Wenn aus Freundschaft Liebe wird

Vorarlberg / 13.02.2022 • 15:40 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Wenn aus Freundschaft Liebe wird
Nach dem Verlust ihrer Lebenspartner fanden sich Ida Walch und Rudolf Adlassnigg.

Ida Walch und Rudolf Adlassnigg waren über viele Jahre miteinander befreundet. Nach dem Tod ihrer Lebenspartner wurde aus ihnen ein Liebespaar.

Rankweil/Lech Das Leben schreibt die schönsten (Liebes) Geschichten, aber auch die traurigsten. Fast 60 Jahre war Rudolf Adlassnigg (95) mit seiner Alma zusammen.

Die beiden lernten sich 1949 kennen. Sie heirateten und gründeten eine Familie. Der Ehe entsprangen vier Kinder. „Alma war der Mittelpunkt der Familie. Sie war eine Vorbildehefrau und Vorbildmutter“, spricht Rudolf in höchsten Tönen von ihr. Alma hielt ihrem Mann den Rücken frei. „Ich musste nie mithelfen im Haushalt.“ Rudolf, der sich vom Maurer zum Baumeister weitergebildet hatte, brachte die Brötchen heim. „Ich war auf der Baustelle und meine Frau in der Küche.“

Ehefrau sechs Jahre lang gepflegt

Im Alter erkrankte Alma an Polyneuropathie. Sie wurde bettlägerig. Sechs Jahre lang pflegte Rudolf seine Frau. Er konnte sie nicht mehr allein lassen, musste dauernd präsent sein. Rudolf wurde zum Hausmann. „Alma gab mir Kochtipps. Ich habe für uns sogar Marmelade eingekocht.“ Der Rankweiler pflegte seine Frau bis zu deren Tod im Jahr 2008 mit Hingabe. „Ich tat es gerne, weil ich ihr etwas zurückgeben und Dank abstatten konnte für all das, was sie für mich und die Kinder getan hat.“ Alma schätzte seine Betreuung. „Abends sagte sie immer zu mir: ,Rudi, ich danke dir. Ich bin froh, dass ich dich habe.‘“

Rudolf und Alma an ihrem schönsten Tag.
Rudolf und Alma an ihrem schönsten Tag.

Als sie starb, fiel der Pensionist in ein tiefes Loch. „Für mich ging die Welt unter.“ Tochter Regine machte sich um ihren Vater Sorgen. Deshalb bat sie bei der Beerdigung das Ehepaar Ida und Vinzenz Walch: „Bitte ruft den Papa ab und zu an, er ist so einsam.“ Mit den Walchs aus Lech, die am Arlberg Hotels und Bäckereien führten, waren Alma und Rudolf seit vielen Jahren befreundet.

Nur wenige Monate nach Almas Tod starb Vinzenz, der Ehemann von Ida. Nach der Verabschiedung von Vinzenz kamen Idas Kinder auf Rudolf zu: „Rudl, bitte schau auf unsere Mama.“ In der trauernden Witwe reifte der Entschluss, „dass meine Freundschaft mit Rudl Teil meines neuen Lebensabschnittes werden sollte“. Zunächst telefonierte die sechsfache Mutter mit Rudolf mehrere Male pro Woche. „Wir haben uns nach dem Verlust unserer Lebenspartner gegenseitig getröstet und Halt gegeben“, erzählt Ida und wirft einen innigen Blick auf Rudolf. Dieser ist rückblickend froh, dass Ida hartnäckig geblieben ist und ihn aus seinen vier Wänden holte.  „Wir haben gemeinsam Ausflüge und Busreisen gemacht.“

Ida und Vinzenz, das glückliche Brautpaar.
Ida und Vinzenz, das glückliche Brautpaar.

“Vielleicht hocken wir einmal zu viert im Himmel.”

Ida Walch

Allmählich wurde aus Freundschaft Liebe. Bald kam Rudolf jedes Wochenende zu Ida nach Lech. Inzwischen wechseln sie sich ab. „Einmal komme ich ein paar Tage zu ihm nach Rankweil, ein andermal er zu mir nach Lech“, zeigt die 95-Jährige auf, dass die Fernbeziehung für beide stimmig ist. Telefoniert wird aber jeden Tag, und das gleich ein paar Mal. „Wir tauschen uns aus, reden über unsere Sorgen und Nöte.“ Ida bedeutet es viel, „dass ich den Rudel habe. Er ist eine Seele von Mensch. Bei ihm kann ich mich anlehnen.” Auch Rudolf schätzt „die schöne Zweisamkeit“ sehr. Er hätte nie gedacht, dass nach Almas Tod noch einmal eine Frau in sein Leben kommt. Freilich: Alma ist unvergessen. „Es wäre ein Traum, wenn ich sie im Himmel wiedersehen würde.“ Auch Ida hofft, dass sie mit ihrem Vinzenz wieder zusammengeführt wird. „Vielleicht hocken wir einmal zu viert im Himmel.“