Geldpolitik befeuert Wohnbau

Vorarlberg / 14.02.2022 • 05:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Geldpolitik befeuert Wohnbau
Bescheidene Zinsen sorgen seit Längerem dafür, dass Geld in den Immobiliensektor fließt, wo es besser angelegt ist. Symbol VN/Steurer

Im vergangenen Jahr wurden so viele Eigenheime errichtet wie schon lange nicht mehr.

SCHWARZACH Zwischendurch hatte es im vergangenen Jahr so ausgehen, als würde der Wohnbau in Vorarlberg nachlassen. Bis zum Sommer war die Zahl der Baubewilligungen über drei Quartale hinweg zurückgegangen. Und zwar nicht irgendwie, sondern stark: Um fast die Hälfte auf 682 bewilligte Wohnungen im zweiten Quartal. Das war der niedrigste Wert seit langem. Im dritten Quartal war die Zahl mit 1032 dann aber wieder vierstellig, wie „Statistik Austria“ berichtet. In Summe hatte es damit nur einen leichten Rückgang gegenüber der jüngeren Vergangenheit gegeben.

Wohnbauforscher Wolfgang Amann betont jedoch, dass dieser Rückgang ausschließlich den Mehrgeschossbau mit mehreren Einheiten betrifft.

Geldpolitik befeuert Wohnbau

Bei den Eigenheimen sei die Kurve weiter nach oben gegangen: Mit rund 900 habe es in diesem Bereich so viele Bewilligungen gegeben wie seit 15 Jahren nicht mehr. Diese Entwicklung ist längst nicht mehr auf echten Wohnbedarf allein zurückzuführen. In absehbarer Zeit wird die Zahl der Haushalte in Vorarlberg um voraussichtlich rund 1200 pro Jahr steigen, wie Amann aus Prognosen der „Statistik Austria“ berichtet. Ähnlich viele Wohnungen würden durch Abbruch verloren gehen. Von daher wären in Summe etwa 2400 nötig. Bewilligt und in der Regel auch gebaut werden jedoch viel mehr. 2021 handelte es sich schon in den ersten drei Quartalen, also bis Ende September, um fast 2600.

Inflation macht Immobilien noch attraktiver

Amann erklärt das folgendermaßen: „Es wird sehr viel produziert, das nicht unmittelbar der Wohnversorgung dient. Das ist zwar gut für die Bau- und Immobilienwirtschaft. Langfristig bringen Wohnungen ohne Wohnnutzung aber mehr Probleme als Nutzen.“

Ausschlaggebend dafür, das mehr gebaut wird als zur Erfüllung des Traums vom eigenen Haus mit Garten oder auch nur zur Befriedigung des Wohnbedarfs erforderlich ist, sind Entwicklungen, die mit niedrigen Zinsen und einer relativ hohen Inflation einhergehen: „Die hohe Inflation macht die Immobilie leider noch attraktiver. Am Kapitalmarkt bedeutet die hohe Inflation für Anlagen ja eine schleichende Enteignung“, so Wolfgang Amann, der ein Forschungsinstitut für Immobilien, Bauen und Wohnen führt.

Doch schon bei überschaubarer Inflation war der Kapitalmarkt in der Vergangenheit alles andere als attraktiv. Bescheidene Zinsen sorgen seit Längerem dafür, dass Geld in den Immobiliensektor fließt, wo es besser angelegt ist. Ob das so weitergeht? Amann im Gespräch mit den VN: „Die Perspektive hängt stark von der Politik der Zentralbanken ab.“ Solange die Zinsen so niedrig bleiben, wird sich kaum etwas ändern.