ihr gülden Laub im Herbst.“ erh

Die „Gehölz-Buaba“, sind in luftiger Höhe zugange.
Die „Gehölz-Buaba“, sind in luftiger Höhe zugange.
Felix Simon, 17, ist auf dem Weg zum „European Tree Worker“.
Felix Simon, 17, ist auf dem Weg zum „European Tree Worker“.
Conrad Amber wird in seinem Garten einen neuen Baum pflanzen.
Conrad Amber wird in seinem Garten einen neuen Baum pflanzen.