“Es waren schwere Stunden für Lech”

Vorarlberg / 16.02.2022 • 18:57 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Unglück passierte am 17. Februar 2012, gegen 12.15 Uhr. Die Bergrettung war mit einem Großaufgebot vor Ort.

Das Unglück passierte am 17. Februar 2012, gegen 12.15 Uhr. Die Bergrettung war mit einem Großaufgebot vor Ort.

Vor zehn Jahren wurde Prinz Friso von einer Lawine verschüttet. Altbürgermeister Muxel erinnert sich.

Lech Am 17. Februar 2012 schlug das Schicksal in Lech unbarmherzig zu: Prinz Friso, der mittlere Sohn der frühren niederländischen König Beatrix, war an diesem Tag wie so oft mit seinem Freund, dem Hotelier Florian Moosbrugger, auf Skiern unterwegs. Gegen 12.15 Uhr passierte dann das für die meisten Unvorstellbare. Der 43-Jährige fuhr bei Lawinenwarnstufe 4 in einen Hang im freien Skiraum ein, löste dabei eine Lawine aus und wurde unten den Schneemassen begraben. Er konnte zwar nach rund 20 Minuten gerettet und reanimiert werden, die Verletzungen waren allerdings so schwerwiegend, dass Prinz Friso knapp 18 Monate später verstarb. Heute, Donnerstag jährt sich das Unglück zum zehnten Mal. Ludwig Muxel (66) war damals Bürgermeister in Lech und gerade zuhause beim Mittagessen, als ihn die Nachricht von dem Unglück erreichte. „Ich bin dann natürlich sofort ins Büro marschiert und habe die maßgeblichen Stellen im Dorf informiert“, erinnert er im Gespräch mit den VN. Das Medienaufgebot sei dann enorm gewesen. „Es gab bis spät die Nacht und die darauffolgenden Tage sehr viele Anfragen“, blickt Muxel zurück.

Im Koma

Der Prinz wurde nach der Bergung in kritischem Zustand in die Universitätsklinik Innsbruck geflogen. Am 24. Februar gab die Königsfamilie bekannt, dass der Königssohn bei dem Unglück einen 50-minütigen Herzstillstand erlitten hatte und im Koma lag. Ob er jemals wieder das Bewusstsein erlangen würde, war laut dem behandelnden Ärzteteams fraglich.

Am 1. März wurde Prinz Friso dann mit einem Ambulanzflugzeug in das Wellington Hospital nach London verlegt. Im November desselben Jahres schien sich sein Zustand zu bessern. Der Prinz zeige minimale Merkmale von Bewusstsein, teilte der Hof mit. Im darauffolgenden Juli folgte allerdings die traurige Nachricht: Für Prinz Friso gäbe es keine Hoffnung mehr. Bereits Anfang Juli war er von London in den Palast Huis ten Bosch in Den Haag verlegt worden, wo er von einem Medizinteam versorgt wurde. Am 12. August 2013 starb Prinz Friso schließlich mit 44 Jahren, nur einen Tag nach dem 45. Geburtstag seiner Frau Mabel, der Mutter seiner beiden Töchter Luana (16) und Zaria (15).

Der jüngere Bruder des heutigen Königs Willem-Alexander (54) wurde auf dem kleinen Friedhof im Dorf Lage Vuursche bei Utrecht begraben. Der Friedhof grenzt an Schloss Drakensteyn, den Alterswohnsitz seiner Mutter Prinzessin Beatrix. Der Prinz galt als hochintelligent, sportlich und zurückhaltend. Nach seiner von Regierung und Parlament nicht gebilligten Hochzeit mit der bürgerlichen Mabel verlor er seinen Platz in der Thronfolge. Bis zu dem Unglück war Friso Finanzchef der Atomfirma Urenco in London.

Tafel in der Pfarrkirche

In der Lecher Pfarrkirche erinnert eine Tafel an das Lawinenunglück und den Tod von Friso. Auch im Leben von Ludwig Muxel sind die schicksalhaften Ereignisse noch immer sehr präsent. „Ich denke natürlich oft daran, auch weil Prinz Friso und ich gemeinsame Bekannte hatten. Wir hatten irgendwie eine gemeinsame Zeit“, blickt der Altbürgermeister zurück. Es seien damals schwere Stunden gewesen. „Es war nicht leicht für Lech, ganz besonders aber für die Königsfamilie.“ VN-GER

„Ich denke oft daran, auch weil Prinz Friso und ich gemeinsame Bekannte hatten.“

Die Königsfamilie urlaubt seit 1959 in Lech. Das Bild zeigt Prinz Friso (vorne) im Jahr 1975.

Die Königsfamilie urlaubt seit 1959 in Lech. Das Bild zeigt Prinz Friso (vorne) im Jahr 1975.

Die Trauerfeier fand im engsten Familienkreis in der Dorfkirche von Lage Vuursche nahe Utrecht statt.

Die Trauerfeier fand im engsten Familienkreis in der Dorfkirche von Lage Vuursche nahe Utrecht statt.

Prinz Friso mit seinen Töchtern Luana (heute 16) und Zaria (heute 15) bei einem Fotoshooting im Jahr 2010.

Prinz Friso mit seinen Töchtern Luana (heute 16) und Zaria (heute 15) bei einem Fotoshooting im Jahr 2010.