Gericht: Morddrohung unter dem Notruf

Vorarlberg / 14.02.2022 • 04:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Gericht: Morddrohung unter dem Notruf
Der Angeklagte wurde wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt zu einer Geldstrafe von 1000 Euro verurteilt. Eckert

Betrunkener wollte wegen entlaufenem Hund Polizeieinsatz erzwingen.

Feldkirch „Ich kann mich ehrlich nicht an diese Nacht erinnern. Ich war rotzbesoffen und zwar sehr“, sagt der Mann beim Prozess am Landesgericht Feldkirch in nicht ganz einwandfreiem Deutsch. Die Rede ist von Anfang November vergangenen Jahres, als der Angeklagte– wieder einmal – ordentlich über den Durst getrunken hatte.

„Ab und zu habe ich ein Alkoholproblem“, räumt der Kellner ein. Er habe bereits zum Frühstück Rotwein getrunken, dann den ganzen Tag weiter, in Ergänzung dazu Wodka. Am nächsten Morgen sei er zwischen etlichen Flaschen erwacht. 1,5-Liter-Flaschen, wie er betont. An die Sache mit dem Hund und der Polizei kann er sich nicht erinnern, sagt der 39-Jährige.

Nummer missbraucht

Fakt ist, dass zwischen 1.50 Uhr und 3.07 Uhr insgesamt sechs Notrufe eingingen. „Mein Hund ist weg, ich suche ihn“, lallte der Anrufer. Falls die Polizei nicht komme und ihm suchen helfe, bringe er jemanden um, so die Drohung des Tierbesitzers. „Wir erklärten ihm, dass die Polizei nicht dazu da ist, in der Nacht fremde Hunde zu suchen“, sagte die damalige Notrufbearbeiterin. Weil der Mann allerdings davon sprach, jemanden umzubringen, leitete sie den Anruf weiter an einen Disponenten, der die zuständige Polizeistreife informierte, denn derartige Drohungen kann man nicht ignorieren.

Ende gut, alles gut

Trotz Ärgers in der Wachstube hielt man nach dem Mischling Ausschau und fand ihn zu guter Letzt bei einer Tankstelle. Die Beamten brachten das Tier dem Besitzer zurück. Der war überglücklich. „Er war in jener Nacht einfach verschwunden, ich hatte keine Ahnung, wo er war“, erinnert er sich. Verteidiger Reinhard Weber hält die Aussage des Trinkers für eine rechtlich unbedeutsame Unmutsäußerung. „Ich muss unter meiner Maske schmunzeln, denn die Beamten erkannten ja, dass der Anrufer lallte. Da bis zum Einschreiten mehr als eine Stunde verstrich, nahm man die Sache mit dem Umbringen ja doch nicht so ernst“, so Weber.

Glücklich und dankbar

Richter Richard Gschwenter verurteilt den Angeklagten weder Widerstands gegen die Staatsgewalt. Üblicherweise geht es dabei um aktiven Widerstand bei Amtshandlungen, um Losreißen und dergleichen. Doch auch wenn man eine Amtshandlung erzwingen will, ist dieses Delikt verwirklicht. Mit 1000 Euro kommt der sechsfach Vorbestrafte mit einem blauen Auge davon. Zu Tränen gerührt bedankt er sich und akzeptiert die Entscheidung. Auch Staatsanwältin Julia Berchtold ist einverstanden.