Ansturm bei 3G zu groß: Wirte schließen Bar

Vorarlberg / 18.02.2022 • 16:37 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Tobias und Marianne Kieber schließen Mobar und Oneway an den Wochenenden vorübergehend, bis alle Maßnahmen fallen.<span class="copyright">VN/JUN</span>
Tobias und Marianne Kieber schließen Mobar und Oneway an den Wochenenden vorübergehend, bis alle Maßnahmen fallen.VN/JUN

Mobar und Oneway in Schruns haben freitags und samstags zu.

Schruns Ab Samstag gilt die 3G-Regel im Handel, die Sperrstunde wurde bereits am 5. Februar auf 24 Uhr ausgeweitet. Und dennoch schließen die Mobar und das Oneway Pub in Schruns ab heute teilweise, denn die neuen Verordnungen machen eine Öffnung an den Wochenendtagen, also Freitag und Samstag, unmöglich. Die beiden Bars in der Nähe des Schrunser Bahnhofs werden von Tobias und Marianne Kieber, die von allen nur „Kiki“ genannt wird, betrieben. Der ganze Spuk dauert jedoch nur bis
5. März. Ab da haben alle drei ihrer Lokale, also auch das Flintstone’s in Schruns, wieder uneingeschränkt geöffnet.

Seit 14 Jahren ist das Paar in der Gastroszene selbstständig, weiß also, was die Jugendlichen wollen. Tobias und Marianne freuen sich, wenn die Jugend endlich wieder „furtgoh“ kann. „Die Jugendlichen wollen sich wieder treffen. Das ist ganz normal“, sagt Marianne. Immerhin mussten sie bereits zwei Winter lang auf das Ausgehen verzichten.

Wirte unter Druck

Mittlerweile ist auch etwas ganz anderes „normal“ geworden: „Seit zwei Jahren haben wir mit der Polizei zu tun“, sagt Marianne. „Das setzt uns extrem unter Druck.“ Denn die Maßnahmen seien in ihrer Bar kaum umsetzbar. Allein, dass alle sitzen bleiben müssen, sei schwer durchzusetzen. Es gebe immer wieder Streitereien um einen der heißbegehrten Stühle. Wenn ein Gast kurz nach draußen zum Rauchen geht, wird ihm der Stuhl in der Zwischenzeit weggeschnappt.

Als die Sperrstunde noch bei 22 Uhr lag, haben Tobias und Marianne ihre Lokale gar nicht erst geöffnet. Jetzt steht Kiki im „Skihäs“ bis Mitternacht vor der Tür und kontrolliert die Nachweise, späht hin und wieder ins Lokal hinein, um sich zu vergewissern, dass auch wirklich alle sitzen.

Freitagnacht vor einer Woche gab es um 0.30 Uhr eine Schlägerei im Bereich des Bahnhofs. „Die Polizei macht uns dafür mitverantwortlich“, ärgert sich die Wirtin. Früher gab es laut Marianne nie ein Problem mit Schlägereien, doch bei vielen würde sich gerade unter Alkoholeinfluss nun ein Ventil auftun, mit dem sie den aufgestauten Emotionen freien Lauf lassen. Vonseiten der Polizei gebe es auch keine Lösungsvorschläge. „Uns wurde sogar mit einer Sperrstundenverkürzung gedroht und gesagt, wir hätten unseren Job nicht im Griff. Dabei sind Kreisverkehr und Bahnhof Sache der Polizei“, schaltet sich Tobias ein. Man schaue sowieso schon danach, dass die Jugendlichen nicht im Kreisverkehr stehen.

20 Prozent mehr Leute bei 3G

40 bis 50 Leute standen letztes Wochenende vor dem Eingang der Mobar und kamen nicht mehr hinein, da alle Stühle bereits besetzt waren. Vor dem Oneway standen ebenfalls 20 Leute an. Das Problem: Da herrschte noch 2G. Kommt jetzt die 3G-Regel, werden 20 Prozent mehr Menschen anstehen. Bei der aufgeheizten Stimmung will das Paar kein Risiko eingehen und schließt daher seine beiden Bars an den Freitag- und Samstagabenden.

„Geimpft oder nicht geimpft ist mir eigentlich wurscht.“ Bei Kiki ist jeder willkommen. „Ich kann nur nicht noch mehr Leute in Zaum halten“, erklärt sie. Von Sonntag bis Donnerstag haben die beiden Bars weiterhin von 18 bis 24 Uhr offen, da dort weniger los sei und somit die (neuen) Vorgaben besser zu händeln wären. Es betreffe somit nur die zwei Freitage und die zwei Samstage bis 5. März.

Unbehagen

Dass der „Ausrutscher“ in Gaschurn geschlossen hat, mache die Sache nicht besser. „Früher haben sich die Gäste samstags gut verteilt. Jetzt herrscht ein unausgewogenes Verhältnis“, sagt Tobias. Obwohl immer noch mehr Gästebetten gebaut werden, schwinden gleichzeitig die Ausgehmöglichkeiten gerade für junge Menschen. Schon vor Corona platzten die Räumlichkeiten ihrer Bars und Pubs aus allen Nähten, Corona machte diesen Umstand nicht besser. Seit acht Jahren sind die beiden auf der Suche nach etwas Größerem, bis jetzt vergeblich. „Für die Jungen sind wir die einzigen Gastgeber“, sagt Tobias. Mittlerweile fühle er ein gewisses Unbehagen. Er frage sich des Öfteren, ob es noch das Richtige sei, was er tut, ob er das Ganze überhaupt noch wolle. Diese Gedanken hätte er vor Corona nicht gehabt.

„Wir wollen nicht, dass die Leute angepisst sind“, sagt Tobias. Viele würden die Maßnahmen nicht mehr verstehen. „Es ist jedes Mal nervenaufreibend, wenn die Polizei vor der Tür steht“, gesteht Marianne. Im Sommer haben die beiden eine Security gehabt. Doch nachdem diese bei der Arbeit einen Nasenbruch und ein Würgetrauma erlitten hatte, hat das Paar die Kontrollen wieder selbst übernommen.

Die 3G-Regel wäre für die Gastronomen nur umsetzbar gewesen, wenn gleichzeitig die Sitzplatz-
regelung aufgehoben worden wäre. Doch so sei es „ein Erschwernis und keine Erleichterung“, wie Tobias meint. Ab 5. März sei alles wieder gut. „Wir feiern’s nach und hoffen das Beste“, sagt Kiki. VN-JUN