Haft für Kindesmisshandlung

Vorarlberg / 14.02.2022 • 22:20 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte wurde zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, sechs Monate davon unbedingt. eckert
Der Angeklagte wurde zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, sechs Monate davon unbedingt. eckert

Überforderter Kindesvater schüttelte schreiendes Baby, das nun auf einem Auge blind ist.

Feldkirch Das Kind war alles andere als geplant. Der junge Mann ist Techniker und schichtet. Das ist anstrengend. Die Kindesmutter war bei der Geburt der gemeinsamen Tochter 15 Jahre alt und Schülerin.

Dennoch entschied sich das Paar für das Kind. Das Frühchen war anstrengend, weinte viel und die Betreuung wuchs den beiden über den Kopf. Der Vater versuchte mit Alkohol „runter zu kommen“. Eine fatale Fehlentscheidung, wie sich in der Folge herausstellte. Im Mai vergangenen Jahres war der Mann mit seinem knapp fünf Monate alten Baby wieder einmal völlig überfordert.

Schütteltrauma

Er nahm es und schüttelte es heftig. Dadurch erlitt es ein Schütteltrauma. Einblutungen in der Hirnhaut und in den Netzhäuten der Augen.

„Kindesmisshandlung führt ins Gefängnis“, macht der vorsitzende Richter klar, dass bei derartigen Fällen ein Teil der Strafe unbedingt verhängt werden muss.  Auch um öffentlich aufzuzeigen, dass Gewalt gegen Kinder nicht toleriert wird.

Schwer geschädigt

Auch nach dem folgenschweren Fehlverhalten hat sich das Paar wieder zusammengerauft und versucht, das Beste aus der Situation zu machen.

„Es tut mir so unendlich leid und ich würde alles dafür geben, wenn ich die Sache rückgängig machen könnte“, so der bislang Unbescholtene. Dem Kind bleiben durch die Schädigung des Sehnervs gravierende Dauerfolgen. „Man muss sich den Sehnerv wie ein Kabel, das ins Gehirn führt, vorstellen“, veranschaulicht der Sachverständige. Er führt näher aus, dass sich auf dem linken Auge des Kindes nicht viel bessern wird und spricht von „funktionaler Einäugigkeit“.

Verlust des Sehvermögens

Auch der Richter spricht in der Urteilsbegründung von „gänzlichem Verlust des Sehvermögens“ auf dem linken Auge. Der Verteidiger hakt nach, doch die Antwort des Augenarztes ist ernüchternd: „Weder eine operative Behandlung noch ein Austausch des Sehnervs ist möglich.“

Man versuchte bereits, das rechte Auge des Kindes abzukleben, um zu testen, ob allenfalls eine positive Änderung auf dem linken Auge zu beobachten ist. Doch die massive Abwehrhaltung des Kindes zeigte, dass dies zu nichts führt. Das linke Auge scheint so gut wie verloren.

„Die Eltern sind selbst schwer gestraft mit den Fakten“, plädiert die Verteidigung für ein mildes Urteil. Der Vorsitzende Dietmar Nußbaumer verhängt zwei Jahre Haft, ein halbes Jahr davon unbedingt. Der Verurteilte muss dem Kind 2000 Euro Teilschmerzengeld zahlen und haftet für alle künftigen Schäden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. EC